Neurodegeneration: Mit neuen Methoden einen neuen Ansatz erforschen
Ein Forschungsteam unter der Leitung der Technischen Universität Braunschweig geht hinsichtlich der Entstehung von Parkinson und Alzheimer einem neuen Forschungsansatz nach. Mit humanspezifischen Methoden untersucht das Team, wie im Körper schlummernden Herpesviren und Entzündungsprozesse Alzheimer und Parkinson begünstigen könnten.

Bislang ist allgemeiner Konsens, dass neuroinflammatorische Entzündungen auf eine Aktivierung von Gliazellen zurückführen sind, das sind Stützzellen des Nervengewebes, die die Nervenzellen (Neuronen) unterstützen, schützen und nähren, selbst aber keine elektrischen Impulse weiterleiten. Die genauen Ursachen und der Verlauf der neurodegenerativen Erkrankungen wie der Alzheimer-Krankheit und der Parkinson-Krankheit sind nach wie vor nicht vollständig geklärt.
Die neue Arbeitshypothese ist, dass latente Viren, insbesondere Herpesviren wie das Cytomegalie-Virus infolge von Alterungsprozessen, giftigen Stoffen oder psychischem Stress in den Neuronen reaktiviert werden. Dadurch wird das angeborene Immunsystem aktiviert, wodurch die Nervenzellen zu Auslösern der Neuroinflammation und zu Treibern der Neurodegeneration werden.
Zur Überprüfung ihrer Hypothese nutzt das Forschungsteam unter der Leitung von Prof. Dr. Martin Korte und Shirin Hosseini, Ph.D, unter anderem aus menschlichen induzierten pluripotenten Stammzellen gewonnene Neuronen und Hirnorganoide. Dazu will das Team neue Methoden entwickeln, und greift hierfür auf die Forschungsgruppe BrightBrain zurück.
Die Forschungsgruppe „BrightBrain“ ist eine interdisziplinäre Flaggschiff-Forschungsinitiative der TU Braunschweig, die im Rahmen des „Ecoversity“-Projekts ins Leben gerufen wurde. Sie bündelt Kompetenzen aus den Lebenswissenschaften, den Ingenieurwissenschaften, der Informatik und der Physik, um neurodegenerative Erkrankungen wie Alzheimer und Parkinson zu erforschen.
Durch die Integration von Mikrofluidik, Mikrophotonik und siliziumbasierten Mikrosystemen ermöglicht das Projekt hochpräzise, multimodale Untersuchungen von neuronalen Systemen, Organoiden und komplexen Gewebemodellen, die die physiologische In-vivo-Mikroumgebung originalgetreu nachbilden. BrightBrain darauf ab, grundlegende Krankheitsmechanismen aufzuklären und die Entwicklung prädiktiver, personalisierter und kosteneffizienter Diagnose- und Therapiestrategien zu beschleunigen.
Die Reaktivierung soll über die Transkriptionsfaktoren NF-κB, IRF3 und IRF7 als zentrale Regulatoren der angeborenen Immunantwort, die Aktivierung von Immungenen und die Erstellung von Sekretomprofilen bestätigt werden. Die Interaktion zwischen Neuronen und Gliazellen wird über den Austausch konditionierter Kulturmedien und zelltypspezifischer Transkriptomik untersucht werden. Weitere Untersuchungen sind aus den Links zu entnehmen.
Das Forschungsprojekt Rethink Neurodegeneration wird von der VolkswagenStiftung gefördert.
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