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- United Kingdom: Forscher bestätigen eine Ursache für entzündliche Darmerkrankungen
Ein britisch-dänisches Forschungsteam unter der Leitung von Prof. Holm H. Uhlig vom Centre for Human Genetics, an der University of Oxford, UK, hat mit Hilfe eines zellulären Assays bestätigt, dass neutralisierende Autoantikörper in bestimmten Fällen für chronisch-entzündliche Darmerkrankungen verantwortlich sein können. Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen. Grafik: Julius Senegal, Wikipedia, CC BY-SA 3.0. Autoantikörper sind fehlgeleitete Antikörper des Immunsystems, die sich nicht gegen Krankheitserreger, sondern irrtümlich gegen körpereigenes Gewebe - in diesem Fall gegen die Interleukin 10-Signalübertragung - richtet. Diese ist ein zentraler entzündungshemmender Mechanismus des Immunsystems und dämpft überschießende Immunreaktionen, um Gewebeschäden zu verhindern. Neue Forschungsergebnisse zeigen, dass Patienten mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen Autoimmunreaktionen gegen einen wichtigen Akteur des Immunsystems entwickeln: gegen Interleukin-10. Dies führt zu unkontrollierten Entzündungen. Das Forschungsteam hat rund 4.900 Patienten mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen analysiert. Sie verwendeten einen zellulären Interleukin-10-Reporter-Assay und einen Enzymimmuno-Assay zur Bestimmung neutralisierender Interleukin-10-Autoantikörper in Serumproben der Patienten. Von den Patienten hatten etwa 3,5 % Antikörper gegen IL-10 in sich, die bei nicht betroffenen Menschen nicht vorkommen. Viele mit Autoantikörpern wiesen zudem eine Genvariante eines Immungens mit der Bezeichnung HLA-DRB1*01:03 auf (Human Leukocyte Antigen - DR-Isotyp 1). Es handelt sich um eine Gruppe von Zelloberflächenrezeptoren eines Proteinmoleküls, das eine Schlüsselrolle in der erworbenen Immunabwehr spielt. HLA-DRB1*01:03 ist der stärkste genetische Risikofaktor für Colitis ulcerosa. Die Autoren sind überzeugt, dass die Ergebnisse dabei helfen können, diagnostische Tests für diese Art von chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen sowie die Therapien für diejenigen verbessern, die Anti-IL-10-Antikörper tragen. Originalpublikation: Gharahdaghi N, Yeh PJ, Ceron-Gutierrez L, Griffin H, Gordon H, Jayamanne C, Fracchia A, Chong AY, Walsh A, Brain O, Baker K, Kockelbergh H, Luo Y, Guevara Becerra M, Vadakethala K, Coy M, Kabiri L, Barnardo M, Dunachie S, Kronsteiner B, Adams A, Fowler D, Zhang Q, Fachal L, Anderson CA, Desoki R, Vestergaard MV, Larsen L, Wyatt NJ, Lees RD, Mulligan RJ, Dong C, Sharip MT, Faustini SE, Shields A, Pakpoor J, Naz B, Richter A, Satsangi J, Lamb CA, Parkes M, Powrie F, Mentzer AJ, Sazonovs A, Jess T, Klenerman P, Travis S, Hambleton S, Doffinger R, Uhlig HH. Interleukin-10 Autoantibodies and HLA-DRB1*01:03 in Inflammatory Bowel Disease. N Engl J Med. 2026 Jun 11;394(22):2212-2222. doi: 10.1056/NEJMoa2513654. PMID: 42269151. Weitere Informationen: 1. Zhang Q, Shakweh E, Sharip MT, Zare B, Roberts C, Wyatt NJ, Clough J, Bewshea C, Garwany OE, Lees R, Mukhtar S, Rehman H, Thistle H, Mulligan R, Taylor M, Raymode P, Hamilton B, Noor NM, Morda F, Taylor M, Gyanwali M, Tobi O, Kateroglou S, Von Hagt S; UK IBD Genetics Consortium; NIHR IBD BioResource; Sebastian S, Hart A, Keylock L, Pele L, Lees CW, Raine T, Lamb CA, Anderson CA, Ahmad T, Uhlig H, Parkes M, Fachal L, Kennedy NA, Lee JC. (2026). HLA-DRB1*01:03 in patients with inflammatory bowel disease: a genotype-phenotype association study. Lancet Gastroenterol Hepatol. 2026, Jun 15: S2468-1253(26)00113-5. doi: 10.1016/S2468-1253(26)00113-5. Epub ahead of print. PMID: 42296978. 2. https://www.labroots.com/trending/cell-and-molecular-biology/30664/researchers-cause-inflammatory-bowel-disease 3. https://www.ndm.ox.ac.uk/team/holm-uhlig
- Frankfurt: Wirkstoffentwicklung mit virtuellen Patienten
Quantitative Systems Pharmacology (QSP)-Modelle spielen eine zentrale und immer wichtigere Rolle in der klinischen Entwicklung. Sie verknüpfen Biologie, Pharmakologie und Mathematik, um die Wechselwirkungen zwischen Medikamenten und dem komplexen biologischen System des Menschen am Computer zu simulieren. Virtueller Patient. Computer-generiert: artfulcolorworks, Pixabay. Virtuelle Kontrollen in der präklinischen Toxizitätstestung sind mittlerweile bekannt. An der Translational Medicine Unit (TMU) am Sanofi BioCampus in Frankfurt zum Beispiel geht Dr. Markus Rehberg noch einen Schritt weiter und entwickelt digitale Zwillinge für die klinische Arzneimittelentwicklung mit Hilfe von Quantitativen Systempharmakologie-Modellen. Eine Modellierung mittels quantitativer Systempharmakologie (QSP) ermöglicht es Arzneimittelentwicklern, Tausende von Experimenten, klinischen Studien und alternativen Hypothesen in silico zu simulieren, bevor sie kostspielige Experimente durchführen. Dies sind mathematische und computergestützte Simulationswerkzeuge, die Systembiologie und Pharmakologie kombinieren. Weitere Informationen: 1. https://info.metrumrg.com/en/qsp-1 2. https://www.bionity.com/de/news/1188928/wirkstoffforschung-mit-virtuellen-patienten.html?utm_source=newsletter&utm_medium=email&utm_campaign=bionityde--2026-06-15--1&mtm_group=bionityde&WT.mc_id=ca0264 3. Musante CJ, Ramanujan S, Schmidt BJ, Ghobrial OG, Lu J, Heatherington AC. Quantitative Systems Pharmacology: A Case for Disease Models. Clin Pharmacol Ther. 2017 Jan;101(1):24-27. doi: 10.1002/cpt.528. Epub 2016 Nov 18. PMID: 27709613; PMCID: PMC5217891.
- Polen: NAMs.Network Initiative
Polnische Flagge. Foto: Kpalion, Wikipedia. Das polnische Forschungs- und Technologieunternehmen QSAR Lab hat die open access-Datenbank NAMs.network entwickelt. Damit wollten die Entwickler:innen Wissen über New Approach Methodologies (NAMs) zur Gefahrencharakterisierung leichter auffindbar, verständlicher und nutzbarer zu machen. Die Datenbank enthält Informationen zu bereits gesetzlich zugelassenen NAMs, in der behördlichen Validierung befindliche NAMs sowie noch in der Entwicklung befindliche NAMs für die Risikobewertung von chemischen und pharmazeutischen Substanzen. Weitere Informationen: https://nams.network/
- Hamburg: Ebola Forschung mit Organoiden
Ein deutsch-amerikanisches Forschungsteam unter der Leitung von Forscher:innen des Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin und der Icahn School of Medicine at Mount Sinai, New York, haben Hirnorganoide entwickelt, um die Mechanismen zu untersuchen, die es dem gefürchteten Ebola-Virus ermöglichen, langfristig in seinem Wirt zu überleben. Ein Ebolaausbruch ist sehr gefährlich und erfordert umfangreiche Sicherheitsmaßnahmen. Foto: bhossfeld, Pixabay. Die Ebola-Viruserkrankung (EVD) ist eine multisystemische Erkrankung des Menschen, die mit einer außerordentlich hohen Sterblichkeitsrate einhergeht. Bei Überlebenden kann es zu einem Wiederauftreten von Entzündungen in Geweben kommen, in denen das Immunsystem abgeschirmt oder stark reguliert ist, so z. B. das Zentralnervensystem. Die Viren überdauern im Körper. Die Überdauerung erfolgt durch ständige Replikation des Ebola-Viren-Genoms über die akute Krankheitsphase hinaus, dies kann zur Produktion von infektiösen Viruspartikeln außerhalb einer Wirtszellen führen. Diese Persistenz wird mit erneuten Ausbrüchen von Ebola-Virenerkrankungen in Verbindung gebracht. Das Wissenschaftsteam wollte untersuchen, wie das Virus langfristig in seinem Wirt überlebt. Dafür hat es Gehirn-Organoide aus humanen induzierten pluripotenten Stammzellen (hiPSCs) entwickelt, die verschiedene Zelltypen des Gehirns enthielten (Neuronen, Astrozyten, Mikroglia, Oligodendrozyten). Die Organoide wurden über 100 Tage kultiviert und anschließend mit dem Ebola-Virus über mindestens 120 Tage infiziert. Zum Vergleich erfolgten weitere Infektionen mit anderen Viren (z.B. Lassa-Virus, LASV), auch verschiedene Zelllinien (Vero E6, Huh7, SH-SY5Y Neuroblastomzellen) kamen zum Einsatz. Alle Proben wurden molekularbiologisch, immunhistochemisch und u.a. elektronenmikroskopisch analysiert. Das Team konnte beobachten, dass das Ebola-Virus (EBOV) in menschlichen zerebralen Organoiden (aus induzierten pluripotenten Stammzellen) eine produktive, langanhaltende Infektion über mindestens 120 Tage etablieren konnte. Auch andere Filoviren (Sudan-, Marburg- und Reston-Virus) waren dazu in der Lage, nicht jedoch das Lassa-Virus. Das Ebola-Virus infizierte kontinuierlich Astrozyten und Neuronen. Es rekrutierte und infizierte zudem Mikroglia im Organoid. Auch Oligodendrozyten wurden infiziert. Die Infektion breitete sich von der Peripherie aus ins Zentrum des Organoids aus. Während der andauernden Infektion entstanden zudem genetische Defekte und Subvarianten des Virus. Zur Verbreitung nutze das Virus den Prozess des Ausschleusens von Viren als auch die direkte Zell-zu-Zell-Übertragung. Es kam zu zellspezifischen angeborener Immunantworten, insbesondere in den Mikroglia. Astrozyten zeigten trotz Infektion eine schwächere Immunantwort. Durch die andauernde Infektion kam es zu einer späten, lokalisierten Entzündung im Gehirnmodell. Organoide bieten eine einzigartige Möglichkeit, das Phänomen in einem menschlichen Kontext statt in einem Tiermodell zu untersuchen, hieß es in einer aktuellen Pressemitteilung. Dies könne dazu beitragen, Behandlungen wie antivirale Medikamente neu zu bewerten und zu optimieren, und eröffne darüber hinaus Wege, den Einsatz von Tiermodellen in der Infektionsforschung in Zukunft zu reduzieren. Originalpublikation: Widerspick, L., Vidal Freire, S., Steffen, J.F. et al. Host–virus determinants of Ebola virus persistence in a human cerebral organoid model. Nat Microbiol (2026). https://doi.org/10.1038/s41564-026-02388-2 Weitere Informationen: https://www.bnitm.de/aktuelles/news/versteck-im-zentralen-nervensystem-mit-hirnorganoiden-die-biologie-des-ebola-virus-besser-verstehen
- Helmholtz-Zentrum München beendet Forced Swim Test
Wie die Tierrechtsorganisation PETA berichtet, hat die „German Mouse Clinic“ am Helmholtz Zentrum München bekanntgegeben, den Forced Swim Test nicht mehr durchzuführen. Das ist ein großer Erfolg für die Tiere. Wer will schon gerne ertrinken? Mäuse und Ratten haben furchtbare Angst und Verzweifelung und sind dadurch sehr stark belastet, wenn sie den Ausgang nicht finden. Foto: Ärzte gegen Tierversuche. Renommierte internationale und auch deutsche Tierrechtsorganisationen kämpfen seit Jahren für ein Verbot des erzwungenen Schwimmtest. Er wurde 1977 von Roger Porsolt und Kollegen als Modell für die Vorhersage der klinischen Wirksamkeit von Antidepressiva entwickelt. Heute wird er in der Grundlagenforschung, beim pharmazeutischen Screening potenzieller antidepressiver Wirkstoffe und zur Beurteilung depressionsähnlichen Verhaltens in "Tiermodellen" eingesetzt. Der Test basiert auf der Annahme, dass ein Tier, das in einen mit Wasser gefüllten Behälter gesetzt wird, zunächst versucht zu entkommen, aber schließlich eine Unbeweglichkeit zeigt, die als ein Maß für verzweifeltes Verhalten angesehen wird. Die German Mouse Clinic (GMC) des Helmholtz Zentrums in München nutzte den Test bislang als Teil der Phänotypisierung, um das Verhalten von Mausmodellen im Bereich Neurologie und emotionale Störungen zu bewerten. Der Test ist schwer belastend, wird in Tierversuchsanträgen fälschlicherweise aber häufig als mittel belastend deklariert. Nach Artikel 15 (2) der europäischen Tierversuchsrichtlinie 63/2010/EU haben die Mitgliedstaaten zu gewährleisten, dass ein Verfahren nicht durchgeführt wird, wenn es starke Schmerzen, schwere Leiden oder schwere Ängste verursacht, die voraussichtlich lang anhalten und nicht gelindert werden können. Da in Deutschland die Tierversuchsrichtlinie nicht vollständig umgesetzt worden ist, wurden bislang die "Ängste" nicht als Belastung beurteilt. Erst 2024 hatte Australien ein Gesetz gegen den Forced Swim Tests ins Parlament eingebracht. (1) Auch der internationale Pharmariese Sanofi führt keine sogenannten erzwungenen Schwimmtests mehr mit Ratten oder Mäusen durch. (2) Quellen: https://presseportal.peta.de/erfolg-mouse-clinic-wird-den-forced-swim-test-nicht-mehr-nutzen/ Weitere Informationen: (1) https://www.invitrojobs.com/index.php/de/neuigkeiten/news-archiv/item/6332-schwer-belastende-schwimmversuche-australien-geht-voran (2) https://www.invitrojobs.com/index.php/de/neuigkeiten/news-archiv/item/6560-sanofi-fuehrt-den-forced-swim-test-nicht-mehr-durch
- Europäische Chemikalienagentur launcht Kooperationsplattform für Alternativen zu Tierversuchen
Die ECHA hat die Kooperationsplattform für Alternativen zu Tierversuchen eingerichtet, um die Entwicklung und Einführung alternativer Methoden im regulatorischen Kontext im Rahmen des Mandats der ECHA zu unterstützen. Die Plattform zielt darauf ab, ein gemeinsames Verständnis dafür zu entwickeln, wann und wie alternative Methoden eingesetzt werden können, um Tierversuche im Rahmen der geltenden Informationsanforderungen zu ersetzen. Sitz der Europäischen Chemikalienagentur in Helsinki. Vadelmavene, Wikipedia, CC BY-SA 4.0 Dafür bringt die Plattform EU-Behörden, -Agenturen und Interessengruppen zusammen und trägt zur EU-Roadmap für die schrittweise Beendigung von Tierversuchen im Rahmen der EU-Chemikaliengesetzgebung bei. Die Plattform unterstützt den Dialog zwischen den EU-Mitgliedstaaten, der Europäischen Kommission und wichtigen Interessengruppen und arbeitet zudem eng mit ähnlichen Gruppen auf EU-Ebene zusammen. Die Plattform deckt alle Themen im Zusammenhang mit der Entwicklung und der behördlichen Anwendung von Alternativen zu Tierversuchen ab, will Beiträge für die Lenkungsgruppe der Kommission zur Roadmap bereitstellen, Standpunkte zur weiteren Integration und effizienten regulatorischen Nutzung tierversuchsfreier Testmethoden abstimmen, und den Meinungsaustausch zwischen Behörden und Interessengruppen über laufende oder geplante Entwicklung tierversuchsfreier Testmethoden oder Validierungsaktivitäten fördern. Teilnahmen können neben der Generaldirektion der Kommission, Behörden, EU-Mitgliedstaaten, Norwegen und der Schweiz, EU-Agenturen auch akkreditierte Interessenverbände (als Beobachter). Die erste Sitzung der Plattform findet am 11. und 12. Juni 2026 statt; dabei wird der erste Zweijahres-Arbeitsplan vereinbart und später veröffentlicht. Quelle und weitere Informationen: https://echa.europa.eu/science/collaborative-platform-on-alternatives-to-animal-testing#msdynmkt_trackingcontext=fbfad152-28f1-4767-894d-2aaf30bb0300
- Neue europaweite Kampagne macht auf das Leiden von mehr als 100.000 Mäusen pro Jahr aufmerksam
Grafik: European Colaition to End Animal Experiments. Die Europäische Koalition zur Beendigung von Tierversuchen (ECEAE) hat die neue Kampagne „Stop Botox Animal Testing!“ gestartet, um die Streichung des Mäusetests aus dem Europäischen Arzneibuch zu erwirken sowie Transparenz hinsichtlich der Anzahl der verwendeten Tiere und des Zwecks der Versuche einzufordern. Obwohl seit Jahren tierversuchsfreie Methoden zur Verfügung stehen, deuten aktuelle Schätzungen darauf hin, dass in der EU und im Vereinigten Königreich immer noch jährlich mehr als 100.000 Mäuse für sogenannte Qualitätskontrolltests von Botulinumtoxin-Produkten verwendet und qualvoll getötet werden. Jüngste Untersuchungen der Universität Utrecht zeigen, dass Tierversuche mit Botox in Irland und dem Vereinigten Königreich verbreitet sind. Bis vor kurzem war auch Deutschland ein wichtiger Standort für diese Versuche. Dabei sind zuverlässige tierversuchsfreie Testmethoden bereits seit mehr als einem Jahrzehnt verfügbar. Mehrere Unternehmen nutzen diese modernen zellbasierten Methoden bereits zumindest in einigen Phasen der Botox-Produktion - mit wissenschaftlich aussagekräftigeren Ergebnissen. Dennoch bleibt der Mäusetest der Standard im Europäischen Arzneibuch. Botulinumtoxin ist für bestimmte medizinische Anwendungen wie zervikale Dystonie und Blepharospasmus indiziert, wird jedoch in erster Linie zur Reduzierung von Gesichtsfalten eingesetzt, und zwar in Europa zunehmend auch bei Jugendlichen ab 18 Jahren. (1) Aufgrund ihrer hohen Toxizität wird jede Produktionscharge geprüft; zusätzlich werden während des Herstellungsprozesses weitere Tests durchgeführt. Hier geht es zur Kampagne: https://www.eceae.org/campaigns/stop-botox-animal-testing (1) https://www.rbb24.de/panorama/beitrag/2025/02/hyaluron-botox-schoenheit-spritzen-trend-chirurgie-berlin.html
- Brüssel: Kommission beschleunigt den Übergang weg von Tierversuchen bei der Bewertung der Chemikaliensicherheit
Berlaymont-Gebäude, Hauptsitz der Europäischen Kommission. Foto: EmDee, Wikipedia. Die Europäische Kommission hat heute einen Fahrplan für den schrittweisen Ausstieg aus Tierversuchen bei der Bewertung der Chemikaliensicherheit vorgelegt, der klare, konkrete Schritte zum Übergang zu innovativen tierversuchsfreien Methoden enthält. Diese Initiative unterstützt und stärkt den bestehenden REACH-Rahmen, die Chemikaliengesetzgebung der EU, und ist ein konkretes Ergebnis des von der Kommission im Juli 2025 vorgelegten Aktionsplans für Chemikalien. Mit 22 Maßnahmen in drei Säulen sieht der Fahrplan vor, Tierversuche für die Chemikaliensicherheitsbewertung in 15 Bereichen schrittweise zu ersetzen, darunter Chemikalien für industrielle und Verbraucherzwecke, Pestizide und Biozide, Arzneimittel sowie Lebensmittel- und Futtermittelzusatzstoffe. Die drei Säulen sind: Vorantreiben des schrittweisen Ausstiegs der Tierversuche und Beschleunigung der Entwicklung und Einführung tierversuchsfreier Verfahren. Es werden 30 gezielte Empfehlungen zum Ersatz, zur Reduzierung oder Verfeinerung von Tierversuchen zur Bewertungen der menschlichen Gesundheit und der Umweltsicherheit dargelegt. In der zweiten Säule geht es darum, Europa an der Spitze von Forschung und Innovation zu halten in dem ein breit gefächertes Ökosystem aus Forschung und unternehmerischer Innovation unterstützt werden soll, um tierversuchsfreie Ansätze zu entwickeln, inkluse KI-Ansätze. Bei der dritten Säule geht es um die Zusammenarbeit in Europa und darüber hinaus. Quelle und weitere Informationen: https://ec.europa.eu/commission/presscorner/detail/en/ip_26_1214
- Schweiz: Tierversuchsreduktion dank KI
Forschende der Swiss Federal Laboratories for Materials Science and Technology im Schweizerischen Dübendorf haben ein KI-gestütztes Computermodell einer Labormaus entwickelt, das mithilfe von maschinellem Lernen voraussagen kann, wie sich verschiedene Nanomaterialien im Organismus der Maus verteilen. Das Modell soll künftig nicht nur als Entscheidungshilfe bei der Medikamentenentwicklung dienen, sondern auch die Anzahl an Tierversuchen reduzieren. Nanopartikel als Transportmittel durch den Körper könnten z.B. chemotherapeutische Wirkstoffe über die Blut-Hirn-Schranke ins Gehirn transportieren, wo diese dann den Hirntumor bekämpfen können. Dafür müssen Forscherinnen und Forscher zunächst wissen, wie sie sich im Körper verteilen und das Zielorgan erreichen, ohne Schaden im Körper anrichten. Bislang wurden dafür Mäuse verwendet, was nicht nur aufwändig, langwierig und teuer, sondern auch aus ethischer Sicht problematisch ist. Deshalb hat Jimeng Wu, Doktorandin am EMPA, unter der Leitung von Prof. Peter Wick und Prof. Bernd Nowack ein pharmakokinetisches Modell (PBPK-Modell) entwickelt, das auf Daten früherer Mausstudien basiert. Mit dem Modell lassen sich derartige Tests viel schneller durchführen. Originalpublikation: Wu J, Wick P, Nowack B. Data-Driven Prediction of Nanoparticle Biodistribution from Physicochemical Descriptors. ACS Nano. 2025 Jul 29;19(29):26425-26437. doi: 10.1021/acsnano.5c03040. Epub 2025 Jul 16. PMID: 40667750; PMCID: PMC12312149. https://doi.org/10.1021/acsnano.5c03040 Quelle und weitere Informationen: https://www.empa.ch/web/s604/ki-mausmodell-bringt-medizinische-forschung-voran
- München: Nichtinvasive, langfristige Beobachtung von Zellen möglich
Ein Team unter der Leitung von Prof. Gil Westmeyer, Direktor des Instituts für Synthetische Biomedizin (ISBM) am Helmholtz Zentrum München, hat eine neue Methode entwickelt, um mehrfach aktuelle Geninformationen aus lebenden Zellen zu gewinnen, ohne sie zu zerstören. Dies wird künftig eine bessere Überwachung von Stammzellen für Therapien oder die Wirkung von Medikamenten in den Zellen ermöglichen. Virus-ähnliche Partikel transportieren Boten-RNA aus der Zelle. Computer-generiert. Bislang mussten Zellen z.B. für eine Transkriptomanalyse zerstört werden, um zu untersuchen, welche Gene gerade aktiv sind. Dies macht jedoch bislang eine Beobachtung dieser Prozesse über längere Zeiträume unmöglich. Bei dem neuen Verfahren namens NTVE (Non-destructive Transcriptomics via Vesicular Export) werden virusähnliche Partikel eingesetzt. Diese Partikel transportieren Boten-RNA – die aktiven Genprodukte – aus den lebenden Zellen heraus. Die RNA wird anschließend aus den Bläschen außerhalb der Zelle extrahiert und analysiert. So können die Forscher feststellen, welche Gene gerade aktiv sind. Originalpaper: Armbrust N, Grosshauser M, Geilenkeuser J, Stroppel L, Jozinovic M, Levermann H, Panne T, Wißmann J, Goelitz L, Schmidt S, Orschmann T, Rusha E, Steinmaßl E, Widenmeyer F, Warsing N, Sabry M, Sultanbai A, Santl T, Geerlof A, Berezin O, Bodea SV, Moretti A, Schneider S, Theis F, Gagneur J, Truong DJ, Westmeyer GG. Non-destructive transcriptomics via vesicular export. Nat Commun. 2026 Apr 25;17(1):3812. doi: 10.1038/s41467-026-72072-w. PMID: 42034633; PMCID: PMC13121718. Quelle und weitere Informationen: https://www.helmholtz-munich.de/en/newsroom/news-all/artikel/reading-genetic-activity-from-living-cells-without-destroying-them
- KI in Berlin: KIWI Biolab stattet neues Forschungszentrum aus
Das Hightech-Labor KIWI Biolab mit Spezialisierung auf automatisierte Methoden und modellbasiertes Bioprozess-Engineering wird das Know-how künftig dem neuen Forschungszentrum „Der Simulierte Mensch“ zur Verfügung stellen. So kann man sich ein vollautomatisches in-vitro-Hochdurchsatz-Labor vorstellen. Computer-generiert. Durch den Einsatz von mathematischen Modellen und KI lassen sich im KIWI Biolab selbst komplexe Experimente vollautomatisiert durchführen. Bisher hat sich das KIWI Biolab mit Prozessen beschäftigt, bei denen Mikroorganismen eine Rolle spielen. Zukünftig sollen Zellkulturen eine Rolle spielen, weshalb eine Arbeitsgruppe in das Forschungszentrum "Si-M" (der simulierte Mensch), dem Gemeinschaftsprojekt zwischen TU Berlin und Charité – Universitätsmedizin Berlin, umzieht. Die Vision ist, dass Computer und per KI gesteuerte Roboter mit modernsten Analysegeräten zusammenarbeiten, um Experimente im Labor weitgehend selbständig zu planen, durchzuführen und auszuwerten. (1) Das KIWI Biolab konzentriert sich auf automatisierte Methoden und modellbasiertes Bioprozess-Engineering für die Biotechnologie. Hier werden Pipettierroboter oder Liquid-Handling-Stationen mit dem maschinellen Lernen kombiniert. KIWI Biolab der TU Berlin kombiniert Roboter, Analysegeräte und KI – und führt damit selbst komplexe Experimente vollautomatisiert durch. (2) So lassen sich hochkomplexe Aufgaben schnell und präzise ausführen, die manuell nicht möglich wären. Die entwickelten Modelle werden sowohl zur Prozessüberwachung als auch zur Prozesssteuerung (modellprädiktive Regelung) eingesetzt. Das KIWI-Biolab bietet mit seinen Pipettierrobotern, integrierten Laborgeräten und Softwarelösungen ein ideales Ökosystem für die Entwicklung und Erprobung anspruchsvoller Anwendungen. Das KIWI-Biolab hat hohe Kompetenzen entwickelt, um jeden Schritt der Automatisierung und Digitalisierung zu begleiten. (3) Quellen und weitere Informationen: (1) https://idw-online.de/de/news869305 (2) Bionity (2026). Hier muss sich niemand mehr die Nächte um die Ohren schlagen: Dieses Labor plant seine Experimente selbst. 20.04.2026. https://www.bionity.com/de/news/1188519/hier-muss-sich-niemand-mehr-die-naechte-um-die-ohren-schlagen-dieses-labor-plant-seine-experimente-selbst.html?utm_source=newsletter&utm_medium=email&utm_campaign=bionityde--2026-04-20--1&mtm_group=bionityde&WT.mc_id=ca0264 (3) https://www.tu.berlin/bioprocess/einrichtungen-associates/arbeitsgruppen/kiwi-biolab
- UK will Tierversuche schneller beenden
Wie mehrere britische Ministerien in einer gemeinsamen Pressemittteilung bekannt gegeben haben, sollen im Vereinigten Königreich Tierversuche durch die Einführung tierversuchsfreier Verfahren ersetzt werden. Dafür stellt das Land 75 Millionen Pfund (etwas mehr als 85 Mio. Euro) zur Verfügung. Die Strategie wurde von der Regierung gemeinsam mit Biowissenschafts-, Vertreter:innen der Wirtschaft und Tierschutzorganisationen entwickelt und setzt damit die Vereinbarung aus dem Regierungsprogramm um. Die Finanzunterstützung soll u.a. dabei beitragen, neue Methoden für die Produkttestung voranzutreiben. Schwerpunkt sind Impfstoffentwicklungen, Pestizid- und Umwelttests. Es sollen mehr Organ-on-a-Chip-Systeme mit menschlichen Zellen, 3D gedruckte menschliche Gewebe und KI zur Analyse riesiger Mengen von Informationen über Moleküle genutzt werden, um vorherzusagen, ob neue Medikamente wirksam und sicher sind. Gleichsam ist geplant, bis Ende 2026 vorgeschriebene Haut- und Augenreizungs- sowie Hautsensibilisierungstests mit Tieren zu beenden. Auch sollen bis 2027 Tests zur Wirksamkeit von Botox an Mäusen nicht mehr erlaubt sein sowie Humanarzneimittelprüfungen auf zufällige Verunreinigungen (Pyrogene) durch auf humaner DNA basierende Labormethoden durchgeführt werden. Hinzu kommt, dass bis 2030 auch pharmakokinetische Studien – die verfolgen, wie sich ein Medikament im Laufe der Zeit im Körper verteilt – an Hunden und nicht-menschlichen Primaten reduziert werden sollen. Zu Tierversuchen in der Grundlagenforschung äußern sich die Beteiligten jedoch nicht. Eine Reduktionsstrategie wurde im Herbst letzten Jahres auch in Deutschland entwickelt, es kam durch die vorzeitige Beendigung der Ampelkoalition jedoch nie zu einer Umsetzung. Im inzwischen für Tierschutzbelange zuständigen Ministerium bedauerte man dies und wies darauf hin, dass für die Umsetzung neuer Methoden in die Praxis das Bf3R zuständig sei. In der letzten Legislatur habe man dafür Geld zur Verfügung gestellt (wir erinnern uns: 5 Mio. Euro). Es wurde auch auf den Tierschutzforschungspreis in Höhe von 200.000 Euro hingewiesen. Das ist natürlich kein Vergleich zu den 75 Mio. Pfund Sterling in Großbritannien. Davon sollen 60 Millionen Pfund für die Einrichtung eines Zentrums verwendet werden, das Daten, Technologie und Fachwissen zusammenführt. Zudem kommen 15,9 Mio. Pfund von Medical Research Council, Innovate UK und vom Wellcome Trust, um die Verwendung humaner in vitro-Modelle zu fördern. Die Strategie wird von einem Ausschuss unter dem Vorsitz des Wissenschaftsministers und weiterer Minister und Ministerien überwacht, die Fortschritte werden mit Leistungsindikatoren überwacht. Für die Aus-, Fotz und Weiterbildung wird es eine Grundausbildung in alternativen Methoden für Nachwuchsforscher geben. Quelle und weitere Informationen: https://www.gov.uk/government/news/animal-testing-to-be-phased-out-faster-as-uk-unveils-roadmap-for-alternative-methods












