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  • TU Berlin: Blood-Brain-Barrier-Modelle für die Neuropharmakologie und Toxikologie - wie kompliziert muss das Modell sein?

    Am 18. November 2026 wird Prof. Dr. Winfried Neuhaus, leitender Wissenschaftler am Austrian Institute of Technology (AIT) in Wien, an der Technischen Universität Berlin einen Vortrag über die Notwendigkeit der Komplexität von entwickelten Blut-Hirn-Schranken-Modellen im Anwendungskontext halten. Die Blut-Hirn-Schranke, vom Gehirn bis zu den Tight Junctions. Grafik: Armin Kübelbeck und Patrick J. Lynch, Wikipedia, CC By 3.0 Das Wissen über den Transport von Wirkstoffen durch die Blut-Hirn-Schranke ist für die Arzneimittelentwicklung von entscheidender Bedeutung. Systemisch verabreichte Arzneimittel für das zentrale Nervensystem (ZNS) müssen die Blut-Hirn-Schranke überwinden können, um ihre Zielorte zu erreichen, während Arzneimittel, die in der Peripherie wirken sollen, die Blut-Hirn-Schranke nicht passieren dürfen, damit sie keine unerwünschten zentralen Nebenwirkungen auslösen. (1) Die Blut-Hirn-Schranke ist eine dynamische, hochselektive Barriere, die aus Kapillarendothelzellen des Gehirns gebildet wird. Eine ihrer Hauptaufgaben ist die Aufrechterhaltung der Homöostase im ZNS. Die Funktion der Blut-Hirn-Schranke wird durch Zellen der Mikroumgebung und die durch die Blutströmung vermittelte Scherspannung (2) reguliert, was die Modellentwicklung äußerst komplex macht. Die Scherspannung bzw. die mechanische Reibung des vorbeifließenden Blutes ist essenziell für die Aufrechterhaltung der Barrierefunktion. Sie stimuliert die Endothelzellen zur Ausbildung stabiler Proteinkomplexe (Tight Junctions). Sie aktiviert antioxidative Signalwege und dämpft Entzündungsreaktionen. In vitro fehlen den Endothelzellen ohne diese Strömung die mechanischen Reize, wodurch sie weniger Tight Junctions bilden und die Barriere "undicht" bleibt. Forscher meinen jedoch, dass modernere BBB-on-a-Chip-Systeme dieses Problem lösen können. (2) Im Vortrag soll nun die grundlegende Frage geklärt werden, wie komplex ein Modell tatsächlich sein muss. Entscheidend ist, dass die komplexesten Modelle nicht zwangsläufig die besten sind; vielmehr muss letztendlich der jeweilige Anwendungskontext (Context of Use, CoU) die Modellkonfiguration bestimmen. Vortragsgast: Prof. Neuhaus leitet seit zehn Jahren die Forschungsgruppe „Biologische Barrieren“. Er verfügt über mehr als 25 Jahre Erfahrung auf dem Gebiet biologischer Barrieren, insbesondere bei menschenrelevanten In-vitro-Modellen und der Übertragbarkeit von In-vitro- auf In-vivo-Ergebnisse. Unter anderem ist er auch Präsident der European Society for Alternatives to Animal Testing (EUSAAT), die im Februar 2027 ihren Jahreskongress in Linz abhalten wird. Veranstaltungsort: Mittwoch, 18. November 2026, 16:00 Uhr (pünktlicher Beginn) Technische Universität Berlin, Institut für Biotechnologie Gustav-Meyer-Allee 25, 13355 Berlin Gebäude TIB 21, Hörsaal 21C Originaleinladung: Weitere Informationen: https://publications.ait.ac.at/de/persons/winfried.neuhaus (1) Neuhaus W. In Vitro Models of the Blood-Brain Barrier. Handb Exp Pharmacol. 2021;265:75-110. doi: 10.1007/164_2020_370. PMID: 32562060. (2) DeOre BJ, Partyka PP, Fan F, Galie PA. CD44 mediates shear stress mechanotransduction in an in vitro blood-brain barrier model through small GTPases RhoA and Rac1. FASEB J. 2022 May;36(5):e22278. doi: 10.1096/fj.202100822RR. PMID: 35436025; PMCID: PMC10758994. (3) Klepe A, Damberger S, Špilak A, Brachner A, Neuhaus W. Permeation of small extracellular vesicles across a human blood-brain barrier transwell model remains below particle detection limits, even under oxygen/glucose deprived conditions. Tissue Barriers. 2026;14(3):2610016. doi: 10.1080/21688370.2025.2610016. Epub 2026 Jan 9. PMID: 41508868; PMCID: PMC13540092.

  • Deutschland: Wo gibt es noch einen Preis zu gewinnen?

    Vor kurzem schrieb die Tageszeitung taz, die Linksfraktion in Hamburg befürchte, dass Hamburgs Preis für Forschung an Alternativen zu Tierversuchen eingestellt werde. Diese Befürchtung ist nicht ganz unberechtigt, denn eine kurze Untersuchung ergab, dass insgesamt in vier Bundesländern die Vergabe des Tierschutzforschungspreises sang und klanglos eingestellt wurde oder zumindest davon bedroht sind, so neben Hamburg auch in Berlin, Hessen und im von den Grünen geführten Baden-Württemberg. Die Gründe mögen vielfältig sein: Fehlende Finanzmittel oder Ressourcen (Hamburg und Berlin), die Überzeugung, dass es besser sei, zentral in ein 3R-Zentrum zu investieren (Hessen) oder direkt in feste Forschungsstrukturen und einheitliche Projektförderungen (Baden-Württemberg). Über Hessen war zu lesen, dass der Wegfall durch gezielte Investition in Höhe von rund 2 Millionen Euro in Professuren für tierversuchsfreie Verfahren und Tierschutzforschung an den Standorten Frankfurt und Gießen verursacht seien, die allerdings schon einige Jahre zurückliegen. Andere Bundesländer haben den Preis in einen allgemeinen Tierschutzpreis umgewandelt und vergeben geringe Summen für tierversuchsfreie Forschung und private Tierschutzprojekte im Gemisch. So sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass ein/e Entwickler:in eines tierfreien Verfahrens mit dem Preis geehrt wird, wie in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen oder Sachsen-Anhalt. Einige Bundesländer vergeben gar keinen Preis, wie Sachsen, Schleswig-Holstein oder Mecklenburg-Vorpommern. Auf Bundesebene wurde der Bundestierschutzforschungspreis 2025 erst finanziell von zuvor 25.000 Euro auf 220.000 Euro für drei Kategorien (herausragende Forschungsleistungen zum Ersatz und zur Verminderung von Tierversuchen, nationaler wissenschaftlicher Nachwuchs und gesellschaftliches und bürgerschaftliches Engagement im Bereich Versuchstiere) aufgestockt und dann nur zwei Preise vergeben. Die offizielle Begründung für die Nichtvergabe des mit bis zu 100.000 Euro dotierten nationalen Nachwuchspreises lautete schlicht, dass kein geeigneter Kandidat bzw. keine geeignete Kandidatin unter den eingereichten Vorschlägen war. Das zog deutliche Kritik nach sich, so wegen mangelhafter Ausschreibung & Kommunikation. Dies war auch 2026 wieder der Fall: Nachdem es zunächst hieß, dass nur Wissenschaftsorganisationen Preisträger nominieren dürfen, wurde das Nominierungsprozedere einige Wochen vor Ablauf der Frist schlichtweg geändert, sodass auch bundesweit tätige Tierrechtsorganisationen nominieren durften. Aber nicht nur dies: der Bundestierschutzforschungspreis 2026 sollte in zwei Kategorien vergeben werden mit einer Preissumme von insgesamt 150.000 Euro dotiert. Nur wurde der Nachwuchspreis in Höhe von 50.000 Euro wieder nicht vergeben. Eine Begründung wurde nicht veröffentlicht. Kann es sein, dass Deutschland keinen geeigneten wissenschaftlichen Nachwuchs ausbildet? Oder: Welche Bedeutung hat die Anerkennung von Forschungsleistungen von Nachwuchswissenschaftler:innen noch in Deutschland? Es drängt sich stark der Eindruck auf, dass in Zeiten knapper Kassen die Bedeutung tierfreier Forschung sofort zugunsten anderer Interessen fallengelassen wird. Auch wenn Organ-on-a-Chip, mikrofluidische Systeme, KI und Hochdurchsatzmethoden als unerlässlich für den modernen Forschungsstandort betont werden, die der Beschleunigung der Behandlung menschlicher Erkrankungen voranbringen wird. Natürlich kann argumentiert werden, dass eine Preissumme nicht geeignet ist, um die Forschung zu finanzieren. Aber es geht auch um Anerkennung. Sonst gerät die Vision von moderner, humanspezifischer Forschung immer mehr in den gesellschaftlichen Hintergrund.

  • Chemikalientestung: In-vitro-Alternativen sind den Tierversuchen ebenbürtig

    Die diesjährige Preisträgerin des Bundestierschutzforschungspreises Prof. Dr. Beate Escher erklärt in einem Artikel auf der Informationsplattform Helmholtz ausführlich, weshalb in-vitro-Alternativen - Zelltests, Roboter-gestützter Hochdurchsatz und KI-gestützte hochauflösende Mikroskopie den Tierversuchen ebenbürtig sind. UFZ-Standort Leipzig. Foto: Susan Walter, Helmholtz Centre for Environmental Research (UFZ), Wikipedia, CC BY-SA 4.0. Es sei an der Zeit, die Zulassungsverfahren von Chemikalien weiterzuentwickeln - von klassischen Tierversuchen, die im letzten Jahrtausend entwickelt wurden, zu modernen In-vitro-Alternativen, so Escher. Hier geht es zum Artikel: https://www.helmholtz.de/newsroom/artikel/warum-in-vitro-alternativen-tierversuchen-ebenbuertig-sind/

  • Max Delbrück Center Berlin: DVP optimiert Bildanalyseprozess

    Deep Visual Proteomics (DVP) integriert Bildanalyse, Laser-Mikrodissektion - ein feines mikroskopisches Verfahren, mit dem sich bestimmte Zellen, Zellverbände oder subzelluläre Bereiche aus Gewebeproben isolieren lassen - und die Proteom-Analyse. Damit lassen sich Proteine räumlich aufgelöst in Geweben analysieren und Krankheitsprozesse besser verstehen. OpenDVP ist ein neues, frei verfügbares Werkzeug, das Wissenschaftler:innen hilft, die Verteilung und Funktion von Proteinen in Geweben sehr genau zu untersuchen. Es wurde von Dr. Fabian Coscia am Max Delbrück Center in Berlin-Buch mitentwickelt. Das Verfahren verbindet moderne Mikroskopie, Künstliche Intelligenz zur Bildauswertung und eine spezielle Messmethode (Massenspektrometrie), um Tausende von Proteinen in einzelnen Zellen oder Zellgruppen sichtbar und messbar zu machen. Multiplex-Immunfluoreszenz-Bildgebung (mIF) einer Gewebeprobe aus dem Kopf- und Halsbereich: Links ist die ursprüngliche mikroskopische Aufnahme zu sehen, die nach rechts hin in eine Zellsegmentierung übergeht. Foto: Sonja Fritzsche, AG Coscia, Max Delbrück Center Bei dem Verfahren werden Gewebeproben zunächst mikroskopisch aufgenommen und digitalisiert. Dann werden Zellen und Zelltypen mit Hilfe spezieller Software erkannt und markiert und ausgeschnitten. Diese Proben werden dann mit massenspektrometrisch analysiert, um das Proteom (alle Proteine) zu bestimmen. Die Daten werden dann am Computer ausgewertet und können mit anderen biologischen Daten verknüpft werden. So können Karten von Tausenden von Proteinen im Inneren von Zellen innerhalb eines Gewebes erstellt werden. Die Methode ist nicht auf bestimmte Erkrankungen beschränkt, sondern lässt sich bei biologischen Proben jeglicher Art anwenden. Originalpublikation: Jose Nimo, Sonja Fritzsche, Daniela S. Valdes, et al. (2026). OpenDVP: an experimental and computational framework for community-empowered deep visual proteomics. Nature Methods, 2026-10-22. https://doi.org/10.1038/s41592-026-03262-z Weitere Informationen: https://www.mdc-berlin.de/de/news/press/proteinkartierung-fuer-alle

  • EPAA: Aufruf für Bewerbungen auf Studierendenstipendien

    Die European Partnership for Alternative Approaches to Animal Testing (EPAA) unterstützt Studierende und Nachwuchswissenschaftler, die herausragende Arbeiten auf dem Gebiet alternativer Ansätze geleistet haben, bei ihrer Teilnahme an einer hochkarätigen wissenschaftlichen Veranstaltung. Jedes Jahr bringen eine Reihe hochkarätiger internationaler Tagungen herausragende Wissenschaftler zusammen, die an der Entwicklung und Akzeptanz von 3R-Alternativen zu Tierversuchen (Replacement, Reduction oder Refinement) arbeiten. Die Kosten derartiger Teilnahme können Studierende oder Nachwuchswissenschaftler:innen am Anfang ihrer Karriere jedoch an einer Teilnahme hindern. Daher fördern die EPAA-Partner Studierende und Nachwuchswissenschaftler:innen mit einem 3Rs-Studierendenstipendien, um genau diese Teilnahmen zu erleichtern. Im Jahr 2027 stehen zwei Vollstipendien in Höhe von jeweils 1.000 € für den EUSAAT-Kongress (Achtung: die Bewerbungsfrist für den EUSAAT-Kongress endet bereits am 16. November!), den SETAC EUROPE-Kongress 2027 und den EUROTOX-Kongress 2027 zur Verfügung. Alle Stipendien decken die Erstattung der Anmeldegebühren für die Veranstaltung sowie die Reise- und Unterkunftskosten ab. Weitere Informationen auf der EPAA-Website. Dort kann auch der Bewerbungsaufruf hintergeladen werden: https://single-market-economy.ec.europa.eu/sectors/chemicals/european-partnership-alternative-approaches-animal-testing_en

  • 3R Center Tübingen: neue online-Schulung zu NAMs

    Das 3R-Center in Tübingen bietet eine kostenlose online-Schulung zum Thema Organ-on-a-Chip-Technologie an. Mit der Online-Schulung „Organ-on-Chip“ bietet das 3R-Center Tübingen einen kostenlosen Kurs an, der in die theoretischen Grundlagen von Organ-on-Chip-Systemen (OoC) und deren Rolle als humanrelevante „New Approach Methodologies“ (NAMs) einführt. Neckarfront von Tübingen mit Hölderlinturm und Stiftskirche. Foto: Rabe!, Wikipedia, C BY-SA 3.0 Die Schulung wird von 14 internationalen Experten aus Wissenschaft und Industrie geleitet und richtet sich an alle, die einen tieferen Einblick in die Organ-on-Chip-Technologie gewinnen möchten. Das Programm richtet sich an Forscher, Studierende und Interessierte aus Wissenschaft, Industrie und der breiten Öffentlichkeit. Der Online-Kurs ist kostenlos, der 2,5-tägige Präsenzkurs für kleine und mittlere Unternehmen in den Bereichen Biopharma und Medizintechnik setzt die erfolgreiche Absolvierung des Online-Kurses voraus. Der Lehrplan wird in Kürze veröffentlicht. Weitere Informationen: https://www.the3rs.uni-tuebingen.de/en/organ-on-chip-training/?emci=c65967c9-81d4-f111-bf5b-000d3a54442e&emdi=33864bda-ded6-f111-bf5b-000d3a54442e&ceid=2091657

  • SCOPE-AI: Datensatz für KI-gestützte biomedizinische Forschung mit Organoiden

    Forschende der Philipps-Universität Marburg, des Helmholtz-Zentrums München, von Helmholtz AI, und dem Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) arbeiten daran, eine der bislang umfangreichsten frei zugänglichen Bilddatensammlungen von Organoiden schaffen zu schaffen. Die Daten sollen helfen, KI-Modelle für die automatisierte Analyse der Mini-Organe zu entwickeln – und damit neue Möglichkeiten für die Krankheitsforschung, Medikamentenentwicklung und personalisierte Medizin eröffnen. Elektromikroskopisches Foto eines Flimmerepithels bzw. oder respiratorischen Epithels - eine Schicht aus spezialisierten Epithelzellen, die den größten Teil der Atemwege auskleidet. Hieraus lassen sich Organoider (organ-ähnliche Minisysteme) herstellen. Foto: Louisa Howard, Wikipedia. Die Auswertung der bei der Arbeit mit Organoiden entstehenden Mikroskopie-Bilder ist bislang aufwendig, langsam und fehleranfällig. Künstliche Intelligenz könnte diese Analyse automatisieren. Dafür fehlen jedoch bislang große und vielfältige Datensätze, in denen wichtige Zellstrukturen und -merkmale von Fachleuten markiert und zugeordnet sind. Die Forschenden kombinieren verschiedene Mikroskopie-Verfahren mit KI-basierter Bildanalyse. Damit wollen sie erkennen und messen, wie sich Epithelzellen verhalten, entwickeln und organisieren. So können wir Veränderungen sichtbar machen, Durch das Projekt werden frei zugängliche Datensätze erzeugt, die jeweils auf eine konkrete Anwendung zugeschnitten sind. Alle Datensätze werden unter offener Lizenz veröffentlicht. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert das Projekt SCOPE-AI mit rund 330.000 Euro im Programm „Forschungsdaten und Software“. Quelle und weitere Informationen: https://www.helmholtz-munich.de/newsroom/news/artikel/mini-organe-und-grosse-daten-wie-ki-die-organoidforschung-voranbringt https://www.uni-marburg.de/de/aktuelles/news/2026/mini-organe-und-grosse-daten https://gepris.dfg.de/project/575848278

  • Forschungsteam vermisst endoplasmatisches Retikulum in eukaryotischen Zellen

    Ein Forschungsteam unter Beteiligung der Universität des Saarlandes ist Kooperationspartner des Exzellenzclusters „Subcellular Architecture of Life (SCALE)“ der Goethe-Universität Frankfurt. Hier wollen sie digitale und synthetische Zwillinge von Zellkompartimenten entwickeln, um das zelluläre Verhalten mit noch realistischeren, digitalen Modellen abzubilden. Das endoplasmatische Retikulum, kurz ER, ist ein Zellorganell, das als schlauchartige, labyrinthartige Struktur im Zytosol lokalisiert ist. Milliarden an Molekülen in der Zelle und ihre Reaktionen werden durch sogenannte Organellen organisiert und eines ist das endoplasmatische Retikulum, das die gesamte Zelle als ein dynamisches Netzwerk durchspannt und wesentlich für das Wachstum der Zelle ist. In der Zelle erfüllt es vor allem Synthese- und Speicherungsaufgaben. Das raue endoplasmatische Retikulum z.B. ist mit Ribosomen besetzt und überwiegend an der Proteinsynthese und Proteinfaltung beteiligt. Eine Vielzahl komplexer Stoffwechselerkrankungen entstehen am Endoplasmatischen Retikulum, wo die Zelle neue Proteine herstellt, und Membranfette synthetisiert, berichten die Forscher:innen der Universität des Saarlandes unter der Leitung von Prof. Robert Ernst. Grafik: Organisation einer typischen eukaryotischen Zelle: 1. Nucleolus (Kernkörperchen), 2. Zellkern (Nukleus), 3. Ribosomen, 4. Vesikel, 5. granuläres, mit Ribosomen besetztes Endoplasmatisches Retikulum (Ergastoplasma), 6. Golgi-Apparat, 7. Cytoskelett, 8. Glattes (Agranuläres) endoplasmatisches Retikulum, 9. Mitochondrien, 10. Lysosom, 11. Cytoplasma (mit Cytosol und Cytoskelett), 12. Peroxisomen, 13. Zentriolen, 14. Zellmembran. Quelle: Kelvinsong, Wikipedia, CC0, 1.0 Das Forschungsteam hat ein Verfahren entwickelt, mit dem man das Endoplasmatische Retikulum aus der Zelle isolieren kann, um ihre genaue Molekülzusammensetzung mit modernster Analytik zu vermessen. Ziel ist es, genau zu verstehen, wie das Endoplasmatische Retikulum auf metabolischen Stress reagiert. Dann können sie daran arbeiten, Möglichkeiten aufzuzeigen, wie man zurück zum metabolischen Gleichgewicht kommen könnte. Hier geht es zur Originalpublikation: Mammalian MemPrep establishes the lipid composition of ER membranes in HEK293T cells, Autoren: Aamna Jain, Alexander von der Malsburg, Cynthia Alsayyah, Claudia Götz, Mohamed Elmofty, John Reinhard, Per Haberkant, Volkhard Helms, Joseph H Lorent & Robert Ernst, in: EMBO Reports (2026). https://doi.org/10.1038/s44319-026-00952-9 Weitere Informationen: https://www.uni-saarland.de/aktuell/internationales-team-erforscht-endoplasmatisches-retikulum-51439.html https://www.uni-saarland.de/fakultaet-m/pzms/gruppe/biochemie-molekularbiologie/prof-dr-robert-ernst.html https://aktuelles.uni-frankfurt.de/english/cellular-architectures-scale/

  • Neurodegeneration: Mit neuen Methoden einen neuen Ansatz erforschen

    Ein Forschungsteam unter der Leitung der Technischen Universität Braunschweig geht hinsichtlich der Entstehung von Parkinson und Alzheimer einem neuen Forschungsansatz nach. Mit humanspezifischen Methoden untersucht das Team, wie im Körper schlummernden Herpesviren und Entzündungsprozesse Alzheimer und Parkinson begünstigen könnten. Grafik: KI-generiert. Bislang ist allgemeiner Konsens, dass neuroinflammatorische Entzündungen auf eine Aktivierung von Gliazellen zurückführen sind, das sind Stützzellen des Nervengewebes, die die Nervenzellen (Neuronen) unterstützen, schützen und nähren, selbst aber keine elektrischen Impulse weiterleiten. Die genauen Ursachen und der Verlauf der neurodegenerativen Erkrankungen wie der Alzheimer-Krankheit und der Parkinson-Krankheit sind nach wie vor nicht vollständig geklärt. Die neue Arbeitshypothese ist, dass latente Viren, insbesondere Herpesviren wie das Cytomegalie-Virus infolge von Alterungsprozessen, giftigen Stoffen oder psychischem Stress in den Neuronen reaktiviert werden. Dadurch wird das angeborene Immunsystem aktiviert, wodurch die Nervenzellen zu Auslösern der Neuroinflammation und zu Treibern der Neurodegeneration werden. Zur Überprüfung ihrer Hypothese nutzt das Forschungsteam unter der Leitung von Prof. Dr. Martin Korte und Shirin Hosseini, Ph.D, unter anderem aus menschlichen induzierten pluripotenten Stammzellen gewonnene Neuronen und Hirnorganoide. Dazu will das Team neue Methoden entwickeln, und greift hierfür auf die Forschungsgruppe BrightBrain zurück. Die Forschungsgruppe „BrightBrain“ ist eine interdisziplinäre Flaggschiff-Forschungsinitiative der TU Braunschweig, die im Rahmen des „Ecoversity“-Projekts ins Leben gerufen wurde. Sie bündelt Kompetenzen aus den Lebenswissenschaften, den Ingenieurwissenschaften, der Informatik und der Physik, um neurodegenerative Erkrankungen wie Alzheimer und Parkinson zu erforschen. Durch die Integration von Mikrofluidik, Mikrophotonik und siliziumbasierten Mikrosystemen ermöglicht das Projekt hochpräzise, multimodale Untersuchungen von neuronalen Systemen, Organoiden und komplexen Gewebemodellen, die die physiologische In-vivo-Mikroumgebung originalgetreu nachbilden. BrightBrain darauf ab, grundlegende Krankheitsmechanismen aufzuklären und die Entwicklung prädiktiver, personalisierter und kosteneffizienter Diagnose- und Therapiestrategien zu beschleunigen. Die Reaktivierung soll über die Transkriptionsfaktoren NF-κB, IRF3 und IRF7 als zentrale Regulatoren der angeborenen Immunantwort, die Aktivierung von Immungenen und die Erstellung von Sekretomprofilen bestätigt werden. Die Interaktion zwischen Neuronen und Gliazellen wird über den Austausch konditionierter Kulturmedien und zelltypspezifischer Transkriptomik untersucht werden. Weitere Untersuchungen sind aus den Links zu entnehmen. Das Forschungsprojekt Rethink Neurodegeneration wird von der VolkswagenStiftung gefördert. Weitere Informationen: https://magazin.tu-braunschweig.de/pi-post/wenn-nervenzellen-entzuendungen-ausloesen-neue-forschung-zu-alzheimer-und-parkinson/ https://capri.com.hr/neuronal-viral-reactivation.html https://www.tu-braunschweig.de/izn/forschung/zellulaereneurobiologie-1/bright-brain

  • EUSAAT-Kongress: Abstract bis 2. November verlängert

    Die nächste Konferenz der European Society for Alternatives to Animal Testing (EUSAAT) findet im kommenden Jahr vom 17. bis 19. Februar wieder in Linz, Österreich, statt. Die Deadline für Abstracts ist auf den 2. November verlängert worden. Linz in der Übersicht. Foto: ArminEP, Pixabay. Weitere Informationen auf den Webseiten: https://eusaat.eu/congress/welcome/ https://eusaat.eu/eusaat-2024-young-scientists-travel-awards-ysta-2/ Zum Newsletter:

  • Bonn: Forschende verwandeln alte Blut- in junge Hirnzellen

    Ein Forschungsteam des Universitätsklinikums Bonn und der Universität Bonn unter der Leitung von Prof. Oliver Brüstle hat in einer Studie gezeigt, dass Blutzellen von Menschen verschiedenen Alters direkt in neurale Stammzellen umgewandelt werden können, wobei die Zellen während dieses Prozesses ihr epigenetisches Alter weitgehend verlieren. Die so erhaltenen induzierten neuralen Stammzellen können in verschiedene Nervenzelltypen differenziert werden, um z.B. neurologische Erkrankungen wie Alzheimer, Parkinson oder genetische Hirnerkrankungen an patienteneigenen Zellen untersuchen und neue Therapien testen. Induzierte neurale Stammzellen (iNSC), - hergestellt aus Blutzellen eines 101jährigen Spenders. Foto: © AG Brüstle / Universität Bonn Die Forscher:innen haben menschliche Blutzellen (Erythroid-Vorläuferzellen) von 15 Spendern in einer Altersspanne von zwischen Neugeboren bis zu 101 Jahren direkt in induzierte neurale Stammzellen (iNSCs) umgewandelt. Dabei nutzten sie lediglich die beiden Reprogrammierungsfaktoren SOX2 und cMYC, ohne den Umweg über einen pluripotenten Zustand (wie bei iPS-Zellen) zu wählen. Damit waren sie in der Lage, zu untersuchen, wie sich das "epigenetische Alter" (gemessen an DNA-Methylierungsmustern) während dieses Umwandlungsprozesses verändert und wie lange dieser Verjüngungsprozess dauert. Nervenzellen, - erzeugt durch Differenzierung von aus dem Blut gewonnenen induzierten neuralen Stammzellen (iNSC). Foto: © Abbildung: AG Brüstle / Universität Bonn Die Umwandlung führte zu einer deutlichen "epigenetischen Verjüngung" der Zellen: Die iNSCs zeigen nach der Umwandlung nur noch etwa 5–13% des ursprünglichen epigenetischen Alters der Spenderzellen, unabhängig davon, wie alt die Spender waren. Die iNSCs verlieren im Verlauf der Umwandlung typische Alterungsmerkmale und ähneln in vieler Hinsicht jungen, embryonalen Stammzellen. In der Studie wurden ausschließlich menschliche Blutproben verwendet. Es kamen keine Tiere zum Einsatz und es wurde kein tierisches Gewebe als Ausgangsmaterial genutzt. Jedoch wurden leider handelsübliche Zusätze wie fötales Kälberserum in der Zellkultur genutzt. Originalpublikation: Berg LJ, Franzen J, Buness A, Konang R, Sheng C, Peitz M, Till A, Wagner W, Brüstle O. Protracted Fate Acquisition and Epigenetic De-Aging During Induced Neural Stem Cell Conversion of Human Blood Cells. Aging Cell. 2026 Oct;25(10):e70751. doi: 10.1111/acel.70751. PMID: 42829448; PMCID: PMC13634082. Weitere Informationen: https://www.uni-bonn.de/de/neues/211-2026

  • Linz: Beliebte EUSAAT-Konferenz wieder im kommenden Februar

    Die nächste Konferenz der European Society for Alternatives to Animal Testing (EUSAAT) findet im kommenden Jahr vom 17. bis 19. Februar wieder in Linz, Österreich, statt. Frühbucher können noch bis zum 25. Oktober 2026 von einem Rabatt profitieren. Die Deadline für Abstracts endet am 2. November 2026. Linz in der Übersicht. Foto: ArminEP, Pixabay. Die EUSAAT ist eine der wichtigsten europäischen Veranstaltungen zum Thema Alternativen zu Tierversuchen. Sie vereint Spitzenforschung, inspirierende Forscher:innen sowie bietet spannende Gelegenheiten, Kontakte zu knüpfen und neue Forschungskooperationen aufzubauen. Für (Nachwuchs)forschende ist es eine großartige Gelegenheit, die aktuellen Arbeiten vorzustellen und Ideen auszutauschen. Die Einreichungsfrist für Abstracts endet am 16. Oktober 2026. Es werden 20 Reisestipendien („Young Scientist Travel Award“-Preisträger (YSTA)) für Nachwuchswissenschaftler von der Stifung zur Förderung der Erforschung von Ersatz- und Ergänzungsmethoden zum Tierversuch (SET-Stiftung) gefördert. Außerdem zeichnet die Stiftung SET aus den YSTA-Stipendiaten die drei besten Präsentation der Forschungsarbeiten im Rahmen der EUSAAT-Kongresssitzungen im Februar 2027 mit 500.- Euro aus. Weitere Informationen sowie die Möglichkeit zur Einreichung Ihres Abstracts finden Sie unter: https://eusaat.eu/congress/welcome/ https://eusaat.eu/eusaat-2024-young-scientists-travel-awards-ysta-2/

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