Deutschland: Wo gibt es noch einen Preis zu gewinnen?
Vor kurzem schrieb die Tageszeitung taz, die Linksfraktion in Hamburg befürchte, dass Hamburgs Preis für Forschung an Alternativen zu Tierversuchen eingestellt werde. Diese Befürchtung ist nicht ganz unberechtigt, denn eine kurze Untersuchung ergab, dass insgesamt in vier Bundesländern die Vergabe des Tierschutzforschungspreises sang und klanglos eingestellt wurde oder zumindest davon bedroht sind, so neben Hamburg auch in Berlin, Hessen und im von den Grünen geführten Baden-Württemberg.

Die Gründe mögen vielfältig sein: Fehlende Finanzmittel oder Ressourcen (Hamburg und Berlin), die Überzeugung, dass es besser sei, zentral in ein 3R-Zentrum zu investieren (Hessen) oder direkt in feste Forschungsstrukturen und einheitliche Projektförderungen (Baden-Württemberg). Über Hessen war zu lesen, dass der Wegfall durch gezielte Investition in Höhe von rund 2 Millionen Euro in Professuren für tierversuchsfreie Verfahren und Tierschutzforschung an den Standorten Frankfurt und Gießen verursacht seien, die allerdings schon einige Jahre zurückliegen.
Andere Bundesländer haben den Preis in einen allgemeinen Tierschutzpreis umgewandelt und vergeben geringe Summen für tierversuchsfreie Forschung und private Tierschutzprojekte im Gemisch. So sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass ein/e Entwickler:in eines tierfreien Verfahrens mit dem Preis geehrt wird, wie in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen oder Sachsen-Anhalt. Einige Bundesländer vergeben gar keinen Preis, wie Sachsen, Schleswig-Holstein oder Mecklenburg-Vorpommern.
Auf Bundesebene wurde der Bundestierschutzforschungspreis 2025 erst finanziell von zuvor 25.000 Euro auf 220.000 Euro für drei Kategorien (herausragende Forschungsleistungen zum Ersatz und zur Verminderung von Tierversuchen, nationaler wissenschaftlicher Nachwuchs und gesellschaftliches und bürgerschaftliches Engagement im Bereich Versuchstiere) aufgestockt und dann nur zwei Preise vergeben. Die offizielle Begründung für die Nichtvergabe des mit bis zu 100.000 Euro dotierten nationalen Nachwuchspreises lautete schlicht, dass kein geeigneter Kandidat bzw. keine geeignete Kandidatin unter den eingereichten Vorschlägen war. Das zog deutliche Kritik nach sich, so wegen mangelhafter Ausschreibung & Kommunikation. Dies war auch 2026 wieder der Fall: Nachdem es zunächst hieß, dass nur Wissenschaftsorganisationen Preisträger nominieren dürfen, wurde das Nominierungsprozedere einige Wochen vor Ablauf der Frist schlichtweg geändert, sodass auch bundesweit tätige Tierrechtsorganisationen nominieren durften.
Aber nicht nur dies: der Bundestierschutzforschungspreis 2026 sollte in zwei Kategorien vergeben werden mit einer Preissumme von insgesamt 150.000 Euro dotiert. Nur wurde der Nachwuchspreis in Höhe von 50.000 Euro wieder nicht vergeben. Eine Begründung wurde nicht veröffentlicht.
Kann es sein, dass Deutschland keinen geeigneten wissenschaftlichen Nachwuchs ausbildet? Oder: Welche Bedeutung hat die Anerkennung von Forschungsleistungen von Nachwuchswissenschaftler:innen noch in Deutschland? Es drängt sich stark der Eindruck auf, dass in Zeiten knapper Kassen die Bedeutung tierfreier Forschung sofort zugunsten anderer Interessen fallengelassen wird. Auch wenn Organ-on-a-Chip, mikrofluidische Systeme, KI und Hochdurchsatzmethoden als unerlässlich für den modernen Forschungsstandort betont werden, die der Beschleunigung der Behandlung menschlicher Erkrankungen voranbringen wird.
Natürlich kann argumentiert werden, dass eine Preissumme nicht geeignet ist, um die Forschung zu finanzieren. Aber es geht auch um Anerkennung.
Sonst gerät die Vision von moderner, humanspezifischer Forschung immer mehr in den gesellschaftlichen Hintergrund.





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