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- Berlin: Bundesforschungspreis und Tierschutzpreis gehen an zwei internationale Wissenschaftler
Am Dienstag, den 22. April, wurde der neu konzipierte Tierschutzforschungspreis des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) an zwei Preisträger vergeben. Geehrt wurden in diesem Jahr der Organoidforscher und Molekulargenetiker an der Universität Utrecht, Prof. Dr. Hans Clevers, sowie der bekannte Refinement-Forscher Prof. Dr. Adrian Smith – bekannt durch die Plattform norecopa und die arrive guidelines zur Verbesserung der Tierversuchsplanung. Ein nationaler Nachwuchspreis für Methoden und Verfahren zum Ersatz oder zur Einschränkung von Tierversuchen wurde nicht vergeben – es gab zu wenige Bewerbungen. Staatssekretärin Ophelia Nick, Tierschutzforschungspreisträger Prof. Dr. Hans Clevers (l), Tierschutzpreisträger Prof. Dr. Adrian Smith, Leiter des Bf3R, Prof. Dr. Gilbert Schönfelder (r). Quelle: BMEL. Erfreulich war im letzten September zu vernehmen, dass die Bundesregierung die Summe des zu vergebenden Tierschutzforschungspreises von 25.000 Euro auf insgesamt 220.000 Euro aufgestockt hatte. Damit verbunden war die Absicht, dem Preis insgesamt mehr internationale Relevanz zu verleihen. Die Summe teilt sich in drei Kategorien auf: es wird ein internationaler Forschungspreis für Innovationen mit einem sehr großen Einfluss auf dem Gebiet des Ersatzes oder der Verminderung von Tierversuchen auf globaler Ebene verliehen. Zweitens gibt es einen nationalen Nachwuchswissenschaftspreis für innovative, zukunftsweisende wissenschaftliche Abschluss- oder Folgearbeiten zum Ersatz oder zur Reduktion von Tierversuchen. Der dritte Preis ist ein internationaler Tierschutzpreis für gesellschaftliches und bürgerschaftliches Engagement im Bereich der Versuchstiere. Eine weitere, nicht unerhebliche Neuerung ist, dass im Gegensatz zu früheren Jahren nur noch nationale 3R-Zentren sowie die Leitungen nationaler Forschungseinrichtungen im Bereich der Lebens- und Naturwissenschaften vorschlagsberechtigt sind. In der Jury sitzen jedoch neben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern auch zwei Tierrechtsorganisationen. Humanorganoide mit weitreichenden Auswirkungen auf die Arzneimittelforschung Der internationale Tierschutzforschungspreis wurde in diesem Jahr an den weltweit führenden Experten in der Organoid-Forschung, Professor für Molekulargenetik Hans Clevers, von der Universität Utrecht vergeben. Der Wissenschaftler habe "die Grundlage für die Organoidforschung geschaffen", begründete Dr. Ophelia Nick, parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft begeistert. Der Immunologe untersucht die molekularen Mechanismen der Gewebeentwicklung und der Entstehung und Entwicklung von Krebs in verschiedenen Organen. Prof. Clevers bei seinem Vortrag mit Einsatz von vielbeachteten KI-Erklärfilmsequenzen. Foto: BMEL. Dafür werden aus menschlichen adulten Stammzellen Organoide entwickelt. Bei den Forschungen spielte u.a. der sogenannte Wnt-Signalweg eine wichtige Rolle. Prof. Clevers ist einer der führenden Forscher auf dem Gebiet und gilt seit Jahren als Kandidat für den Nobelpreis. Sein Wechsel 2022 zum Pharmakonzern markierte einen Wendepunkt in der Kommerzialisierung der Organoid-Technologie: Als Leiter der Pharmaforschung und frühen Entwicklung beim Schweizer Pharmariesen ROCHE hat er den Einsatz dieser humanspezifischen organ-ähnlichen Systeme stark gefördert. Als erster Pharmakonzern weltweit will ROCHE Organoide inzwischen flächeneckend in der Forschung einsetzen. Prof. Clevers ist der Meinung, dass die Technologie inzwischen ein Niveau erreicht hat, auf dem sie für die Pharmaforschung interessant sein sollte. Gute Versuchsplanung mit norecopa-Checklisten Der internationale Tierschutzpreis für gesellschaftliches und bürgerschaftliches Engagement im Bereich der Versuchstiere ging an Prof. Dr. Adrian Smith. Er betreut seit Jahrzehnten die bekannte Internetplattform norecopa. Hier finden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler alle möglichen Informationen, um einen Tierversuch u.a. hoch qualitativ planen zu können. Prof. Dr. Adrian Smith. Foto: BMEL. Dazu gehört eine Recherche, ob die Fragestellung nicht mit einer anderen Methode als den Tierversuch beantwortet werden kann, wofür z.B. die Datenbank NORINA zur Verfügung steht. Neben zahlreichen Informationen zu tierversuchsfreien Alternativen sind auch Film- und Ausbildungsmaterialien auf der norecopa-Plattform zu finden. Eine Besonderheit sind die PREPARE guidelines (Planning Research and Experimental Procedures on Animals: Recommendations for Excellence). Neben aus einer 2-seitigen Checkliste, die in über 30 Sprachen übersetzt wurde, besteht PREPARE aus einem Websitenauftritt mit weiterführenden Beratungsleistungen rund um das Thema Tierversuche. Leider ist aber die zweite Kategorie in diesem Jahr gar nicht vergeben worden, nämlich für herausragende Nachwuchsforschungsleistungen zum Ersatz und zur Verminderung von Tierversuchen. Bedingt durch eine unausreichende Kommunikation darüber, dass nur noch bestimmte Einrichtungen vorschlagsberechtigt sind und eine dadurch bedingte zu kurze Bewerbungsfrist gingen lediglich zwei Bewerbungen sein, die nicht den Voraussetzungen entsprachen. Das Preisgeld wurde vom Ministerium einbehalten. Weitere Informationen, z.B. in Form eines Podcasts auf Deutschlandradio: Mini-Organe aus Labor können Tierversuche ersetzen: https://www.deutschlandfunkkultur.de/mini-organe-aus-labor-koennen-tierversuche-ersetzen-100.html
- Virtuelles Labor zur Erforschung einer tierversuchsfreien Methode von Europäischer Institution
Das Europäische Zentrum zur Validierung alternativer Methoden (ECVAM) hat ein virtuelles Labor entwickelt, in dem Schüler:innen und Studierende einen virtuellen Professor auf seiner Reise zur Erforschung einer neuen Alternative zu Tierversuchen begleiten können. Das virtuelle 20-minütige Abenteuer wurde für Schüler:innen im Alter von 14 bis 18 Jahren konzipiert, ist aber auch für ältere Lernende sehr interessant. Als virtueller Forscher werden Sie wie in einem echten Labor Experimente durchführen, um die Reproduzierbarkeit einer Testmethode zu bewerten. Auf dieser interaktiven Reise lernen Sie auf spielerische Weise etwas über Laborarbeit und Alternativen zu Tierversuchsmethoden. Das Programm bietet auch interaktive Erfahrungen, indem Sie experimentieren, Labortechniken meistern und die Reproduzierbarkeit einer tierversuchsfreien Methode bewerten können. Das virtuelle Labor kann einen bedeutenden Beitrag zur wissenschaftlichen Ausbildung leisten, indem es Schüler:innen und Studierenden eine fesselnde und immersive Möglichkeit bietet, etwas über Alternativen zu Tierversuchen zu lernen und die 3R-Prinzipien (Replacement, Reduction und Refinement) zu beherzigen. Weitere Informationen finden Sie hier: EURL ECVAM Lab – Virtual Reality – European Commission.
- Tierverbrauch im Studium: Universität Kopenhagen will Einsatz von Versuchstieren deutlich reduzieren
Meerjungfrau in Kopenhagen, Dänemark. Foto: Philuis, Pixabay. Wie das populärwissenschaftliche Nachrichtenportal Videnskab.dk berichtet, sollen die Kursveranstalter in den Lebenswissenschaften dazu angehalten werden, auf den Tierverbrauch im Studium zu verzichten. Das würde eine Einsparung von zirka 700-800 Tieren im Jahr bedeuten. Jørgen Kurtzhals, Prodekan für Bildung an der Fakultät für Gesundheit und medizinische Wissenschaften (SUND) der Universität Kopenhagen, hat erklärt, dass alle Kursleiter dazu angehalten werden, Tiere aus ihren Lehrplänen zu entfernen oder „gründlich zu rechtfertigen“, warum deren Einsatz weiterhin notwendig sein soll. Vergleichbare Lehrinhalte könnten auch mit Videomaterial oder Computersimulationen vermittelt werden, so Axel Kornerup Hansen, Vorsitzender des dänischen 3R-Zentrums. „Ich finde es wirklich gut, wenn die Universität die Lehrer zwingt, darüber nachzudenken, ob es wirklich notwendig ist, diese Tiere zu verwenden, um grundlegende Dinge über den Körper zu demonstrieren“, sagt Axel Kornerup Hansen, Vorsitzender des dänischen 3R-Zentrums – einer staatlichen Organisation, die sich für die Reduzierung, den Ersatz und die Verbesserung von Tierversuchen einsetzt – gegenüber Videnskab.dk. Quelle und weitere Informationen https://www.nordisch.info/daenemark/universitaet-kopenhagen-moechte-den-einsatz-von-versuchstieren-deutlich-reduzieren/
- Forschung und Lehre: Mini-Organe statt Tierversuche
Empfehlung Kurzfilm (5.30 Minuten) in der ARD: Bereits seit 15 Jahren sind Tierversuche für kosmetische Zwecke in der gesamten EU verboten. Für die medizinische Forschung sind sie jedoch gesetzlich vorgeschrieben. In den Niederlanden erforscht ein Team, wie man Tierversuche in Zukunft ersetzen kann – mit der Hilfe von gezüchteten, menschlichen Mini-Organen. Der Beitrag in der ARD ist auch für Studierende der Lebenswissenschaften sehr interessant. Am Ende des Films wird die Aus- Fort- und Weiterbildung mit 3D-Brillen vorgestellt! https://www.youtube.com/watch?v=Ewa9B7uCgA4
- Künstliche Intelligenz und in-silico – Trends in der 3R-Forschung
Am 9. Oktober 2024 fand eine virtuelle Veranstaltung des Bundesnetzwerks 3R statt. Thema war diesmal „Künstliche Intelligenz und in-silico – Trends in der 3R-Forschung“. Den zahlreichen Vorträgen schloss sich eine Paneldiskussion mit den Teilnehmenden Prof. Lars Küpfer von der Universitätsklinik Aachen, Charlott Danielson, von der Fraunhofer-Einrichtung für Individualisierte und Zellbasierte Medizintechnik IMTE, Dr. Sylvia Escher vom Fraunhofer-Institut für Toxikologie und Experimentelle Medizin ITEM, Dr. Andreas Göller, Senior Science Fellow Computational Chemistry der Bayer AG sowie Prof. Thomas Hartung vom Center for Alternatives to Animal Testing (CAAT) an der Johns-Hopkins-Universität in Baltimore an. Datentransparenz und Vorbehalte wegen Datenqualität Kritisch bemerkt wurde, dass KI-Methoden nicht besonders transparent seien, um den Regulationsbehörden die Möglichkeit zu geben, die geforderten Methoden zur Risikobewertung anzupassen. Jedoch sei KI in der 3R Forschung nicht mehr wegzudenken. Nach Aussagen von Prof. Thomas Hartung von der Johns-Hopkins-Universität in Baltimore investiert seine Universität allein zwei Milliarden Dollar in Künstliche Intelligenz. Die USA gehen hier voran: so drängten die National Institutes of Health auf die Veröffentlichung der Daten. Ein wichtiges Thema war die Datenqualität, auf dessen Basis KI erst diese Analysen vornehmen kann. In der Verfügbarkeit von Daten, ihrem Transfer in die Praxis sehen die Teilnehmenden noch eine rechte Herausforderung. In der Informatik bedeutet garbage in -garbage out (Müll rein - Müll raus), dass fehlerhafte, voreingenommene Informationen oder eine schlechte Datenqualität (Müll) als Input ein Ergebnis oder eine Ausgabe ähnlicher Müll-Qualität erzeugt. Wenn die Nutzer in der Lage sind, zu sagen, dass es sich um gute oder schlechte Daten handelt, könne das die KI auch. Jedoch im Gegensatz zum Menschen ginge sie da vorurteilsfrei heran. Wenn Forscherinnen und Forscher diese Bewertung der KI überlassen würden, hätten demnach schlechte Daten kaum noch Einfluss. Wenn KI ein Ergebnis ausgibt und dabei den ganzen Müll aus dem Internet herauszufiltern in der Lage ist, wüsste der Mensch jedoch zudem nicht, aus welchem Experiment die Daten kämen. Dr. Escher informierte, dass bei den Transkriptomdaten, also die zu einem bestimmten Zeitpunkt erfasste Gesamtheit aller in einer Zelle hergestellten RNA-Moleküle zu einer bestimmten Untersuchung, bereits an einer Standardisierung gearbeitet werde, jedoch seien die Metadaten bislang unvollständig. Grafik: computergeneriert. Publikationsqualität muss erhöht werden Gleichzeitig muss die Datenqualität im Internet erhöht werden, auf die die KI zugreift. Das bedeutet, Publikationsstandards müssen Pflicht sein, wichtig sei u.a. auch, Open Access zu publizieren, denn was hinter der Paywall ist, kann die KI nicht finden. Das Wissen könne nur Teil der KI-Analyse werden, wenn es auch öffentlich zugänglich ist. Auch müssten Metadaten entsprechend gekennzeichnet werden. Dr. Escher wies darauf hin, dass derzeit Daten aus den Bereichen Pharmazie und Medizinprodukte getrennt betrachtet werden, obwohl die Daten gemeinsam genutzt werden könnten. Am Ende könnte das jedoch eine gemeinschaftliche Leistung sein. Um das zu schaffen, könnte eine Qualitätsnormung helfen. Datenbanken: wie und wo lokalisieren? Es gibt kein Repositorium, also keinen Speicherort für digitale Objekte, wo die Daten korrekt abgelegt werden können und diese für einen öffentlichen oder beschränkten Nutzerinnen- oder Nutzerkreis zur Verfügung gestellt werden. Verschiedene Forscherinnen und Forscher sammeln z.B. in vivo-Daten, aber sie sind trotzdem nicht verfügbar, weil es z.B. noch keinen einheitlichen Datenstandard gibt. Hier sei noch viel Arbeit nötig. Es wurde darauf hingewiesen, dass es bereits existierende Datenbanken gäbe. Die Probleme beim Computerauslesen aus Textformularen, Begriffe/Terminologien, die von der Standardsprache abweichen, sollte man jedoch nicht unterschätzen. Es sei gut, Daten zur Verfügung zu stellen aber mit einer Annotierung, welcher Qualität sie sind. Tools, mit denen man eine Datenbank anzapfen kann, funktionierten bereits. Wenn diese in der Lage sind, die Ontologie zu berücksichtigen, dann sei es ok. Entweder müssten einzelne Datenbankbetreiber für die einzelnen Universitäten die Daten aus den Projekten einpflegen, solange die Fördermittel fließen, oder alle Arbeitsgruppen hätten die Möglichkeit, ihre Daten in eine professionell gewartete IT-Infrastruktur einzupflegen, dies ginge kontinuierlich. Auch wenn ein EU-Projekt stillgelegt würde, wären die Daten jederzeit verfügbar, dann braucht es eine zentrale Ontologie, die genutzt werden muss. Beispielsweise existiere die VDI-Datenbank seit Jahren. Jede/r ist gezwungen, ihre/seine Daten dort abzulegen und jeder Nutzerin und jedem Nutzer verfügbar zu machen. Charlott Danielson äußerte, dass man europäisch denken müsse. Aber man müsse dem Ganzen Zeit geben. Wenn es sich um Daten aus geförderten Projekten handele, dass müssten die Daten geteilt werden, damit sie vorhanden seien, wenn die Förderung ausgelaufen ist. Prof. Hartung widersprach, dass Zeit vorhanden sei: Die Technologie würde sich jedes Jahr verachtfachen. So werde man viel zu schnell abgehängt. Im Augenblick würden 80% der KI und 60% der Patente von China gehalten und wir wüssten nicht, was da passiert. Es sei zentral, dass sich die Willigen zusammenschließen und schlecht, wenn Länder wie die Europäischen den Zugang erschweren. Dr. Andreas Göller stimmte dem zu, wies aber darauf hin, dass die Firmen nicht so vorgehen würden, weil sie Geld verdienen wollten. Es sei ein riesengroßer Markt, die KI-Modelle würden mit Daten trainiert, ohne zu fragen, ob sie das Recht hätten, die Daten zu nutzen. Hier ginge es nicht nur um Wohltätigkeit. Grafik: computergeneriert. Zentrales Datenzentrum: wieviel Datenumfang entwickeln zu sammelnde Informationen? Ein Datenzentrum sollte kontinuierlich hochqualitative Daten bereitstellen. Dafür müsse es ein zentrales Management geben. Wer die Datenbank hoste, ob das Joint Research Center oder jemand anderes, sei zweitrangig. Eventuelle Befürchtungen über zu groß werdenden Datenmengen entgegnete Prof. Hartung, diese seien gar nicht so groß. Als Beispiel nannte er eine Datenbank von Biobricks. Die BioBricks Foundation mit Sitz in San Francisco ist eine gemeinnützige Organisation, die die synthetische Biologie zugunsten aller Menschen und des Planeten vorantreiben will. Laut Prof. Hartung publiziert Biobricks nur ein paar Terabyte, weil die Datenbanken hoch verdichtet seien. Sie könnten innerhalb von Minuten upgedatet werden. Dieser Prozess sei automatisierbar. Prof. Lars Küpfer hielt die Extrapolationsfähigkeit zu neuen Szenarien dagegen für limitiert. Das read-across sei zwar ein Ansatz, aber die mechanistischen Szenarien, also die Übertragbarkeit von Erwachsenen auf Kinder, von der Maus zum Menschen benötige eine erhebliche Menge an Daten, die aus in-vivo-Versuchen am Tier überhaupt nicht vorhanden seien. Was kann die AI noch nicht, wo sind aktuelle und langfristige Limitationen? KI müsse nicht alles können, ist Dr. Goller überzeugt, sondern sie müsse Wissenschaftler:innen unterstützen, z.B. bei Imageanalysen von Röntgenbildern. Es sei wie beim autonomen Fahren: am Schluss müsse die KI nur weniger Unfälle verursachen als der Mensch. Das Wichtigste sei, dass die Antwort in den Daten zu finden ist, meint Prof. Hartung. Mixturen giftiger Stoffe oder ihre Stärke könnte man nicht aufklären, wenn nicht genug Daten zur Verfügung stünden. Die Daten könnten auch aus QSAR-Daten generiert werden. Aber dies sei noch ein weiter Schritt und brauche noch mehr Qualitätskontrolle. Wer soll für die Aufgaben verantwortlich sein? Für die Entwicklung die Wissenschaft, aber das Daten hosten und zur Verfügung stellen sowie die Wartung, die mit Kosten verbunden seien, das müssten die öffentlichen Förderträger sicherstellen. Hierfür solle die Öffentlichkeit Strukturen schaffen und dann schauen, wie sie erhalten werden können. Prof. Hartung regte an, die zu investierenden Kosten - geschätzt ein paar 100 Millionen Euro - dem möglichen Wert gegenüberzustellen. Bei der Entwicklung eines Medikaments sei jeder Tag, der dazu beitragen kann, die Entwicklung zu beschleunigen, eine Million Euro wert. Zur Bedeutung einer beschleunigten Entwicklung gab er ein Beispiel: Im Bereich in-silico-Medizin wurde vor Kurzem ein Projekt abgeschlossen, das sich bereits in der klinischen Phase 2b befinde, das Projekt sei erst 2019 begonnen worden. Zur Frage, wie die Zustimmung der Bürgerinnen und Bürger zur Nutzung von in-silico-Technologien/künstlicher Intelligenz komplett ohne Tierversuche eingeschätzt werde, gab es leicht kontroverse Sichtweisen. Während Dr. Göller eine allgemeine Akzeptanz für präklinische Prüfung auf Toxizität völlig ohne Tierversuch für unwahrscheinlich hielt, äußerten Prof. Hartung und Dr. Escher andere Einschätzungen. Den meisten Menschen sei es völlig egal, auf welcher Basis ein gut funktionierendes Arzneimittel hergestellt worden sei. Die Bevölkerung sei an einer guten Behandlung interessiert. Nicht egal sei es aber den Menschen, die in die Behandlungs-möglichkeiten investieren, sie entwickeln und die Verantwortung träfen. Bayer z.B. reduziere die Zahl der Tierversuche durch in-silico-Methoden, dadurch könnten Tierversuchs sinnvoll eingesetzt werden, denn Verbindungen, die z.B. keine Bioverfügbarkeit zeigten, könnten von vornherein aussortiert werden. Indirekt führte dies zu einer finanziellen Ersparnis, weil Projekte weniger lang dauern und fokussierter liefen. Ressourcen könnten für sinnvolle Projekte eingesetzt werden. Wann kommt die KI? Man könne sagen, dass im regulatorischen Bereich bislang noch keine einzige Methode der künstlichen Intelligenz als Ersatz zum Tierversuch akzeptiert worden ist. Aber zurzeit werde ein Ausbildungsprojekt für Regulatoren durchgeführt, denn diese wollten wissen, was da auf sie zukomme. Wann in-silico-Methoden oder KI in der Arzneimittelentwicklung anerkannt werde, könne man kurzfristig nicht sagen, aber in 6-8 Jahren, schätzte Prof. Hartung. Im Moment sei es so, dass Machine-learning-Modelle erklärbar sein müssen, das schränke die Menge der Algorithmen ein, erklärte Dr. Göller. Wenn die Modelle allgemein erklärbar sein müssen, gäbe man derzeit an Aussagekraft auf. Im Bereich der Aus-, Fort- und Weiterbildung sollte niemand mehr eine Ausbildung machen können, ohne mit KI umgehen zu können. In Ausbildung befindlich Personen sollten Plausibilitätsprüfungen durchführen können. Zuerst brauche man ein Verständnis für Naturwissenschaften, um das das Machine Learning darauf anwenden zu können.
- Internationalen Dokumentarfilm-Reihe über humane Innovationen in der tierärztlichen Ausbildung
Die neue, internationale Dokumentarfilmreihe „Training the Animal Doctor“ stellt tierleidfreie und innovative Lehrmethoden für die Ausbildung von Tierärzten vor. Sie zeigt anschaulich, wie Studierende praktisch an Modellen und Simulationen üben. Wissenschaftler, Lehrende, Studierende und Produkthersteller kommen zu Wort und bestätigen, dass beispielsweise mit dem lebensechten Hunde-Chirurgiemodell die Lernziele schneller und besser erreicht werden als mit getöteten Tieren. Der Bundesverband Menschen für Tierrechte hat die Produktion der Filmreihe praktisch und finanziell unterstützt. In den Studiengängen Biologie sowie der Human- und Veterinärmedizin werden nach wie vor viele Lehrinhalte durch Übungen an Tieren vermittelt. Dies gilt insbesondere für anatomische, physiologische oder heilkundliche Kurse. Erfreulicherweise setzen sich jedoch immer mehr tierverbrauchsfreie Kurse durch, vor allem in der Human- und Veterinärmedizin. Hier werden Simulatoren eingesetzt, die reale Patienten imitieren und es den Studierenden ermöglichen, Fertigkeiten zu üben, ohne dass sie dafür lebende Tiere oder Kadaver verwenden müssen. Der Einsatz von Simulatoren in der tierärztlichen Ausbildung hat in den letzten Jahren erheblich zugenommen, da sie einen konsistenten Unterricht ermöglichen, ohne auf klinische Fälle angewiesen zu sein. Sie lassen unbegrenzt Wiederholungen von medizinischen Eingriffen und den Umgang mit Komplikationen zu und erreichen damit Kompetenz und Sicherheit für das spätere Operieren an Tierpatienten. Chirurgietrainer für wiederholbare Eingriffe Schon seit langem gibt es verschiedene Modelle die sehr nützlich sind, um lebensechte Zustände zu simulieren. Herausragend in der Veterinärmedizin ist das Hundechirurgie-Modell des Unternehmens SynDaver aus Florida. Es ist ein sogenannter High-Fidelity-Chirurgietrainer für wiederholbare chirurgische Eingriffe. Mit anpassbaren Pathologien, die in das Gefäßsystem integriert sind, bietet das System Veterinärmedizinern in chirurgischen Situationen eine realistische Erfahrung, die häufig auftreten. Trainingsfilm online Genau darum geht es in der ersten Folge einer mehrteiligen Dokumentarfilmreihe zur tierärztlichen Ausbildung mit dem Titel „Training the Animal Doctor“: Das Hunde-Chirurgie-Modell von SynDaver. Sie können die 37-Minuten Doku auf vimeo anschauen (mit deutschen Untertiteln) oder auch in mehreren Sprachen und mit verschiedenen Ausschnitten auf Interniche youtube. Die Filmreihe wird von dem internationalen Netzwerk für eine humane Ausbildung „InterNICHE“ produziert. Mit finanzieller Unterstützung des Bundesverbands Menschen für Tierrechte konnte nun die erste Folge live gehen. Die Tierärztin Dr. Dr. Stefanie Schindler, Fachreferentin für tierversuchsfreie Methoden und Landwirtschaft beim Bundesverband, hat dabei die erste Folge mit deutschen Untertiteln übersetzt. In dieser und den noch folgenden Episoden der Filmreihe wird dem Zuschauer die hervorragende didaktische Qualität einiger ausgewählter Lehrmethoden veranschaulicht. Das Innovative an dem Hunde-Chirurgiemodell ist, dass es naturgetreu konzipiert ist und verschiedene Notfallsituationen geübt werden können. Wie anschaulich in dem Film zu sehen ist, atmet der „Patient“, reagiert auf Behandlungsmaßnahmen während der OP, hat Herzschlag und blutet. Und das manchmal sogar heftig. Angehende Tiermediziner können an dem Dummi zahlreiche Behandlungen und Eingriffe üben, von der Intubation über Kastration bis zur Tumorentfernung und Knochenoperation. Innovationen können Tierversuche vollständig ersetzen Das Operieren am lebenden Körper lernen Humanmediziner und mancherorts auch Tiermediziner erst nachdem sie an Simulatoren geübt haben. Im nächsten Schritt assistieren sie einem erfahrenen Operateur, um dann unter Aufsicht schrittweise Eingriffe selbst vorzunehmen. „Die Fallstudien der Dokumentarfilmreihe zeigen, wie sogenannte humane Innovationen Übungen an toten Tieren beziehungsweise Tierversuche vollständig ersetzen und gleichzeitig Wissen und Fähigkeiten verbessern können“. Dr. Claudia Gerlach, Fachreferentin für tierversuchsfreie Ausbildungsmethoden. Hier geht es zu den Trainingsfilmen: https://vimeo.com/893328112?turnstile=1.JxZscHIp0UawnDWlhXVdUKuQUMsCv0NNRzbJBjkIdb1kWNGHtRXvXH_LsrwF-Tb-WvOyyxPTvzPB9Thy9tORZL0K735VywuLoiILipr6miAjRlOioqLXKQp-TmrpfOKxxo3eqDWjj-8IvlFPBd0QWWrtnwjs8YEwX10Qg7tfybFox64ufq0dGu06MVj-kRnzWLmZXioMoCDprzfd8F6LiK-liVg5qCUN8MxgdjS9r-ucmcf0Et6braF7h2zkzBrV8hsXZ7amEeV9lA_cHoxL-VDwM1GR37xc_EOck2A-E8_1T6FEm9Z4s_DqkYQZMM0wOrowOtc9iFa_GfID9jDKgoSr41xtnCdks_FWRAMV2AsXlv5JLtP5w4sBsG-tf3DEEwHkqlm0pEIQDYisYh5imGYIyBzzXl7xsLr6EOl-3Ofve8I8Zujm_oWjmOPRXjMlC9IAJpM8vobminPAJ3ufOtJ6LNMKZCyyO2yiDYSX_30hWdEo4FxqLNO8GsiNUf8a6QelLmUujm53chnypNaSk0N8pbJZndanzErV4IjugrO_khoVca2FzI1RZwhzqu-Acip46kp1V3B-DmRGS74nHuvrCcpsDXB4uknOnX9w9ds.ZnlaabARs--o6VdlD-1jrg.41cf0d93d2d3c94e58fda83d098a6cde60e6bcfbc7c7317b76f5a780d7a46e46 https://www.youtube.com/channel/UCqze48kDh3FyxcRS0T8y8hA
- Tübingen: Ein tierfreier Endoskopie-Simulator in der chirurgischen Ausbildung
Die Arbeitsgruppe Experimentelle Endoskopie, Entwicklung und Training (EEET) des Universitätsklinikum Tübingen unter der Leitung von Dr. med. Dörte Wichmann entwickelt innovative Modelle, die die menschliche Anatomie exakt widerspiegeln, ohne tierische Materialien zu verwenden. Im Rahmen des Projekts „Training der Blutstillung in Endoskopie und Chirurgie unter Verzicht von Tieren und Tierorganen“ wurde ein Modell speziell für die Behandlung von Blutungen im unteren Gastrointestinaltrakt entwickelt. Jetzt ansehen: https://www.youtube.com/watch?v=bVvt7xZLt1w
- Uni Bremen klagt gegen Teile des neuen Hochschulgesetzes
Affe mit implantiertem Kopfhalter und Elektrodenkammer in einem Primatenstuhl. Foto: AESOP Project/Israel. Mit freundlicher Genehmigung von Ärzte gegen Tierversuche. Anfang 2023 hatte Bremen die Regeln für Tierversuche an Hochschulen verschärft. Die Universität Bremen hat dagegen nun Klage beim Bundesverfassungsgericht eingereicht. Die Klage richtet sich nach Angaben der Uni gegen Teile des neuen Hochschulgesetzes, mit dem Bremens Regierung Tierversuche stark einschränkt. «Die Vorschrift geht über das Bundesrecht hinaus», teilte eine Sprecherin der Universität mit. Das deutsche Tierschutzrecht lasse das Töten von Tieren für die Forschung zu. Die Hochschule klagt auch dagegen, dass sie eine externe Kommission bilden soll, die die Tierversuche begutachtet und Empfehlungen ausspricht. Damit werde die Wissenschaftsfreiheit eingeschränkt, so die Argumentation der Uni. Schon seit Jahren wird in Bremen vor allem über die Affenversuche des Hirnforschers Andreas Kreiter gestritten. Er entzog Makaken zuletzt regelmäßig Wasser, fixierte die Tiere im sogenannten Primatenstuhl und führte umfangreiche Kopfoperationen durch, um mehr über deren Gehirne herauszufinden. Im November 2023 hatte der Senat die Fortsetzung der umstrittenen Experimente an der Universität abgelehnt. Kreitner wehrte sich dagegen und zog mit einem Eilantrag vor das Bremer Verwaltungsgericht, dass ihm im Dezember die Fortsetzung seiner Experimente per Zwischenverfügung vorerst erlaubt hat. Lesen Sie hier die Argumentation zur Hirnforschung der Arbeitsgruppe „Kognitive Neurophysiologie“ der Universität Bremen sowie eine Meldung der Deutschen Juristischen Gesellschaft für Tierschutzrecht. https://www.uni-bremen.de/forschung/wissenschaftliche-integritaet-und-forschungsethik/tierversuche-in-forschung-und-lehre/arbeitsgruppe-kognitive-Neurophysiologie https://djgt.de/2024/03/06/uni-bremen-moechte-auch-weiterhin-tiere-fuer-die-lehre-toeten-duerfen/
- In Bremen werden Tierversuche an Hochschulen deutlich eingeschränkt
Ein Wahrzeichen der Stadt sind die Bremer Stadtmusikanten. Foto: falco, Pixabay. Die rot-grün-rote Regierung Bremens hat am 23.03.2023 ein neues Hochschulgesetz verabschiedet. Damit ist der Einsatz von Tieren im Studium nur in begründeten Ausnahmefällen möglich. Das betrifft die Studiengänge Bionik sowie Technische und Angewandte Biologie der Bremer Hochschule, Biologie der Bremer Universität und Biotechnologie der Marinen Ressourcen der Hochschule Bremerhaven. Die Änderung sieht vor, dass nicht nur auf die Tötung von Tieren für die Lehre, sondern auch auf die mit Belastungen verbundene Verwendung von lebenden Tieren zu verzichten ist. Ausnahmen sind möglich, wenn es keine gleichwertigen anderen Methoden gibt. Selbst dann können Studierende auf begründeten Antrag den Leistungsnachweis ohne Verwendung von Tieren erlangen. Bisher einzigartig: Tierversuche in Lehre und Forschung sind nur nach Debatte in einer Tierschutz-Kommission an den Hochschulen möglich. Die Kommissionen, die paritätisch mit Wissenschaftler:innen und von Tierschutzorganisationen benannten Personen zu besetzen sind, sollen sich mit der grundsätzlichen Angemessenheit von Tierversuchen beschäftigen. Sehr fortschrittlich im Ländervergleich Regelungen zum Tierverbrauch im Studium gibt es in neun weiteren Bundesländern. In Berlin, Hamburg, Nordrhein-Westfalen, Saarland, Sachsen-Anhalt und Thüringen können sich Studierende auf begründeten Antrag im Einzelfall von Lehrveranstaltungen mit Tierverbrauch befreien lassen. Ferner soll in der Lehre auf die Verwendung von eigens hierfür getöteten Tieren und zusätzlich von lebenden Tieren (Hamburg) verzichtet werden, sofern es die bezweckte Berufstätigkeit zulässt, andere Lehrmethoden einzusetzen. In Bremen ist hingegen nun darauf zu verzichten, sofern es Alternativen gibt. Hessen verpflichtet auch zum Verzicht, soweit gleichwertige Methoden zur Verfügung stehen. Legen Studierende dar, dass diese Möglichkeit besteht, sind sie zur Abschlussprüfung ohne die tierverbrauchenden Leistungsnachweise zuzulassen. Bislang am fortschrittlichsten waren Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg. Hier sollen Studierende ein Studium erfolgreich absolvieren können, ohne an Tierversuchen oder Tierverbrauch teilnehmen zu müssen. Studierende müssen keinen Antrag stellen, sondern die Hochschulen müssen Alternativen bzw. Ersatzleistungen zur Verfügung zu stellen. Die neue Regelung in Bremen bedeutet einen weiteren Meilenstein, da die Verwendung von Tieren von vornherein reglementiert wird. Die Beantragung von tierverwendenden Übungen und Beratung in, paritätisch mit Tierschutz-Personen besetzten, Kommissionen haben noch größeres Potenzial, überflüssigen Tierverbrauch zu erkennen und zu vermeiden. Müssen Sie in Ihrem Studium im Land Bremen an Tieren arbeiten, haben Sie nun Rechtssicherheit und können auf den Verzicht beharren. Im Fall, dass keine gleichwertigen Lehrmethoden zur Verfügung stehen, können Sie den Musterantrag dazu nutzen, dass eine (gleichwertige) Studien- und Prüfungsleistung ohne die Verwendung von eigens hierfür getöteten oder von lebenden Tieren erbracht wird.
- 3R-Informationsplattform für Studierende: 3Rs Info Hub
Siegelzeichen der Freien Universität Berlin. Quelle: Wikipedia. Mit dem 3Rs info hub wurde für Studierende ein Lernangebot entwickelt, das Inhalte, die sich mit Alternativen zu Tierversuchen in der Pharmazie befassen, vermittelt. Der 3Rs info hub, gefördert durch die Freie Universität Berlin, bündelt aktuelle und relevante 3R-Multimediainhalte in einem einzigen Informationsportal, einem „hub“ für Studierende. Anstatt sich in Tausenden von Suchmaschinenergebnissen zu verlieren, sind die Informationen schnell verfügbar. Kurse und interaktive Quizze festigen das Gelernte und wenden es an. Anschauliche Multimedia-Inhalte wie Animationen, Vorlesungen, Online-Seminare und Podcasts zu 3R-Themen wurden ausgewählt und nach Organsystemen, erforderlichen Vorkenntnissen und Unterthemen (z. B. in vitro, in silico) kategorisiert. Eindeutige Überschriften für jeden Inhalt und ein klares visuelles Konzept führen den Benutzer schnell zu den gewünschten Inhalten. Kurse bilden den Rahmen für die Nutzung des 3Rs Info Hub. Während die multimedialen Inhalte dem Wissenserwerb im Selbststudium dienen, wird im Präsenztraining das Gelernte gefestigt, angewendet und diskutiert. Ergänzt wird das Angebot durch die Podcast-Reihe „StudentCast on 3Rs“. Hier diskutieren Studierende im Grundstudium mit internationalen 3R-Experten über die Erfolge und Herausforderungen der 3R-Forschung. Die Hörerinnen und Hörer erfahren viel Wissenswertes über die Geschichte hinter den Alternativen und können so die 3R-Konzepte besser verstehen. Hier geht es zur Plattform: https://www.3rsinfohub.de/index.html
- Release des Spiels TATABOX: Die Reise zu Alternativen von Tierversuchen
Altertox, ein Unternehmen, das sich für Alternativen zu Tierversuchen in der Toxikologie und die 3R-Prinzipien einsetzt, hat am 11.10.2022 die Veröffentlichung des ersten lehrreichen Spiels zu den Methoden des neuen Ansatzes (New Approach Methodologies, NAMs), sprich Alternativen zu Tierversuchen, bekannt gegeben: TATABOX. Es handelt sich um ein Spiel mit einem einfachen Ziel: Eine Diskussion zwischen den Hauptakteuren des Systems um die NAMs (Wissenschaftler, Regulierungsbehörden, Industrie und die allgemeine Öffentlichkeit) anregen. Quelle: Altertox Newsletter Es kann unter Wissenschaftlern, aber auch mit Partnern, politischen Entscheidungsträgern und sogar mit Kindern gespielt werden. In dem Spiel verkörpern Sie einen Wissenschaftler, der davon träumt, eine neue Forschungsmethode ohne Versuchstiere zu entwickeln und zu erproben. Mit in silico- oder in vitro Methoden schaffen Sie den am besten geeigneten Weg zur Validierung. Bei der Altertox Academy geht es darum, neue toxikologische Modelle zu verstehen, Seite an Seite mit Experten zu üben und neue Werkzeuge in das eigene tägliches Arbeitsumfeld oder die zukünftige Position zu integrieren. Die Toxikologie-Schulungen erweitern das Fachwissen über den regulatorischen Kontext von REACH, Kosmetikverbot, EU-Pharmakopöe und vieles mehr. Weitere Informationen zum Spiel: https://academy.altertox.be/edutainment/ Weitere Informationen über Altertox: https://academy.altertox.be/services/trainings/
- Neue Studie zum selbst gesteuerten Lernen mit Hilfe von Computersimulationen in der Veterinärphysiologie
Die Notwendigkeit, den Einsatz von Tieren in der Lehre zu ersetzen oder zu reduzieren, hat zur Einführung pädagogischer Innovationen geführt, die Szenarien für eine kritische und reflektierende Analyse schaffen. Rebeca López-Úbeda und Francisco García-Vázquez haben drei Jahre lang die Lernergebnisse beim Einsatz des PhysioEx-Simulators in der Physiologie bei Tiermedizinstudierenden untersucht. Computersimulationen in der Physiologie sparen Tierversuche und Tierverbrauch ein und lassen sich ohne Probleme wiederholen, falls ein Experiment nicht geklappt hat. Grafik: Computer-generiert. Ziel dieser Studie war es, die Akzeptanz des selbstgesteuerten Lernens mit dem PhysioEx-Simulator zu analysieren und die Ergebnisse des selbstgesteuerten Lernens bei unterschiedlichen Ansätzen (individuell vs. kollaborativ) inklusive einer abschließenden Abfrage mit der spielbasierten Lernplattform Kahoot! zu bewerten. Die Studie wurde im Fach „Veterinärphysiologie I“ während des Abschnitts über das Nierensystem unter Verwendung der Software PhysioEx 9.0, welche dazu 6 Aktivitäten beinhaltet, durchgeführt. Die Studierenden führten die Aktivitäten entweder im Einzel- oder im Kooperationsmodus durch. Die Ergebnisse: Die Studierenden äußerten ein hohes Maß an Zufriedenheit mit dieser selbstgesteuerten Lernmethode, wobei die Kombination aus selbstgesteuertem Lernen und Gamification am besten bewertet wurde. Obwohl die Studierenden die kollaborative Methode bevorzugten, wurden keine Unterschiede in den Lernergebnissen zwischen den beiden Lernansätzen festgestellt. Die Methode des selbstgesteuerten Lernens in Kombination mit Gamification steigerte die Motivation der Studierenden, die geeignetere Lernergebnisse erzielten. Die Autoren resümieren, dass die traditionelle Lehre ein Jahrtausend dominiert hat und immer noch Befürworter hat, doch dass die Ergebnisse der Studie die Einführung neuer Lehrmethoden wie das selbstgesteuerte Lernen unterstützen. Die Studie ist frei verfügbar unter: López-Úbeda R, García-Vázquez FA. Self-directed learning using computer simulations to study veterinary physiology: Comparing individual and collaborative learning approaches. Vet Rec. 2022 Oct;191(8):e1732. doi: 10.1002/vetr.1732. Epub 2022 May 30. PMID: 35634718. https://bvajournals.onlinelibrary.wiley.com/doi/pdfdirect/10.1002/vetr.1732?download=true hier geht es zum PhysioEx-Simulator: https://www.pearson.com/en-us/search/All-results?aq=PhysioEx%20simulator












