Search this site
95 Ergebnisse gefunden mit einer leeren Suche
- Helmholtz-Zentrum München beendet Forced Swim Test
Wie die Tierrechtsorganisation PETA berichtet, hat die „German Mouse Clinic“ am Helmholtz Zentrum München bekanntgegeben, den Forced Swim Test nicht mehr durchzuführen. Das ist ein großer Erfolg für die Tiere. Wer will schon gerne ertrinken? Mäuse und Ratten haben furchtbare Angst und Verzweifelung und sind dadurch sehr stark belastet, wenn sie den Ausgang nicht finden. Foto: Ärzte gegen Tierversuche. Renommierte internationale und auch deutsche Tierrechtsorganisationen kämpfen seit Jahren für ein Verbot des erzwungenen Schwimmtest. Er wurde 1977 von Roger Porsolt und Kollegen als Modell für die Vorhersage der klinischen Wirksamkeit von Antidepressiva entwickelt. Heute wird er in der Grundlagenforschung, beim pharmazeutischen Screening potenzieller antidepressiver Wirkstoffe und zur Beurteilung depressionsähnlichen Verhaltens in "Tiermodellen" eingesetzt. Der Test basiert auf der Annahme, dass ein Tier, das in einen mit Wasser gefüllten Behälter gesetzt wird, zunächst versucht zu entkommen, aber schließlich eine Unbeweglichkeit zeigt, die als ein Maß für verzweifeltes Verhalten angesehen wird. Die German Mouse Clinic (GMC) des Helmholtz Zentrums in München nutzte den Test bislang als Teil der Phänotypisierung, um das Verhalten von Mausmodellen im Bereich Neurologie und emotionale Störungen zu bewerten. Der Test ist schwer belastend, wird in Tierversuchsanträgen fälschlicherweise aber häufig als mittel belastend deklariert. Nach Artikel 15 (2) der europäischen Tierversuchsrichtlinie 63/2010/EU haben die Mitgliedstaaten zu gewährleisten, dass ein Verfahren nicht durchgeführt wird, wenn es starke Schmerzen, schwere Leiden oder schwere Ängste verursacht, die voraussichtlich lang anhalten und nicht gelindert werden können. Da in Deutschland die Tierversuchsrichtlinie nicht vollständig umgesetzt worden ist, wurden bislang die "Ängste" nicht als Belastung beurteilt. Erst 2024 hatte Australien ein Gesetz gegen den Forced Swim Tests ins Parlament eingebracht. (1) Auch der internationale Pharmariese Sanofi führt keine sogenannten erzwungenen Schwimmtests mehr mit Ratten oder Mäusen durch. (2) Quellen: https://presseportal.peta.de/erfolg-mouse-clinic-wird-den-forced-swim-test-nicht-mehr-nutzen/ Weitere Informationen: (1) https://www.invitrojobs.com/index.php/de/neuigkeiten/news-archiv/item/6332-schwer-belastende-schwimmversuche-australien-geht-voran (2) https://www.invitrojobs.com/index.php/de/neuigkeiten/news-archiv/item/6560-sanofi-fuehrt-den-forced-swim-test-nicht-mehr-durch
- Europäische Chemikalienagentur launcht Kooperationsplattform für Alternativen zu Tierversuchen
Die ECHA hat die Kooperationsplattform für Alternativen zu Tierversuchen eingerichtet, um die Entwicklung und Einführung alternativer Methoden im regulatorischen Kontext im Rahmen des Mandats der ECHA zu unterstützen. Die Plattform zielt darauf ab, ein gemeinsames Verständnis dafür zu entwickeln, wann und wie alternative Methoden eingesetzt werden können, um Tierversuche im Rahmen der geltenden Informationsanforderungen zu ersetzen. Sitz der Europäischen Chemikalienagentur in Helsinki. Vadelmavene, Wikipedia, CC BY-SA 4.0 Dafür bringt die Plattform EU-Behörden, -Agenturen und Interessengruppen zusammen und trägt zur EU-Roadmap für die schrittweise Beendigung von Tierversuchen im Rahmen der EU-Chemikaliengesetzgebung bei. Die Plattform unterstützt den Dialog zwischen den EU-Mitgliedstaaten, der Europäischen Kommission und wichtigen Interessengruppen und arbeitet zudem eng mit ähnlichen Gruppen auf EU-Ebene zusammen. Die Plattform deckt alle Themen im Zusammenhang mit der Entwicklung und der behördlichen Anwendung von Alternativen zu Tierversuchen ab, will Beiträge für die Lenkungsgruppe der Kommission zur Roadmap bereitstellen, Standpunkte zur weiteren Integration und effizienten regulatorischen Nutzung tierversuchsfreier Testmethoden abstimmen, und den Meinungsaustausch zwischen Behörden und Interessengruppen über laufende oder geplante Entwicklung tierversuchsfreier Testmethoden oder Validierungsaktivitäten fördern. Teilnahmen können neben der Generaldirektion der Kommission, Behörden, EU-Mitgliedstaaten, Norwegen und der Schweiz, EU-Agenturen auch akkreditierte Interessenverbände (als Beobachter). Die erste Sitzung der Plattform findet am 11. und 12. Juni 2026 statt; dabei wird der erste Zweijahres-Arbeitsplan vereinbart und später veröffentlicht. Quelle und weitere Informationen: https://echa.europa.eu/science/collaborative-platform-on-alternatives-to-animal-testing#msdynmkt_trackingcontext=fbfad152-28f1-4767-894d-2aaf30bb0300
- Neue europaweite Kampagne macht auf das Leiden von mehr als 100.000 Mäusen pro Jahr aufmerksam
Grafik: European Colaition to End Animal Experiments. Die Europäische Koalition zur Beendigung von Tierversuchen (ECEAE) hat die neue Kampagne „Stop Botox Animal Testing!“ gestartet, um die Streichung des Mäusetests aus dem Europäischen Arzneibuch zu erwirken sowie Transparenz hinsichtlich der Anzahl der verwendeten Tiere und des Zwecks der Versuche einzufordern. Obwohl seit Jahren tierversuchsfreie Methoden zur Verfügung stehen, deuten aktuelle Schätzungen darauf hin, dass in der EU und im Vereinigten Königreich immer noch jährlich mehr als 100.000 Mäuse für sogenannte Qualitätskontrolltests von Botulinumtoxin-Produkten verwendet und qualvoll getötet werden. Jüngste Untersuchungen der Universität Utrecht zeigen, dass Tierversuche mit Botox in Irland und dem Vereinigten Königreich verbreitet sind. Bis vor kurzem war auch Deutschland ein wichtiger Standort für diese Versuche. Dabei sind zuverlässige tierversuchsfreie Testmethoden bereits seit mehr als einem Jahrzehnt verfügbar. Mehrere Unternehmen nutzen diese modernen zellbasierten Methoden bereits zumindest in einigen Phasen der Botox-Produktion - mit wissenschaftlich aussagekräftigeren Ergebnissen. Dennoch bleibt der Mäusetest der Standard im Europäischen Arzneibuch. Botulinumtoxin ist für bestimmte medizinische Anwendungen wie zervikale Dystonie und Blepharospasmus indiziert, wird jedoch in erster Linie zur Reduzierung von Gesichtsfalten eingesetzt, und zwar in Europa zunehmend auch bei Jugendlichen ab 18 Jahren. (1) Aufgrund ihrer hohen Toxizität wird jede Produktionscharge geprüft; zusätzlich werden während des Herstellungsprozesses weitere Tests durchgeführt. Hier geht es zur Kampagne: https://www.eceae.org/campaigns/stop-botox-animal-testing (1) https://www.rbb24.de/panorama/beitrag/2025/02/hyaluron-botox-schoenheit-spritzen-trend-chirurgie-berlin.html
- Brüssel: Kommission beschleunigt den Übergang weg von Tierversuchen bei der Bewertung der Chemikaliensicherheit
Berlaymont-Gebäude, Hauptsitz der Europäischen Kommission. Foto: EmDee, Wikipedia. Die Europäische Kommission hat heute einen Fahrplan für den schrittweisen Ausstieg aus Tierversuchen bei der Bewertung der Chemikaliensicherheit vorgelegt, der klare, konkrete Schritte zum Übergang zu innovativen tierversuchsfreien Methoden enthält. Diese Initiative unterstützt und stärkt den bestehenden REACH-Rahmen, die Chemikaliengesetzgebung der EU, und ist ein konkretes Ergebnis des von der Kommission im Juli 2025 vorgelegten Aktionsplans für Chemikalien. Mit 22 Maßnahmen in drei Säulen sieht der Fahrplan vor, Tierversuche für die Chemikaliensicherheitsbewertung in 15 Bereichen schrittweise zu ersetzen, darunter Chemikalien für industrielle und Verbraucherzwecke, Pestizide und Biozide, Arzneimittel sowie Lebensmittel- und Futtermittelzusatzstoffe. Die drei Säulen sind: Vorantreiben des schrittweisen Ausstiegs der Tierversuche und Beschleunigung der Entwicklung und Einführung tierversuchsfreier Verfahren. Es werden 30 gezielte Empfehlungen zum Ersatz, zur Reduzierung oder Verfeinerung von Tierversuchen zur Bewertungen der menschlichen Gesundheit und der Umweltsicherheit dargelegt. In der zweiten Säule geht es darum, Europa an der Spitze von Forschung und Innovation zu halten in dem ein breit gefächertes Ökosystem aus Forschung und unternehmerischer Innovation unterstützt werden soll, um tierversuchsfreie Ansätze zu entwickeln, inkluse KI-Ansätze. Bei der dritten Säule geht es um die Zusammenarbeit in Europa und darüber hinaus. Quelle und weitere Informationen: https://ec.europa.eu/commission/presscorner/detail/en/ip_26_1214
- Schweiz: Tierversuchsreduktion dank KI
Forschende der Swiss Federal Laboratories for Materials Science and Technology im Schweizerischen Dübendorf haben ein KI-gestütztes Computermodell einer Labormaus entwickelt, das mithilfe von maschinellem Lernen voraussagen kann, wie sich verschiedene Nanomaterialien im Organismus der Maus verteilen. Das Modell soll künftig nicht nur als Entscheidungshilfe bei der Medikamentenentwicklung dienen, sondern auch die Anzahl an Tierversuchen reduzieren. Nanopartikel als Transportmittel durch den Körper könnten z.B. chemotherapeutische Wirkstoffe über die Blut-Hirn-Schranke ins Gehirn transportieren, wo diese dann den Hirntumor bekämpfen können. Dafür müssen Forscherinnen und Forscher zunächst wissen, wie sie sich im Körper verteilen und das Zielorgan erreichen, ohne Schaden im Körper anrichten. Bislang wurden dafür Mäuse verwendet, was nicht nur aufwändig, langwierig und teuer, sondern auch aus ethischer Sicht problematisch ist. Deshalb hat Jimeng Wu, Doktorandin am EMPA, unter der Leitung von Prof. Peter Wick und Prof. Bernd Nowack ein pharmakokinetisches Modell (PBPK-Modell) entwickelt, das auf Daten früherer Mausstudien basiert. Mit dem Modell lassen sich derartige Tests viel schneller durchführen. Originalpublikation: Wu J, Wick P, Nowack B. Data-Driven Prediction of Nanoparticle Biodistribution from Physicochemical Descriptors. ACS Nano. 2025 Jul 29;19(29):26425-26437. doi: 10.1021/acsnano.5c03040. Epub 2025 Jul 16. PMID: 40667750; PMCID: PMC12312149. https://doi.org/10.1021/acsnano.5c03040 Quelle und weitere Informationen: https://www.empa.ch/web/s604/ki-mausmodell-bringt-medizinische-forschung-voran
- München: Nichtinvasive, langfristige Beobachtung von Zellen möglich
Ein Team unter der Leitung von Prof. Gil Westmeyer, Direktor des Instituts für Synthetische Biomedizin (ISBM) am Helmholtz Zentrum München, hat eine neue Methode entwickelt, um mehrfach aktuelle Geninformationen aus lebenden Zellen zu gewinnen, ohne sie zu zerstören. Dies wird künftig eine bessere Überwachung von Stammzellen für Therapien oder die Wirkung von Medikamenten in den Zellen ermöglichen. Virus-ähnliche Partikel transportieren Boten-RNA aus der Zelle. Computer-generiert. Bislang mussten Zellen z.B. für eine Transkriptomanalyse zerstört werden, um zu untersuchen, welche Gene gerade aktiv sind. Dies macht jedoch bislang eine Beobachtung dieser Prozesse über längere Zeiträume unmöglich. Bei dem neuen Verfahren namens NTVE (Non-destructive Transcriptomics via Vesicular Export) werden virusähnliche Partikel eingesetzt. Diese Partikel transportieren Boten-RNA – die aktiven Genprodukte – aus den lebenden Zellen heraus. Die RNA wird anschließend aus den Bläschen außerhalb der Zelle extrahiert und analysiert. So können die Forscher feststellen, welche Gene gerade aktiv sind. Originalpaper: Armbrust N, Grosshauser M, Geilenkeuser J, Stroppel L, Jozinovic M, Levermann H, Panne T, Wißmann J, Goelitz L, Schmidt S, Orschmann T, Rusha E, Steinmaßl E, Widenmeyer F, Warsing N, Sabry M, Sultanbai A, Santl T, Geerlof A, Berezin O, Bodea SV, Moretti A, Schneider S, Theis F, Gagneur J, Truong DJ, Westmeyer GG. Non-destructive transcriptomics via vesicular export. Nat Commun. 2026 Apr 25;17(1):3812. doi: 10.1038/s41467-026-72072-w. PMID: 42034633; PMCID: PMC13121718. Quelle und weitere Informationen: https://www.helmholtz-munich.de/en/newsroom/news-all/artikel/reading-genetic-activity-from-living-cells-without-destroying-them
- KI in Berlin: KIWI Biolab stattet neues Forschungszentrum aus
Das Hightech-Labor KIWI Biolab mit Spezialisierung auf automatisierte Methoden und modellbasiertes Bioprozess-Engineering wird das Know-how künftig dem neuen Forschungszentrum „Der Simulierte Mensch“ zur Verfügung stellen. So kann man sich ein vollautomatisches in-vitro-Hochdurchsatz-Labor vorstellen. Computer-generiert. Durch den Einsatz von mathematischen Modellen und KI lassen sich im KIWI Biolab selbst komplexe Experimente vollautomatisiert durchführen. Bisher hat sich das KIWI Biolab mit Prozessen beschäftigt, bei denen Mikroorganismen eine Rolle spielen. Zukünftig sollen Zellkulturen eine Rolle spielen, weshalb eine Arbeitsgruppe in das Forschungszentrum "Si-M" (der simulierte Mensch), dem Gemeinschaftsprojekt zwischen TU Berlin und Charité – Universitätsmedizin Berlin, umzieht. Die Vision ist, dass Computer und per KI gesteuerte Roboter mit modernsten Analysegeräten zusammenarbeiten, um Experimente im Labor weitgehend selbständig zu planen, durchzuführen und auszuwerten. (1) Das KIWI Biolab konzentriert sich auf automatisierte Methoden und modellbasiertes Bioprozess-Engineering für die Biotechnologie. Hier werden Pipettierroboter oder Liquid-Handling-Stationen mit dem maschinellen Lernen kombiniert. KIWI Biolab der TU Berlin kombiniert Roboter, Analysegeräte und KI – und führt damit selbst komplexe Experimente vollautomatisiert durch. (2) So lassen sich hochkomplexe Aufgaben schnell und präzise ausführen, die manuell nicht möglich wären. Die entwickelten Modelle werden sowohl zur Prozessüberwachung als auch zur Prozesssteuerung (modellprädiktive Regelung) eingesetzt. Das KIWI-Biolab bietet mit seinen Pipettierrobotern, integrierten Laborgeräten und Softwarelösungen ein ideales Ökosystem für die Entwicklung und Erprobung anspruchsvoller Anwendungen. Das KIWI-Biolab hat hohe Kompetenzen entwickelt, um jeden Schritt der Automatisierung und Digitalisierung zu begleiten. (3) Quellen und weitere Informationen: (1) https://idw-online.de/de/news869305 (2) Bionity (2026). Hier muss sich niemand mehr die Nächte um die Ohren schlagen: Dieses Labor plant seine Experimente selbst. 20.04.2026. https://www.bionity.com/de/news/1188519/hier-muss-sich-niemand-mehr-die-naechte-um-die-ohren-schlagen-dieses-labor-plant-seine-experimente-selbst.html?utm_source=newsletter&utm_medium=email&utm_campaign=bionityde--2026-04-20--1&mtm_group=bionityde&WT.mc_id=ca0264 (3) https://www.tu.berlin/bioprocess/einrichtungen-associates/arbeitsgruppen/kiwi-biolab
- UK will Tierversuche schneller beenden
Wie mehrere britische Ministerien in einer gemeinsamen Pressemittteilung bekannt gegeben haben, sollen im Vereinigten Königreich Tierversuche durch die Einführung tierversuchsfreier Verfahren ersetzt werden. Dafür stellt das Land 75 Millionen Pfund (etwas mehr als 85 Mio. Euro) zur Verfügung. Die Strategie wurde von der Regierung gemeinsam mit Biowissenschafts-, Vertreter:innen der Wirtschaft und Tierschutzorganisationen entwickelt und setzt damit die Vereinbarung aus dem Regierungsprogramm um. Die Finanzunterstützung soll u.a. dabei beitragen, neue Methoden für die Produkttestung voranzutreiben. Schwerpunkt sind Impfstoffentwicklungen, Pestizid- und Umwelttests. Es sollen mehr Organ-on-a-Chip-Systeme mit menschlichen Zellen, 3D gedruckte menschliche Gewebe und KI zur Analyse riesiger Mengen von Informationen über Moleküle genutzt werden, um vorherzusagen, ob neue Medikamente wirksam und sicher sind. Gleichsam ist geplant, bis Ende 2026 vorgeschriebene Haut- und Augenreizungs- sowie Hautsensibilisierungstests mit Tieren zu beenden. Auch sollen bis 2027 Tests zur Wirksamkeit von Botox an Mäusen nicht mehr erlaubt sein sowie Humanarzneimittelprüfungen auf zufällige Verunreinigungen (Pyrogene) durch auf humaner DNA basierende Labormethoden durchgeführt werden. Hinzu kommt, dass bis 2030 auch pharmakokinetische Studien – die verfolgen, wie sich ein Medikament im Laufe der Zeit im Körper verteilt – an Hunden und nicht-menschlichen Primaten reduziert werden sollen. Zu Tierversuchen in der Grundlagenforschung äußern sich die Beteiligten jedoch nicht. Eine Reduktionsstrategie wurde im Herbst letzten Jahres auch in Deutschland entwickelt, es kam durch die vorzeitige Beendigung der Ampelkoalition jedoch nie zu einer Umsetzung. Im inzwischen für Tierschutzbelange zuständigen Ministerium bedauerte man dies und wies darauf hin, dass für die Umsetzung neuer Methoden in die Praxis das Bf3R zuständig sei. In der letzten Legislatur habe man dafür Geld zur Verfügung gestellt (wir erinnern uns: 5 Mio. Euro). Es wurde auch auf den Tierschutzforschungspreis in Höhe von 200.000 Euro hingewiesen. Das ist natürlich kein Vergleich zu den 75 Mio. Pfund Sterling in Großbritannien. Davon sollen 60 Millionen Pfund für die Einrichtung eines Zentrums verwendet werden, das Daten, Technologie und Fachwissen zusammenführt. Zudem kommen 15,9 Mio. Pfund von Medical Research Council, Innovate UK und vom Wellcome Trust, um die Verwendung humaner in vitro-Modelle zu fördern. Die Strategie wird von einem Ausschuss unter dem Vorsitz des Wissenschaftsministers und weiterer Minister und Ministerien überwacht, die Fortschritte werden mit Leistungsindikatoren überwacht. Für die Aus-, Fotz und Weiterbildung wird es eine Grundausbildung in alternativen Methoden für Nachwuchsforscher geben. Quelle und weitere Informationen: https://www.gov.uk/government/news/animal-testing-to-be-phased-out-faster-as-uk-unveils-roadmap-for-alternative-methods
- Berlin: Bundesforschungspreis und Tierschutzpreis gehen an zwei internationale Wissenschaftler
Am Dienstag, den 22. April, wurde der neu konzipierte Tierschutzforschungspreis des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) an zwei Preisträger vergeben. Geehrt wurden in diesem Jahr der Organoidforscher und Molekulargenetiker an der Universität Utrecht, Prof. Dr. Hans Clevers, sowie der bekannte Refinement-Forscher Prof. Dr. Adrian Smith – bekannt durch die Plattform norecopa und die arrive guidelines zur Verbesserung der Tierversuchsplanung. Ein nationaler Nachwuchspreis für Methoden und Verfahren zum Ersatz oder zur Einschränkung von Tierversuchen wurde nicht vergeben – es gab zu wenige Bewerbungen. Staatssekretärin Ophelia Nick, Tierschutzforschungspreisträger Prof. Dr. Hans Clevers (l), Tierschutzpreisträger Prof. Dr. Adrian Smith, Leiter des Bf3R, Prof. Dr. Gilbert Schönfelder (r). Quelle: BMEL. Erfreulich war im letzten September zu vernehmen, dass die Bundesregierung die Summe des zu vergebenden Tierschutzforschungspreises von 25.000 Euro auf insgesamt 220.000 Euro aufgestockt hatte. Damit verbunden war die Absicht, dem Preis insgesamt mehr internationale Relevanz zu verleihen. Die Summe teilt sich in drei Kategorien auf: es wird ein internationaler Forschungspreis für Innovationen mit einem sehr großen Einfluss auf dem Gebiet des Ersatzes oder der Verminderung von Tierversuchen auf globaler Ebene verliehen. Zweitens gibt es einen nationalen Nachwuchswissenschaftspreis für innovative, zukunftsweisende wissenschaftliche Abschluss- oder Folgearbeiten zum Ersatz oder zur Reduktion von Tierversuchen. Der dritte Preis ist ein internationaler Tierschutzpreis für gesellschaftliches und bürgerschaftliches Engagement im Bereich der Versuchstiere. Eine weitere, nicht unerhebliche Neuerung ist, dass im Gegensatz zu früheren Jahren nur noch nationale 3R-Zentren sowie die Leitungen nationaler Forschungseinrichtungen im Bereich der Lebens- und Naturwissenschaften vorschlagsberechtigt sind. In der Jury sitzen jedoch neben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern auch zwei Tierrechtsorganisationen. Humanorganoide mit weitreichenden Auswirkungen auf die Arzneimittelforschung Der internationale Tierschutzforschungspreis wurde in diesem Jahr an den weltweit führenden Experten in der Organoid-Forschung, Professor für Molekulargenetik Hans Clevers, von der Universität Utrecht vergeben. Der Wissenschaftler habe "die Grundlage für die Organoidforschung geschaffen", begründete Dr. Ophelia Nick, parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft begeistert. Der Immunologe untersucht die molekularen Mechanismen der Gewebeentwicklung und der Entstehung und Entwicklung von Krebs in verschiedenen Organen. Prof. Clevers bei seinem Vortrag mit Einsatz von vielbeachteten KI-Erklärfilmsequenzen. Foto: BMEL. Dafür werden aus menschlichen adulten Stammzellen Organoide entwickelt. Bei den Forschungen spielte u.a. der sogenannte Wnt-Signalweg eine wichtige Rolle. Prof. Clevers ist einer der führenden Forscher auf dem Gebiet und gilt seit Jahren als Kandidat für den Nobelpreis. Sein Wechsel 2022 zum Pharmakonzern markierte einen Wendepunkt in der Kommerzialisierung der Organoid-Technologie: Als Leiter der Pharmaforschung und frühen Entwicklung beim Schweizer Pharmariesen ROCHE hat er den Einsatz dieser humanspezifischen organ-ähnlichen Systeme stark gefördert. Als erster Pharmakonzern weltweit will ROCHE Organoide inzwischen flächeneckend in der Forschung einsetzen. Prof. Clevers ist der Meinung, dass die Technologie inzwischen ein Niveau erreicht hat, auf dem sie für die Pharmaforschung interessant sein sollte. Gute Versuchsplanung mit norecopa-Checklisten Der internationale Tierschutzpreis für gesellschaftliches und bürgerschaftliches Engagement im Bereich der Versuchstiere ging an Prof. Dr. Adrian Smith. Er betreut seit Jahrzehnten die bekannte Internetplattform norecopa. Hier finden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler alle möglichen Informationen, um einen Tierversuch u.a. hoch qualitativ planen zu können. Prof. Dr. Adrian Smith. Foto: BMEL. Dazu gehört eine Recherche, ob die Fragestellung nicht mit einer anderen Methode als den Tierversuch beantwortet werden kann, wofür z.B. die Datenbank NORINA zur Verfügung steht. Neben zahlreichen Informationen zu tierversuchsfreien Alternativen sind auch Film- und Ausbildungsmaterialien auf der norecopa-Plattform zu finden. Eine Besonderheit sind die PREPARE guidelines (Planning Research and Experimental Procedures on Animals: Recommendations for Excellence). Neben aus einer 2-seitigen Checkliste, die in über 30 Sprachen übersetzt wurde, besteht PREPARE aus einem Websitenauftritt mit weiterführenden Beratungsleistungen rund um das Thema Tierversuche. Leider ist aber die zweite Kategorie in diesem Jahr gar nicht vergeben worden, nämlich für herausragende Nachwuchsforschungsleistungen zum Ersatz und zur Verminderung von Tierversuchen. Bedingt durch eine unausreichende Kommunikation darüber, dass nur noch bestimmte Einrichtungen vorschlagsberechtigt sind und eine dadurch bedingte zu kurze Bewerbungsfrist gingen lediglich zwei Bewerbungen sein, die nicht den Voraussetzungen entsprachen. Das Preisgeld wurde vom Ministerium einbehalten. Weitere Informationen, z.B. in Form eines Podcasts auf Deutschlandradio: Mini-Organe aus Labor können Tierversuche ersetzen: https://www.deutschlandfunkkultur.de/mini-organe-aus-labor-koennen-tierversuche-ersetzen-100.html
- Virtuelles Labor zur Erforschung einer tierversuchsfreien Methode von Europäischer Institution
Das Europäische Zentrum zur Validierung alternativer Methoden (ECVAM) hat ein virtuelles Labor entwickelt, in dem Schüler:innen und Studierende einen virtuellen Professor auf seiner Reise zur Erforschung einer neuen Alternative zu Tierversuchen begleiten können. Das virtuelle 20-minütige Abenteuer wurde für Schüler:innen im Alter von 14 bis 18 Jahren konzipiert, ist aber auch für ältere Lernende sehr interessant. Als virtueller Forscher werden Sie wie in einem echten Labor Experimente durchführen, um die Reproduzierbarkeit einer Testmethode zu bewerten. Auf dieser interaktiven Reise lernen Sie auf spielerische Weise etwas über Laborarbeit und Alternativen zu Tierversuchsmethoden. Das Programm bietet auch interaktive Erfahrungen, indem Sie experimentieren, Labortechniken meistern und die Reproduzierbarkeit einer tierversuchsfreien Methode bewerten können. Das virtuelle Labor kann einen bedeutenden Beitrag zur wissenschaftlichen Ausbildung leisten, indem es Schüler:innen und Studierenden eine fesselnde und immersive Möglichkeit bietet, etwas über Alternativen zu Tierversuchen zu lernen und die 3R-Prinzipien (Replacement, Reduction und Refinement) zu beherzigen. Weitere Informationen finden Sie hier: EURL ECVAM Lab – Virtual Reality – European Commission.
- Tierverbrauch im Studium: Universität Kopenhagen will Einsatz von Versuchstieren deutlich reduzieren
Meerjungfrau in Kopenhagen, Dänemark. Foto: Philuis, Pixabay. Wie das populärwissenschaftliche Nachrichtenportal Videnskab.dk berichtet, sollen die Kursveranstalter in den Lebenswissenschaften dazu angehalten werden, auf den Tierverbrauch im Studium zu verzichten. Das würde eine Einsparung von zirka 700-800 Tieren im Jahr bedeuten. Jørgen Kurtzhals, Prodekan für Bildung an der Fakultät für Gesundheit und medizinische Wissenschaften (SUND) der Universität Kopenhagen, hat erklärt, dass alle Kursleiter dazu angehalten werden, Tiere aus ihren Lehrplänen zu entfernen oder „gründlich zu rechtfertigen“, warum deren Einsatz weiterhin notwendig sein soll. Vergleichbare Lehrinhalte könnten auch mit Videomaterial oder Computersimulationen vermittelt werden, so Axel Kornerup Hansen, Vorsitzender des dänischen 3R-Zentrums. „Ich finde es wirklich gut, wenn die Universität die Lehrer zwingt, darüber nachzudenken, ob es wirklich notwendig ist, diese Tiere zu verwenden, um grundlegende Dinge über den Körper zu demonstrieren“, sagt Axel Kornerup Hansen, Vorsitzender des dänischen 3R-Zentrums – einer staatlichen Organisation, die sich für die Reduzierung, den Ersatz und die Verbesserung von Tierversuchen einsetzt – gegenüber Videnskab.dk. Quelle und weitere Informationen https://www.nordisch.info/daenemark/universitaet-kopenhagen-moechte-den-einsatz-von-versuchstieren-deutlich-reduzieren/
- Forschung und Lehre: Mini-Organe statt Tierversuche
Empfehlung Kurzfilm (5.30 Minuten) in der ARD: Bereits seit 15 Jahren sind Tierversuche für kosmetische Zwecke in der gesamten EU verboten. Für die medizinische Forschung sind sie jedoch gesetzlich vorgeschrieben. In den Niederlanden erforscht ein Team, wie man Tierversuche in Zukunft ersetzen kann – mit der Hilfe von gezüchteten, menschlichen Mini-Organen. Der Beitrag in der ARD ist auch für Studierende der Lebenswissenschaften sehr interessant. Am Ende des Films wird die Aus- Fort- und Weiterbildung mit 3D-Brillen vorgestellt! https://www.youtube.com/watch?v=Ewa9B7uCgA4












