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- Künstliche Intelligenz und in-silico – Trends in der 3R-Forschung
Am 9. Oktober 2024 fand eine virtuelle Veranstaltung des Bundesnetzwerks 3R statt. Thema war diesmal „Künstliche Intelligenz und in-silico – Trends in der 3R-Forschung“. Den zahlreichen Vorträgen schloss sich eine Paneldiskussion mit den Teilnehmenden Prof. Lars Küpfer von der Universitätsklinik Aachen, Charlott Danielson, von der Fraunhofer-Einrichtung für Individualisierte und Zellbasierte Medizintechnik IMTE, Dr. Sylvia Escher vom Fraunhofer-Institut für Toxikologie und Experimentelle Medizin ITEM, Dr. Andreas Göller, Senior Science Fellow Computational Chemistry der Bayer AG sowie Prof. Thomas Hartung vom Center for Alternatives to Animal Testing (CAAT) an der Johns-Hopkins-Universität in Baltimore an. Datentransparenz und Vorbehalte wegen Datenqualität Kritisch bemerkt wurde, dass KI-Methoden nicht besonders transparent seien, um den Regulationsbehörden die Möglichkeit zu geben, die geforderten Methoden zur Risikobewertung anzupassen. Jedoch sei KI in der 3R Forschung nicht mehr wegzudenken. Nach Aussagen von Prof. Thomas Hartung von der Johns-Hopkins-Universität in Baltimore investiert seine Universität allein zwei Milliarden Dollar in Künstliche Intelligenz. Die USA gehen hier voran: so drängten die National Institutes of Health auf die Veröffentlichung der Daten. Ein wichtiges Thema war die Datenqualität, auf dessen Basis KI erst diese Analysen vornehmen kann. In der Verfügbarkeit von Daten, ihrem Transfer in die Praxis sehen die Teilnehmenden noch eine rechte Herausforderung. In der Informatik bedeutet garbage in -garbage out (Müll rein - Müll raus), dass fehlerhafte, voreingenommene Informationen oder eine schlechte Datenqualität (Müll) als Input ein Ergebnis oder eine Ausgabe ähnlicher Müll-Qualität erzeugt. Wenn die Nutzer in der Lage sind, zu sagen, dass es sich um gute oder schlechte Daten handelt, könne das die KI auch. Jedoch im Gegensatz zum Menschen ginge sie da vorurteilsfrei heran. Wenn Forscherinnen und Forscher diese Bewertung der KI überlassen würden, hätten demnach schlechte Daten kaum noch Einfluss. Wenn KI ein Ergebnis ausgibt und dabei den ganzen Müll aus dem Internet herauszufiltern in der Lage ist, wüsste der Mensch jedoch zudem nicht, aus welchem Experiment die Daten kämen. Dr. Escher informierte, dass bei den Transkriptomdaten, also die zu einem bestimmten Zeitpunkt erfasste Gesamtheit aller in einer Zelle hergestellten RNA-Moleküle zu einer bestimmten Untersuchung, bereits an einer Standardisierung gearbeitet werde, jedoch seien die Metadaten bislang unvollständig. Grafik: computergeneriert. Publikationsqualität muss erhöht werden Gleichzeitig muss die Datenqualität im Internet erhöht werden, auf die die KI zugreift. Das bedeutet, Publikationsstandards müssen Pflicht sein, wichtig sei u.a. auch, Open Access zu publizieren, denn was hinter der Paywall ist, kann die KI nicht finden. Das Wissen könne nur Teil der KI-Analyse werden, wenn es auch öffentlich zugänglich ist. Auch müssten Metadaten entsprechend gekennzeichnet werden. Dr. Escher wies darauf hin, dass derzeit Daten aus den Bereichen Pharmazie und Medizinprodukte getrennt betrachtet werden, obwohl die Daten gemeinsam genutzt werden könnten. Am Ende könnte das jedoch eine gemeinschaftliche Leistung sein. Um das zu schaffen, könnte eine Qualitätsnormung helfen. Datenbanken: wie und wo lokalisieren? Es gibt kein Repositorium, also keinen Speicherort für digitale Objekte, wo die Daten korrekt abgelegt werden können und diese für einen öffentlichen oder beschränkten Nutzerinnen- oder Nutzerkreis zur Verfügung gestellt werden. Verschiedene Forscherinnen und Forscher sammeln z.B. in vivo-Daten, aber sie sind trotzdem nicht verfügbar, weil es z.B. noch keinen einheitlichen Datenstandard gibt. Hier sei noch viel Arbeit nötig. Es wurde darauf hingewiesen, dass es bereits existierende Datenbanken gäbe. Die Probleme beim Computerauslesen aus Textformularen, Begriffe/Terminologien, die von der Standardsprache abweichen, sollte man jedoch nicht unterschätzen. Es sei gut, Daten zur Verfügung zu stellen aber mit einer Annotierung, welcher Qualität sie sind. Tools, mit denen man eine Datenbank anzapfen kann, funktionierten bereits. Wenn diese in der Lage sind, die Ontologie zu berücksichtigen, dann sei es ok. Entweder müssten einzelne Datenbankbetreiber für die einzelnen Universitäten die Daten aus den Projekten einpflegen, solange die Fördermittel fließen, oder alle Arbeitsgruppen hätten die Möglichkeit, ihre Daten in eine professionell gewartete IT-Infrastruktur einzupflegen, dies ginge kontinuierlich. Auch wenn ein EU-Projekt stillgelegt würde, wären die Daten jederzeit verfügbar, dann braucht es eine zentrale Ontologie, die genutzt werden muss. Beispielsweise existiere die VDI-Datenbank seit Jahren. Jede/r ist gezwungen, ihre/seine Daten dort abzulegen und jeder Nutzerin und jedem Nutzer verfügbar zu machen. Charlott Danielson äußerte, dass man europäisch denken müsse. Aber man müsse dem Ganzen Zeit geben. Wenn es sich um Daten aus geförderten Projekten handele, dass müssten die Daten geteilt werden, damit sie vorhanden seien, wenn die Förderung ausgelaufen ist. Prof. Hartung widersprach, dass Zeit vorhanden sei: Die Technologie würde sich jedes Jahr verachtfachen. So werde man viel zu schnell abgehängt. Im Augenblick würden 80% der KI und 60% der Patente von China gehalten und wir wüssten nicht, was da passiert. Es sei zentral, dass sich die Willigen zusammenschließen und schlecht, wenn Länder wie die Europäischen den Zugang erschweren. Dr. Andreas Göller stimmte dem zu, wies aber darauf hin, dass die Firmen nicht so vorgehen würden, weil sie Geld verdienen wollten. Es sei ein riesengroßer Markt, die KI-Modelle würden mit Daten trainiert, ohne zu fragen, ob sie das Recht hätten, die Daten zu nutzen. Hier ginge es nicht nur um Wohltätigkeit. Grafik: computergeneriert. Zentrales Datenzentrum: wieviel Datenumfang entwickeln zu sammelnde Informationen? Ein Datenzentrum sollte kontinuierlich hochqualitative Daten bereitstellen. Dafür müsse es ein zentrales Management geben. Wer die Datenbank hoste, ob das Joint Research Center oder jemand anderes, sei zweitrangig. Eventuelle Befürchtungen über zu groß werdenden Datenmengen entgegnete Prof. Hartung, diese seien gar nicht so groß. Als Beispiel nannte er eine Datenbank von Biobricks. Die BioBricks Foundation mit Sitz in San Francisco ist eine gemeinnützige Organisation, die die synthetische Biologie zugunsten aller Menschen und des Planeten vorantreiben will. Laut Prof. Hartung publiziert Biobricks nur ein paar Terabyte, weil die Datenbanken hoch verdichtet seien. Sie könnten innerhalb von Minuten upgedatet werden. Dieser Prozess sei automatisierbar. Prof. Lars Küpfer hielt die Extrapolationsfähigkeit zu neuen Szenarien dagegen für limitiert. Das read-across sei zwar ein Ansatz, aber die mechanistischen Szenarien, also die Übertragbarkeit von Erwachsenen auf Kinder, von der Maus zum Menschen benötige eine erhebliche Menge an Daten, die aus in-vivo-Versuchen am Tier überhaupt nicht vorhanden seien. Was kann die AI noch nicht, wo sind aktuelle und langfristige Limitationen? KI müsse nicht alles können, ist Dr. Goller überzeugt, sondern sie müsse Wissenschaftler:innen unterstützen, z.B. bei Imageanalysen von Röntgenbildern. Es sei wie beim autonomen Fahren: am Schluss müsse die KI nur weniger Unfälle verursachen als der Mensch. Das Wichtigste sei, dass die Antwort in den Daten zu finden ist, meint Prof. Hartung. Mixturen giftiger Stoffe oder ihre Stärke könnte man nicht aufklären, wenn nicht genug Daten zur Verfügung stünden. Die Daten könnten auch aus QSAR-Daten generiert werden. Aber dies sei noch ein weiter Schritt und brauche noch mehr Qualitätskontrolle. Wer soll für die Aufgaben verantwortlich sein? Für die Entwicklung die Wissenschaft, aber das Daten hosten und zur Verfügung stellen sowie die Wartung, die mit Kosten verbunden seien, das müssten die öffentlichen Förderträger sicherstellen. Hierfür solle die Öffentlichkeit Strukturen schaffen und dann schauen, wie sie erhalten werden können. Prof. Hartung regte an, die zu investierenden Kosten - geschätzt ein paar 100 Millionen Euro - dem möglichen Wert gegenüberzustellen. Bei der Entwicklung eines Medikaments sei jeder Tag, der dazu beitragen kann, die Entwicklung zu beschleunigen, eine Million Euro wert. Zur Bedeutung einer beschleunigten Entwicklung gab er ein Beispiel: Im Bereich in-silico-Medizin wurde vor Kurzem ein Projekt abgeschlossen, das sich bereits in der klinischen Phase 2b befinde, das Projekt sei erst 2019 begonnen worden. Zur Frage, wie die Zustimmung der Bürgerinnen und Bürger zur Nutzung von in-silico-Technologien/künstlicher Intelligenz komplett ohne Tierversuche eingeschätzt werde, gab es leicht kontroverse Sichtweisen. Während Dr. Göller eine allgemeine Akzeptanz für präklinische Prüfung auf Toxizität völlig ohne Tierversuch für unwahrscheinlich hielt, äußerten Prof. Hartung und Dr. Escher andere Einschätzungen. Den meisten Menschen sei es völlig egal, auf welcher Basis ein gut funktionierendes Arzneimittel hergestellt worden sei. Die Bevölkerung sei an einer guten Behandlung interessiert. Nicht egal sei es aber den Menschen, die in die Behandlungs-möglichkeiten investieren, sie entwickeln und die Verantwortung träfen. Bayer z.B. reduziere die Zahl der Tierversuche durch in-silico-Methoden, dadurch könnten Tierversuchs sinnvoll eingesetzt werden, denn Verbindungen, die z.B. keine Bioverfügbarkeit zeigten, könnten von vornherein aussortiert werden. Indirekt führte dies zu einer finanziellen Ersparnis, weil Projekte weniger lang dauern und fokussierter liefen. Ressourcen könnten für sinnvolle Projekte eingesetzt werden. Wann kommt die KI? Man könne sagen, dass im regulatorischen Bereich bislang noch keine einzige Methode der künstlichen Intelligenz als Ersatz zum Tierversuch akzeptiert worden ist. Aber zurzeit werde ein Ausbildungsprojekt für Regulatoren durchgeführt, denn diese wollten wissen, was da auf sie zukomme. Wann in-silico-Methoden oder KI in der Arzneimittelentwicklung anerkannt werde, könne man kurzfristig nicht sagen, aber in 6-8 Jahren, schätzte Prof. Hartung. Im Moment sei es so, dass Machine-learning-Modelle erklärbar sein müssen, das schränke die Menge der Algorithmen ein, erklärte Dr. Göller. Wenn die Modelle allgemein erklärbar sein müssen, gäbe man derzeit an Aussagekraft auf. Im Bereich der Aus-, Fort- und Weiterbildung sollte niemand mehr eine Ausbildung machen können, ohne mit KI umgehen zu können. In Ausbildung befindlich Personen sollten Plausibilitätsprüfungen durchführen können. Zuerst brauche man ein Verständnis für Naturwissenschaften, um das das Machine Learning darauf anwenden zu können.
- Internationalen Dokumentarfilm-Reihe über humane Innovationen in der tierärztlichen Ausbildung
Die neue, internationale Dokumentarfilmreihe „Training the Animal Doctor“ stellt tierleidfreie und innovative Lehrmethoden für die Ausbildung von Tierärzten vor. Sie zeigt anschaulich, wie Studierende praktisch an Modellen und Simulationen üben. Wissenschaftler, Lehrende, Studierende und Produkthersteller kommen zu Wort und bestätigen, dass beispielsweise mit dem lebensechten Hunde-Chirurgiemodell die Lernziele schneller und besser erreicht werden als mit getöteten Tieren. Der Bundesverband Menschen für Tierrechte hat die Produktion der Filmreihe praktisch und finanziell unterstützt. In den Studiengängen Biologie sowie der Human- und Veterinärmedizin werden nach wie vor viele Lehrinhalte durch Übungen an Tieren vermittelt. Dies gilt insbesondere für anatomische, physiologische oder heilkundliche Kurse. Erfreulicherweise setzen sich jedoch immer mehr tierverbrauchsfreie Kurse durch, vor allem in der Human- und Veterinärmedizin. Hier werden Simulatoren eingesetzt, die reale Patienten imitieren und es den Studierenden ermöglichen, Fertigkeiten zu üben, ohne dass sie dafür lebende Tiere oder Kadaver verwenden müssen. Der Einsatz von Simulatoren in der tierärztlichen Ausbildung hat in den letzten Jahren erheblich zugenommen, da sie einen konsistenten Unterricht ermöglichen, ohne auf klinische Fälle angewiesen zu sein. Sie lassen unbegrenzt Wiederholungen von medizinischen Eingriffen und den Umgang mit Komplikationen zu und erreichen damit Kompetenz und Sicherheit für das spätere Operieren an Tierpatienten. Chirurgietrainer für wiederholbare Eingriffe Schon seit langem gibt es verschiedene Modelle die sehr nützlich sind, um lebensechte Zustände zu simulieren. Herausragend in der Veterinärmedizin ist das Hundechirurgie-Modell des Unternehmens SynDaver aus Florida. Es ist ein sogenannter High-Fidelity-Chirurgietrainer für wiederholbare chirurgische Eingriffe. Mit anpassbaren Pathologien, die in das Gefäßsystem integriert sind, bietet das System Veterinärmedizinern in chirurgischen Situationen eine realistische Erfahrung, die häufig auftreten. Trainingsfilm online Genau darum geht es in der ersten Folge einer mehrteiligen Dokumentarfilmreihe zur tierärztlichen Ausbildung mit dem Titel „Training the Animal Doctor“: Das Hunde-Chirurgie-Modell von SynDaver. Sie können die 37-Minuten Doku auf vimeo anschauen (mit deutschen Untertiteln) oder auch in mehreren Sprachen und mit verschiedenen Ausschnitten auf Interniche youtube. Die Filmreihe wird von dem internationalen Netzwerk für eine humane Ausbildung „InterNICHE“ produziert. Mit finanzieller Unterstützung des Bundesverbands Menschen für Tierrechte konnte nun die erste Folge live gehen. Die Tierärztin Dr. Dr. Stefanie Schindler, Fachreferentin für tierversuchsfreie Methoden und Landwirtschaft beim Bundesverband, hat dabei die erste Folge mit deutschen Untertiteln übersetzt. In dieser und den noch folgenden Episoden der Filmreihe wird dem Zuschauer die hervorragende didaktische Qualität einiger ausgewählter Lehrmethoden veranschaulicht. Das Innovative an dem Hunde-Chirurgiemodell ist, dass es naturgetreu konzipiert ist und verschiedene Notfallsituationen geübt werden können. Wie anschaulich in dem Film zu sehen ist, atmet der „Patient“, reagiert auf Behandlungsmaßnahmen während der OP, hat Herzschlag und blutet. Und das manchmal sogar heftig. Angehende Tiermediziner können an dem Dummi zahlreiche Behandlungen und Eingriffe üben, von der Intubation über Kastration bis zur Tumorentfernung und Knochenoperation. Innovationen können Tierversuche vollständig ersetzen Das Operieren am lebenden Körper lernen Humanmediziner und mancherorts auch Tiermediziner erst nachdem sie an Simulatoren geübt haben. Im nächsten Schritt assistieren sie einem erfahrenen Operateur, um dann unter Aufsicht schrittweise Eingriffe selbst vorzunehmen. „Die Fallstudien der Dokumentarfilmreihe zeigen, wie sogenannte humane Innovationen Übungen an toten Tieren beziehungsweise Tierversuche vollständig ersetzen und gleichzeitig Wissen und Fähigkeiten verbessern können“. Dr. Claudia Gerlach, Fachreferentin für tierversuchsfreie Ausbildungsmethoden. Hier geht es zu den Trainingsfilmen: https://vimeo.com/893328112?turnstile=1.JxZscHIp0UawnDWlhXVdUKuQUMsCv0NNRzbJBjkIdb1kWNGHtRXvXH_LsrwF-Tb-WvOyyxPTvzPB9Thy9tORZL0K735VywuLoiILipr6miAjRlOioqLXKQp-TmrpfOKxxo3eqDWjj-8IvlFPBd0QWWrtnwjs8YEwX10Qg7tfybFox64ufq0dGu06MVj-kRnzWLmZXioMoCDprzfd8F6LiK-liVg5qCUN8MxgdjS9r-ucmcf0Et6braF7h2zkzBrV8hsXZ7amEeV9lA_cHoxL-VDwM1GR37xc_EOck2A-E8_1T6FEm9Z4s_DqkYQZMM0wOrowOtc9iFa_GfID9jDKgoSr41xtnCdks_FWRAMV2AsXlv5JLtP5w4sBsG-tf3DEEwHkqlm0pEIQDYisYh5imGYIyBzzXl7xsLr6EOl-3Ofve8I8Zujm_oWjmOPRXjMlC9IAJpM8vobminPAJ3ufOtJ6LNMKZCyyO2yiDYSX_30hWdEo4FxqLNO8GsiNUf8a6QelLmUujm53chnypNaSk0N8pbJZndanzErV4IjugrO_khoVca2FzI1RZwhzqu-Acip46kp1V3B-DmRGS74nHuvrCcpsDXB4uknOnX9w9ds.ZnlaabARs--o6VdlD-1jrg.41cf0d93d2d3c94e58fda83d098a6cde60e6bcfbc7c7317b76f5a780d7a46e46 https://www.youtube.com/channel/UCqze48kDh3FyxcRS0T8y8hA
- Tübingen: Ein tierfreier Endoskopie-Simulator in der chirurgischen Ausbildung
Die Arbeitsgruppe Experimentelle Endoskopie, Entwicklung und Training (EEET) des Universitätsklinikum Tübingen unter der Leitung von Dr. med. Dörte Wichmann entwickelt innovative Modelle, die die menschliche Anatomie exakt widerspiegeln, ohne tierische Materialien zu verwenden. Im Rahmen des Projekts „Training der Blutstillung in Endoskopie und Chirurgie unter Verzicht von Tieren und Tierorganen“ wurde ein Modell speziell für die Behandlung von Blutungen im unteren Gastrointestinaltrakt entwickelt. Jetzt ansehen: https://www.youtube.com/watch?v=bVvt7xZLt1w
- Uni Bremen klagt gegen Teile des neuen Hochschulgesetzes
Affe mit implantiertem Kopfhalter und Elektrodenkammer in einem Primatenstuhl. Foto: AESOP Project/Israel. Mit freundlicher Genehmigung von Ärzte gegen Tierversuche. Anfang 2023 hatte Bremen die Regeln für Tierversuche an Hochschulen verschärft. Die Universität Bremen hat dagegen nun Klage beim Bundesverfassungsgericht eingereicht. Die Klage richtet sich nach Angaben der Uni gegen Teile des neuen Hochschulgesetzes, mit dem Bremens Regierung Tierversuche stark einschränkt. «Die Vorschrift geht über das Bundesrecht hinaus», teilte eine Sprecherin der Universität mit. Das deutsche Tierschutzrecht lasse das Töten von Tieren für die Forschung zu. Die Hochschule klagt auch dagegen, dass sie eine externe Kommission bilden soll, die die Tierversuche begutachtet und Empfehlungen ausspricht. Damit werde die Wissenschaftsfreiheit eingeschränkt, so die Argumentation der Uni. Schon seit Jahren wird in Bremen vor allem über die Affenversuche des Hirnforschers Andreas Kreiter gestritten. Er entzog Makaken zuletzt regelmäßig Wasser, fixierte die Tiere im sogenannten Primatenstuhl und führte umfangreiche Kopfoperationen durch, um mehr über deren Gehirne herauszufinden. Im November 2023 hatte der Senat die Fortsetzung der umstrittenen Experimente an der Universität abgelehnt. Kreitner wehrte sich dagegen und zog mit einem Eilantrag vor das Bremer Verwaltungsgericht, dass ihm im Dezember die Fortsetzung seiner Experimente per Zwischenverfügung vorerst erlaubt hat. Lesen Sie hier die Argumentation zur Hirnforschung der Arbeitsgruppe „Kognitive Neurophysiologie“ der Universität Bremen sowie eine Meldung der Deutschen Juristischen Gesellschaft für Tierschutzrecht. https://www.uni-bremen.de/forschung/wissenschaftliche-integritaet-und-forschungsethik/tierversuche-in-forschung-und-lehre/arbeitsgruppe-kognitive-Neurophysiologie https://djgt.de/2024/03/06/uni-bremen-moechte-auch-weiterhin-tiere-fuer-die-lehre-toeten-duerfen/
- In Bremen werden Tierversuche an Hochschulen deutlich eingeschränkt
Ein Wahrzeichen der Stadt sind die Bremer Stadtmusikanten. Foto: falco, Pixabay. Die rot-grün-rote Regierung Bremens hat am 23.03.2023 ein neues Hochschulgesetz verabschiedet. Damit ist der Einsatz von Tieren im Studium nur in begründeten Ausnahmefällen möglich. Das betrifft die Studiengänge Bionik sowie Technische und Angewandte Biologie der Bremer Hochschule, Biologie der Bremer Universität und Biotechnologie der Marinen Ressourcen der Hochschule Bremerhaven. Die Änderung sieht vor, dass nicht nur auf die Tötung von Tieren für die Lehre, sondern auch auf die mit Belastungen verbundene Verwendung von lebenden Tieren zu verzichten ist. Ausnahmen sind möglich, wenn es keine gleichwertigen anderen Methoden gibt. Selbst dann können Studierende auf begründeten Antrag den Leistungsnachweis ohne Verwendung von Tieren erlangen. Bisher einzigartig: Tierversuche in Lehre und Forschung sind nur nach Debatte in einer Tierschutz-Kommission an den Hochschulen möglich. Die Kommissionen, die paritätisch mit Wissenschaftler:innen und von Tierschutzorganisationen benannten Personen zu besetzen sind, sollen sich mit der grundsätzlichen Angemessenheit von Tierversuchen beschäftigen. Sehr fortschrittlich im Ländervergleich Regelungen zum Tierverbrauch im Studium gibt es in neun weiteren Bundesländern. In Berlin, Hamburg, Nordrhein-Westfalen, Saarland, Sachsen-Anhalt und Thüringen können sich Studierende auf begründeten Antrag im Einzelfall von Lehrveranstaltungen mit Tierverbrauch befreien lassen. Ferner soll in der Lehre auf die Verwendung von eigens hierfür getöteten Tieren und zusätzlich von lebenden Tieren (Hamburg) verzichtet werden, sofern es die bezweckte Berufstätigkeit zulässt, andere Lehrmethoden einzusetzen. In Bremen ist hingegen nun darauf zu verzichten, sofern es Alternativen gibt. Hessen verpflichtet auch zum Verzicht, soweit gleichwertige Methoden zur Verfügung stehen. Legen Studierende dar, dass diese Möglichkeit besteht, sind sie zur Abschlussprüfung ohne die tierverbrauchenden Leistungsnachweise zuzulassen. Bislang am fortschrittlichsten waren Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg. Hier sollen Studierende ein Studium erfolgreich absolvieren können, ohne an Tierversuchen oder Tierverbrauch teilnehmen zu müssen. Studierende müssen keinen Antrag stellen, sondern die Hochschulen müssen Alternativen bzw. Ersatzleistungen zur Verfügung zu stellen. Die neue Regelung in Bremen bedeutet einen weiteren Meilenstein, da die Verwendung von Tieren von vornherein reglementiert wird. Die Beantragung von tierverwendenden Übungen und Beratung in, paritätisch mit Tierschutz-Personen besetzten, Kommissionen haben noch größeres Potenzial, überflüssigen Tierverbrauch zu erkennen und zu vermeiden. Müssen Sie in Ihrem Studium im Land Bremen an Tieren arbeiten, haben Sie nun Rechtssicherheit und können auf den Verzicht beharren. Im Fall, dass keine gleichwertigen Lehrmethoden zur Verfügung stehen, können Sie den Musterantrag dazu nutzen, dass eine (gleichwertige) Studien- und Prüfungsleistung ohne die Verwendung von eigens hierfür getöteten oder von lebenden Tieren erbracht wird.
- 3R-Informationsplattform für Studierende: 3Rs Info Hub
Siegelzeichen der Freien Universität Berlin. Quelle: Wikipedia. Mit dem 3Rs info hub wurde für Studierende ein Lernangebot entwickelt, das Inhalte, die sich mit Alternativen zu Tierversuchen in der Pharmazie befassen, vermittelt. Der 3Rs info hub, gefördert durch die Freie Universität Berlin, bündelt aktuelle und relevante 3R-Multimediainhalte in einem einzigen Informationsportal, einem „hub“ für Studierende. Anstatt sich in Tausenden von Suchmaschinenergebnissen zu verlieren, sind die Informationen schnell verfügbar. Kurse und interaktive Quizze festigen das Gelernte und wenden es an. Anschauliche Multimedia-Inhalte wie Animationen, Vorlesungen, Online-Seminare und Podcasts zu 3R-Themen wurden ausgewählt und nach Organsystemen, erforderlichen Vorkenntnissen und Unterthemen (z. B. in vitro, in silico) kategorisiert. Eindeutige Überschriften für jeden Inhalt und ein klares visuelles Konzept führen den Benutzer schnell zu den gewünschten Inhalten. Kurse bilden den Rahmen für die Nutzung des 3Rs Info Hub. Während die multimedialen Inhalte dem Wissenserwerb im Selbststudium dienen, wird im Präsenztraining das Gelernte gefestigt, angewendet und diskutiert. Ergänzt wird das Angebot durch die Podcast-Reihe „StudentCast on 3Rs“. Hier diskutieren Studierende im Grundstudium mit internationalen 3R-Experten über die Erfolge und Herausforderungen der 3R-Forschung. Die Hörerinnen und Hörer erfahren viel Wissenswertes über die Geschichte hinter den Alternativen und können so die 3R-Konzepte besser verstehen. Hier geht es zur Plattform: https://www.3rsinfohub.de/index.html
- Release des Spiels TATABOX: Die Reise zu Alternativen von Tierversuchen
Altertox, ein Unternehmen, das sich für Alternativen zu Tierversuchen in der Toxikologie und die 3R-Prinzipien einsetzt, hat am 11.10.2022 die Veröffentlichung des ersten lehrreichen Spiels zu den Methoden des neuen Ansatzes (New Approach Methodologies, NAMs), sprich Alternativen zu Tierversuchen, bekannt gegeben: TATABOX. Es handelt sich um ein Spiel mit einem einfachen Ziel: Eine Diskussion zwischen den Hauptakteuren des Systems um die NAMs (Wissenschaftler, Regulierungsbehörden, Industrie und die allgemeine Öffentlichkeit) anregen. Quelle: Altertox Newsletter Es kann unter Wissenschaftlern, aber auch mit Partnern, politischen Entscheidungsträgern und sogar mit Kindern gespielt werden. In dem Spiel verkörpern Sie einen Wissenschaftler, der davon träumt, eine neue Forschungsmethode ohne Versuchstiere zu entwickeln und zu erproben. Mit in silico- oder in vitro Methoden schaffen Sie den am besten geeigneten Weg zur Validierung. Bei der Altertox Academy geht es darum, neue toxikologische Modelle zu verstehen, Seite an Seite mit Experten zu üben und neue Werkzeuge in das eigene tägliches Arbeitsumfeld oder die zukünftige Position zu integrieren. Die Toxikologie-Schulungen erweitern das Fachwissen über den regulatorischen Kontext von REACH, Kosmetikverbot, EU-Pharmakopöe und vieles mehr. Weitere Informationen zum Spiel: https://academy.altertox.be/edutainment/ Weitere Informationen über Altertox: https://academy.altertox.be/services/trainings/
- Neue Studie zum selbst gesteuerten Lernen mit Hilfe von Computersimulationen in der Veterinärphysiologie
Die Notwendigkeit, den Einsatz von Tieren in der Lehre zu ersetzen oder zu reduzieren, hat zur Einführung pädagogischer Innovationen geführt, die Szenarien für eine kritische und reflektierende Analyse schaffen. Rebeca López-Úbeda und Francisco García-Vázquez haben drei Jahre lang die Lernergebnisse beim Einsatz des PhysioEx-Simulators in der Physiologie bei Tiermedizinstudierenden untersucht. Computersimulationen in der Physiologie sparen Tierversuche und Tierverbrauch ein und lassen sich ohne Probleme wiederholen, falls ein Experiment nicht geklappt hat. Grafik: Computer-generiert. Ziel dieser Studie war es, die Akzeptanz des selbstgesteuerten Lernens mit dem PhysioEx-Simulator zu analysieren und die Ergebnisse des selbstgesteuerten Lernens bei unterschiedlichen Ansätzen (individuell vs. kollaborativ) inklusive einer abschließenden Abfrage mit der spielbasierten Lernplattform Kahoot! zu bewerten. Die Studie wurde im Fach „Veterinärphysiologie I“ während des Abschnitts über das Nierensystem unter Verwendung der Software PhysioEx 9.0, welche dazu 6 Aktivitäten beinhaltet, durchgeführt. Die Studierenden führten die Aktivitäten entweder im Einzel- oder im Kooperationsmodus durch. Die Ergebnisse: Die Studierenden äußerten ein hohes Maß an Zufriedenheit mit dieser selbstgesteuerten Lernmethode, wobei die Kombination aus selbstgesteuertem Lernen und Gamification am besten bewertet wurde. Obwohl die Studierenden die kollaborative Methode bevorzugten, wurden keine Unterschiede in den Lernergebnissen zwischen den beiden Lernansätzen festgestellt. Die Methode des selbstgesteuerten Lernens in Kombination mit Gamification steigerte die Motivation der Studierenden, die geeignetere Lernergebnisse erzielten. Die Autoren resümieren, dass die traditionelle Lehre ein Jahrtausend dominiert hat und immer noch Befürworter hat, doch dass die Ergebnisse der Studie die Einführung neuer Lehrmethoden wie das selbstgesteuerte Lernen unterstützen. Die Studie ist frei verfügbar unter: López-Úbeda R, García-Vázquez FA. Self-directed learning using computer simulations to study veterinary physiology: Comparing individual and collaborative learning approaches. Vet Rec. 2022 Oct;191(8):e1732. doi: 10.1002/vetr.1732. Epub 2022 May 30. PMID: 35634718. https://bvajournals.onlinelibrary.wiley.com/doi/pdfdirect/10.1002/vetr.1732?download=true hier geht es zum PhysioEx-Simulator: https://www.pearson.com/en-us/search/All-results?aq=PhysioEx%20simulator
- Übersichtsartikel zu Simulatoren für die Ausbildung von Tierärzt:innen
Helen Braid von der Universität Liverpool hat eine Übersicht über Simulatoren für die Vermittlung praktischer Fertigkeiten für Tiermedizinstudierende veröffentlicht. Viele von ihnen sind auch für die Aus- und Weiterbildung von Forschungspersonal relevant. Simulatoren für die Tiermedizin sind Geräte oder Systeme, die reale Patienten imitieren sollen und es den Studierenden ermöglichen, Fertigkeiten zu üben, ohne dass sie dafür lebende Tiere und/oder Kadaver verwenden müssen. Der Einsatz von Simulatoren in der tierärztlichen Ausbildung hat in den letzten Jahren erheblich zugenommen, da sie einen konsistenten praktischen Unterricht ermöglichen, ohne auf klinische Fälle angewiesen zu sein. Die Literatur zeigt, dass Simulatoren entwickelt und in veterinärmedizinische Lehrpläne auf der ganzen Welt integriert werden, mit dem Ziel, die praktischen Fertigkeiten der Studierenden zu verbessern und den Einsatz von lebenden Tieren und Kadavern zu verringern. In der Übersichtsarbeit wird die verfügbare Literatur zum Einsatz von Simulationen und Simulatoren für die Vermittlung praktischer Fertigkeiten an Tiermedizinstudierenden untersucht. Es wurden wissenschaftliche Datenbanken durchsucht und 73 relevante Artikel ausgewertet. Die Artikel ergaben, dass es eine Reihe von Simulatoren gibt, dass sie die Fähigkeiten der Studierenden verbessern und dass sie in der Regel von den Studierenden positiv bewertet werden. Jede der in den rezensierten Artikeln beschriebenen Studien scheint zu belegen, dass Simulatoren wirksam eingesetzt werden können, um die Fähigkeiten der Studierenden bei der Durchführung bestimmter praktischer Aufgaben zu verbessern. Die für einen chirurgischen Eingriff benötigte Zeit sowie die jeweiligen Leistungsergebnisse der Studierenden, die Simulatoren verwenden, wurden mit der tatsächlichen chirurgischen Leistung und den Eingriffszeiten korreliert. Es hat sich gezeigt, dass die Lernergebnisse beim Training an Modellen gleichwertig oder besser sind als beim praktischen Unterricht an Kadavern oder lebenden Tieren. Originalpublikation: Braid HR. (2022). The Use of Simulators for Teaching Practical Clinical Skills to Veterinary Students — A Review. Alternatives to Laboratory Animals. May 2022. doi:10.1177/02611929221098138
- Tierrechtsinstitut an der Universität Bremen – Forschung für Rechtspraxis zugunsten der Tiere
Seit April 2022 gibt es an der Juristischen Fakultät der Universität Bremen eine Forschungsgruppe, die sich ausschließlich mit den Themenfeldern Tierrechte, Tierschutzrecht und dem Recht von Tierschützern befasst. Die Tierrechtsorganisation PETA fördert das Projekt finanziell und gibt regelmäßig Input aus der Praxis. Ein Wahrzeichen der Stadt sind die Bremer Stadtmusikanten. Foto: falco, Pixabay. Ziel sind praktisch verwertbare Ergebnisse, die die Situation der im Gesetz als „Mitgeschöpfe“ bezeichneten Wesen verbessern. Trotz des im Grundgesetz als Staatsziel festgelegten Tierschutzes werden Tierschutzverstöße nur unzureichend verfolgt. Es gibt erheblichen Forschungsbedarf und unzählige offene Rechtsfragen. Mit Prof. Sönke Gerhold – dem Inhaber der Professur – werden auch jeweils zwei Doktoranden, Hilfskräfte sowie die Studierenden mit ihrem Input aktiv sein. Das Projekt soll greifbare neue Arbeitshilfen für die Verwaltung und Rechtsprechung schaffen. PETA weist darauf hin, dass die juristische Forschung über die Rechte der Tiere bedeutend ist, um Veränderungen anzustoßen. Weitere Informationen: https://www.peta.de/neuigkeiten/tierrechte-tierschutz-universitaet-bremen/
- Modellbasierter Notfallkurs der Veterinärmedizin Berlin
Professor Jörg Aschenbach, Prodekan für Lehre am Fachbereich Veterinärmedizin Berlin, hat sich mit seinem Team ein besonderes Konzept für den Notfallkurs ausgedacht: Zwei Wochen lang trainieren Studierende intensiv die häufigsten Notfälle der Tiermedizin. Dazu gehören ein angefahrener Hund zum interaktiven Trainieren der Wiederbelebung, ein Rind mit komplizierter Geburt, ein Huhn mit Verdacht auf Salmonellen oder ein Pferd mit Kolik. So ähnlich sieht ein Modellhund für das Üben von Notfallsituationen in der Veterinärmedizin aus. Grafik: Computer-generiert. Statt echter Patienten werden in 16 Stationen rund 90 Tiermodelle verwendet. So müssen nur einige wenige Übungen an Tierkadavern durchgeführt werden. Das Projektteam des Notfallkurses entwickelt auch eigene Modelle, wenn es diese noch nicht gibt, wie das Modell einer Henne für Blutentnahme, Injektion und Tupferproben-Entnahmen. Auf eigene Entwicklungen greift das Team auch zurück, wenn Modelle sehr teuer sind, wie z.B. ein Trainingspferd für etwa 40.000 Euro. Die Ausgründung Vetiqo vertreibt Tiermodelle für die tiermedizinische Ausbildung weltweit, wie z. B. ein Schwein, mit verschiedenen Trainingsmodulen (von der Blutentnahme bis zur Kastration). Per E-Learning über die interaktive Lehr- und Lernplattform tetfolio setzen sich die Studierenden vorab mit den Notfalltrainings auseinander. Die Plattform bietet u.a. rund 40 Lernvideos, interaktive Aufgaben, Fragen und Feedback. Als umfangreiche Lernplattform dient auch das Projekt QuerVet, wofür am Fachbereich Veterinärmedizin bereits viele fallbasierte Szenarien aus der tierärztlichen Berufspraxis digital aufbereitet wurden. In Deutschland bietet inzwischen jede Universität mit Veterinärmedizin auch modellbasierte Lehre an, erklärt Jörg Aschenbach. Oftmals bliebe sie dort jedoch auf kleine Gruppen und Wahlpflichtkurse beschränkt. „Ein Pflichtkurs mit sechs Semesterwochenstunden auf Basis von Modellen, wie wir ihn an der Freien Universität Berlin anbieten, das ist neu – und mit der Zahl der vorhandenen Lehrkräfte eigentlich kaum zu realisieren.“ Gelöst wurde das Problem, indem Studierende während des Kurses auch Coach für eine Station sind. In Deutschland gilt jede Übung am gesunden Tier als Tierversuch. Die intensive Vorbereitung am Modell ist ein Beitrag zum 3R-Prinzip, bei dem es darum geht, Tierversuche zu vermeiden („replace“), zu verringern („reduce“) und zu verbessern („refine“). Weitere Informationen unter: https://www.fu-berlin.de/campusleben/lernen-und-lehren/2021/211007-vetmed-notfallkurs/index.html
- Uni Gießen: Weniger Tierversuche in der Lehre
Laut Hessischem Hochschulgesetz soll auf Tierversuche in der Lehre sowie auf die Verwendung von toten Tieren möglichst verzichtet werden. An der Universität Gießen geht der Trend in Richtung Alternativmethoden. Die Corona-geschuldete Zunahme digitaler Formate trägt ihren Teil zu dieser Entwicklung bei. 2020 sind mehr als 200 Wirbeltiere weniger in der Lehre eingesetzt worden als noch 2018. Insgesamt liegt die Zahl gemeldeter Versuchstiere im Rahmen der studentischen Ausbildung bei 270 (2018: 474) – darunter fallen etwa Pferde, Hunde, Katzen, Vögel, Mäuse und »andere kleine Säuger«. »Generell ist festzustellen, dass in allen Bereichen versucht wird, auf tierersetzende Methoden umzusteigen«, sagt Alexander Goesmann, der Vizepräsident für wissenschaftliche Infrastruktur. Neben Computersimulationen kämen Filme und andere digitale Modelle zum Einsatz, was sich »an vielen Stellen bereits bewährt« habe. »Klassische Tierversuche« gibt es noch in der Biologie und der Veterinärmedizin, allerdings auch allerhand »tierersetzende Methoden«. So werden etwa im Fachbereich Biologie seit Jahren Simulationen zur Herzphysiologie routinemäßig durchgeführt: »Somit konnte ein Tierversuch, beziehungsweise eine Tiertötung und anschließende Organentnahme zu Lehrzwecken, vollständig ersetzt werden.« Darüber hinaus werden im Biologie-Studium laut Rücklauf an die Tierschutzbeauftragten »die nötigen wissenschaftlichen Kenntnisse in Anatomie, Histologie und Physiologie an Organen und toten Tierkörpern vermittelt sowie stoffwechselphysiologische Beobachtungen an Fischen durchgeführt«. Studierende, die sich für eine Spezialisierung im Fach Immunologie entscheiden, lernen außerdem Techniken zur Präparation von Organen der Maus. Auch in der Veterinärmedizin erhalten inzwischen zahlreiche Alternativmethoden den Vorzug. Seit 2020 wird etwa auf die Übung zur Magen-Darm-Physiologie an Ratten verzichtet. Die Wirbeltiere in den Präparierkursen stammen aus der Pathologie oder sind von Tierärzten aus Krankheitsgründen eingeschläfert worden. Zugekauft werden nur Schafe und Hühner, die aus Alters- und Krankheitsgründen aus landwirtschaftlichen Betrieben abgegeben wurden. Für den Praktikumsversuch werden laut der erhobenen Zahlen keine Tiere getötet. Die Pferde-Klinik setze auf »Schlachthofmaterial« zur Übung von Injektionen und Ultraschalluntersuchungen. In den Agrarwissenschaften wird zu »Demonstrationszwecken« auf »Schlachthof- und Kadavermaterial« zurückgegriffen. Ebenso im Medizinstudium. Übungen, bei denen früher Tierversuche durchgeführt wurden – etwa zu Nerven, Muskulatur und Herz – sind durch digitale Simulationen ersetzt worden. Weitere Informationen unter: https://www.giessener-anzeiger.de/stadt-giessen/uni-giessen-weniger-tierversuche-in-der-lehre-91186479.html












