Forschungsteam vermisst endoplasmatisches Retikulum in eukaryotischen Zellen
Ein Forschungsteam unter Beteiligung der Universität des Saarlandes ist Kooperationspartner des Exzellenzclusters „Subcellular Architecture of Life (SCALE)“ der Goethe-Universität Frankfurt. Hier wollen sie digitale und synthetische Zwillinge von Zellkompartimenten entwickeln, um das zelluläre Verhalten mit noch realistischeren, digitalen Modellen abzubilden.
Das endoplasmatische Retikulum, kurz ER, ist ein Zellorganell, das als schlauchartige, labyrinthartige Struktur im Zytosol lokalisiert ist. Milliarden an Molekülen in der Zelle und ihre Reaktionen werden durch sogenannte Organellen organisiert und eines ist das endoplasmatische Retikulum, das die gesamte Zelle als ein dynamisches Netzwerk durchspannt und wesentlich für das Wachstum der Zelle ist. In der Zelle erfüllt es vor allem Synthese- und Speicherungsaufgaben. Das raue endoplasmatische Retikulum z.B. ist mit Ribosomen besetzt und überwiegend an der Proteinsynthese und Proteinfaltung beteiligt. Eine Vielzahl komplexer Stoffwechselerkrankungen entstehen am Endoplasmatischen Retikulum, wo die Zelle neue Proteine herstellt, und Membranfette synthetisiert, berichten die Forscher:innen der Universität des Saarlandes unter der Leitung von Prof. Robert Ernst.

Grafik: Organisation einer typischen eukaryotischen Zelle: 1. Nucleolus (Kernkörperchen), 2. Zellkern (Nukleus), 3. Ribosomen, 4. Vesikel, 5. granuläres, mit Ribosomen besetztes Endoplasmatisches Retikulum (Ergastoplasma), 6. Golgi-Apparat, 7. Cytoskelett, 8. Glattes (Agranuläres) endoplasmatisches Retikulum, 9. Mitochondrien, 10. Lysosom, 11. Cytoplasma (mit Cytosol und Cytoskelett), 12. Peroxisomen, 13. Zentriolen, 14. Zellmembran.
Quelle: Kelvinsong, Wikipedia, CC0, 1.0
Das Forschungsteam hat ein Verfahren entwickelt, mit dem man das Endoplasmatische Retikulum aus der Zelle isolieren kann, um ihre genaue Molekülzusammensetzung mit modernster Analytik zu vermessen. Ziel ist es, genau zu verstehen, wie das Endoplasmatische Retikulum auf metabolischen Stress reagiert. Dann können sie daran arbeiten, Möglichkeiten aufzuzeigen, wie man zurück zum metabolischen Gleichgewicht kommen könnte.
Hier geht es zur Originalpublikation:
Mammalian MemPrep establishes the lipid composition of ER membranes in HEK293T cells, Autoren: Aamna Jain, Alexander von der Malsburg, Cynthia Alsayyah, Claudia Götz, Mohamed Elmofty, John Reinhard, Per Haberkant, Volkhard Helms, Joseph H Lorent & Robert Ernst, in: EMBO Reports (2026). https://doi.org/10.1038/s44319-026-00952-9
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