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  • Jena: Colitis on-a-Chip Modell

    Ein Forschungsteam aus Jena hat ein humanes Darm-Organ-on-Chip-Modell zur Untersuchung der schützenden Rollen von Butyrat gegen Candida albicans im Zusammenhang mit entzündlichen Darmerkrankungen entwickelt. Mit ihrem Modell konnten sie zeigen, dass Butyrat die Reinigung des Darms fördert und verhindert, dass diese Darmpilze tiefer ins Gewebe eindringen können. Pilze im Darm sind bei gesunder Darmflora und ausreichend verschiedenen Darmbakterien kein Problem, da die Pilze auf natürliche Weise bekämpft und an der Ausbreitung gehindert werden. (1) Manche Wissenschaftler:innen betrachten Candida albicans-Pilze als opportunistische Erreger, da eine Besiedlung mit C. albicans an der Ausbildung des intestinalen Immunsystems beteiligt ist, denn sie lösen vor allem die Th17-Reaktionen aus, die für die Schleimhaut- Immunität wichtig sind und dadurch die Immunabwehr gegen andere Pathogene wie z.B. Staphylococcus aureus oder Pseudomonas aeruginosa erhöhen. (2) Ist die Abwehr jedoch geschwächt, finden Pilze einen idealen Nährboden im Darm. Bestimmte Candida albicans-Stämme können den Darm von Patienten mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen schädigen, da sie ein starkes Toxin namens Candidalysin produzieren. (1) Butyrat ist eine kurzkettige Fettsäure, die von Darmbakterien auf natürliche Weise gebildet wird, entsteht, indem bestimmte Darmbakterien die mit der Nahrung aufgenommenen Ballaststoffe fermentieren. Sie macht die Darmwand weniger durchlässig und kann Entzündungen lindern. Ihre nützliche Funktion bei Reizdarm, Colitis ulcerosa und Diabetes Typ 2 ist Gegenstand der Forschung. (3) Aktive Colitis ulzerosa. Foto: J. Guntau, Wikipedia. Das neue Jenaer Organ-on-a-Chip-Modell simuliert die menschliche Darmwand mit epithelialen, endothelialen und Immunzellen (Makrophagen), die aus Monozyten gewonnen worden waren. Um eine Darmentzündung und Barrierefunktionsstörung künstlich nachzubilden, verwendete das Forschungsteam den chemischen Wirkstoff Dextran-Natriumsulfat, der auch im Tierexperiment verwendet wird. Ein experimentell hinzugegebener Stamm von C. albicans verursachte verstärkte Invasion, Hyphenbildung und Epithel- sowie Endothelschädigung. Durch Hinzugabe von Butyrat stabilisierten sich die beeinträchtigten Zellverbindungen, die die Regeneration der Darmepithelien wurde gefördert. Butyrat reduzierte die Pilzadhäsion, Hyphenbildung und tiefere Gewebeinvasion, was die Barriere stärkte und die Pilzbelastung senkte. Mit hochauflösender Mikroskopie gelang es dem Team, die Zellstrukturen und die Pilzbesiedlung sichtbar zu machen. Per Durchflusszytometrie, Zytokinmessungen (IL-6, IL-8 und MCP-1) und LDH-Tests wurden Immunantworten und Zellschäden untersucht. Dabei konnten sie bestätigen, dass Butyrat in der Lage war, die Barrierefunktion zu erhalten und die Pilztranslokation zu reduzieren. Die Makrophagenvielfalt wurde gefördert und Entzündungen abgeschwächt. Die Wissenschaftler:innen schlussfolgerten, dass Butyrat eine doppelte Schutzfunktion im Darm hat und damit Potenzial für neue Therapien zur Stärkung der Abwehr der Darmschleimhaut bei entzündlichen Darmerkrankungen bietet. Originalpublikation: Allwang M, Wipplinger M, Akbarimoghaddam P, Alonso-Roman R, Cseresnyes Z, Dietschmann A, Wegner V, Feile A, Bachelot Y, Warschinke M, Hassan MIA, Mittag S, Huber O, Hube B, Gresnigt MS, Figge MT, Mosig AS. Human Colitis-on-Chip Model Reveals Dual Roles of Butyrate in Epithelial and Macrophage Defense Against Candida albicans Tissue Invasion. Small. 2026 Jul;22(37):e00074. doi: 10.1002/smll.202600074. Epub 2026 May 15. PMID: 42138066; PMCID: PMC13325699. Weitere Informationen: (1) Leibniz HKI (2022). Candidalysin fördert entzündliche Darmerkrankungen. Aussicht auf individualisierte Behandlungsmethoden. Online: https://www.leibniz-hki.de/de/nachricht/candidalysin-foerdert-entzuendliche-darmerkrankungen.html (2) IMD Labor Berlin (2026). Die Rolle von Candida-Hefen im Darm. Online: (3) Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (2018). Artenvielfalt der guten Darmbakterien hält uns gesund. Braunschweiger Forscher des HZI identifizieren Butyrat-bildende Bakteriengruppen des Darmmikrobioms. 8.1.2018. https://www.helmholtz-hzi.de/media-center/newsroom/news-detailseite/artenvielfalt-der-guten-darmbakterien-haelt-uns-gesund/

  • China zieht perspektivisch an Europa auch bei NAMs vorbei

    Bis 2035 will China laut seinem nationalen Entwicklungsplan die unangefochtene weltweite Führungsmacht in der Bioökonomie und Biomedizin sein. Da klassische Tierversuche der Flaschenhals in der Medikamentenentwicklung sind (teuer, langwierig, logistisch aufwendig), betrachten Chinas Strategen die Digitalisierung und Biologisierung der Testverfahren als den Hebel, um den Westen endgültig abzuhängen. Hupps, da war doch schon mal was: als Deutschland kaum noch Wert auf die Solarkollektoren legte, erkannt China den Wert dieser Entwicklungen und ist seitdem Weltmarktführer. Foto: senivpetro, magnific. Quelle und weitere Informationen: https://www.covingtonblogs.com/2025/02/13/china-releases-2027-2035-reform-blueprint-for-life-sciences-industry/ https://www.tier-frei-forschen.de/post/deutschland-deutscher-bundeskanzler-will-horizon-europe-k%C3%BCrzen

  • Umsetzung der Roadmap für den Ausstieg aus dem Tierversuch in der Chemikalientestung

    Lang erwartet hat die Europäische Kommission am Montag die Roadmap für den Ausstieg aus dem Tierversuch in der Chemikalientestung veröffentlicht. Begleitet wurde dies von einem dreitägigen Kongress. Die Initiative knüpft an die Europäischen Bürgerinitiative „Save Cruelty Free Cosmetics“ an, die eine große öffentliche europäische Unterstützung für die Beendigung von Tierversuchen erfahren hatte. Grafik: Magnific. Die Roadmap ist ein umfassender, mehrstufiger Plan, der konkrete Maßnahmen, organisatorische Strukturen und Erfolgskriterien für den Ausstieg aus Tierversuchen bei chemischen Sicherheitsbewertungen in der EU vorgibt. Sie setzt auf Innovation, Zusammenarbeit und kontinuierliche Anpassung an den Stand der Wissenschaft. Die Roadmap besteht aus einem Kommunikationsdokument und aus einem sogenannten Staff Working Dokument mit 253 Seiten. Der Fahrplan sieht klare, konkrete Schritte zum Übergang zu innovativen tierversuchsfreien Methoden vor. Tierversuche für die Chemikaliensicherheitsbewertung sollen in 15 Bereichen schrittweise ersetzt werden, darunter für Industrie- und Verbraucherchemikalien, Pestizide und Biozide, Arzneimittel sowie Lebensmittel- und Futtermittelzusatzstoffe. Im Kommunikationsdokument (1) werden drei Säulen beschrieben: In der ersten Säule soll der schrittweise Ausstieg aus Tierversuchen vorangetrieben und die Entwicklung sowie Einführung tierversuchsfreier Verfahren beschleunigt werden. Die zweite Säule will Europa an der Spitze von Forschung und Innovation halten, indem ein breit gefächertes Ökosystem aus Forschung und unternehmerischer Innovation unterstützt werden soll, um tierversuchsfreie Ansätze zu entwickeln, inklusive KI-Ansätze. Die dritte Säule benennt die Zusammenarbeit in Europa und darüber hinaus. Die Kommission bemerkt selbst im Kommunikationsdokument, dass die Fortschritte bei der schrittweisen Beendigung von Tierversuchen insgesamt zu langsam waren. Die Zahlen belegen: 2023 waren noch mehr als 18,3% aller Tierversuche mit 1.477.093 Tieren in der EU (inkl. Norwegen) in regulatorischen Tests. Davon litten 569.589 Tiere in Qualitätskontrollen (Chargensicherheits- und Potenzprüfungen sowie Pyrogenitätstests), 457.142 Tiere litten dagegen in Giftigkeitsprüfungen, vor allem in akuten und sub-akuten Toxizitätstests, Hautsensibilisierungstests, Langzeittests bei wiederholter Verabreichung, Reproduktions- und Entwicklungstoxizitätstests, pharmakokinetischen, pharmakodynamischen und Ökotoxizitätstests. (2) In ihrem Fahrplan räumt die Kommission ein, dass "tierversuchsfreie Ansätze das Potenzial haben, kosteneffizienter und schneller zu sein und so die Wettbewerbsfähigkeit zu steigern und die Zeit bis zur Vermarktung zu verkürzen. Die Weiterentwicklung tierversuchsfreier Ansätze sei auch erforderlich, um die Innovationskraft von Industriezweigen zu stärken." Die Kommission habe dafür in den letzten beiden Jahrzehnten fast 1,5 Mrd. EUR für die Forschung bereitgestellt und eine der weltweit fortschrittlichsten Industrien für Alternativen zu Tierversuchen geschaffen. Der Fahrplan umfasst 22 Maßnahmen, die von der Förderung von Forschung und Innovation über die Unterstützung der Validierung, Standardisierung und Qualifizierung tierversuchsfreier Ansätze bis hin zur Zusammenarbeit sowohl innerhalb der EU als auch mit Drittländern reichen. 2029 scheint die Frist für die kurzfristigen Methoden zu sein Für alle toxikologischen Studienziele (Endpunkte, z. B. akute Toxizität, Genotoxizität, Karzinogenität, wiederholte Dosis-Toxizität, Entwicklungs- und Reproduktionstoxizität) werden konkrete kurz-, mittel- und langfristige Maßnahmen nach dem drei-Körbe-Prinzip vorgeschlagen. Diese reichen von sofort umsetzbaren Alternativen (z. B. in vitro- und in silico-Methoden) bis zur Entwicklung eines neuen wissenschaftlichen Bewertungsrahmens (Next Generation Risk Assessment, NGRA). Was unter kurz-, mittel- und langfristig zu verstehen ist, ist im umfangreichen Staff Working Dokument zu finden. Zu den kurzfristigen Maßnahmen gehört insbesondere die Anpassung von Rechtsvorschriften und Leitlinien bis 2029, um verfügbare tierversuchsfreie Ansätze in die Regulierungspraxis zu übernehmen und „überflüssige“ Tierversuche zu eliminieren. Kurzfristige Maßnahmen: Ersatz, Verzicht und virtuelle Kontrollgruppen Die sofort umsetzbaren Alternativen umfassen vor allem in silico- und in vitro-Methoden, die für bestimmte Endpunkte bereits validiert und regulatorisch anerkannt sind. Zusätzlich können durch optimierte Studiendesigns und Nutzung vorhandener Daten Tierversuche reduziert oder ganz vermieden werden. Die Roadmap der Europäischen Kommission sieht vor, Tierversuche dort, wo es bereits möglich ist, unmittelbar durch tierfreie Methoden zu ersetzen. Diese Alternativen sind bereits ausreichend entwickelt und können kurzfristig in der regulatorischen Praxis angewendet werden. Dazu gehört der Einsatz von Computermodellen wie QSAR-Modelle (Quantitative Struktur-Aktivitäts-Beziehungen) zur Vorhersage der akuten oralen Toxizität von Chemikalien oder die Pharmakokinetische Modellierung zur Vorhersage des Rückgangs von Rückständen in Zielorganismen. Zellkultur-Assays können bereits eingesetzt werden zur Vorhersage im Bereich der Entwicklungsneurotoxizität, Missbildungen, Embryoletalität, Pyrogenität oder Sensibilisierung. In der Umwelttoxizität kann der Fischzelllinien-Test als Ersatz für akute Fischtoxizitätstests dienen, sofern die Chemikalie im Anwendungsbereich liegt. Durch Nutzung vorhandener Daten kann zudem auf Tierversuche verzichtet werden, wenn ausreichend historische Daten oder Informationen zu ähnlichen Substanzen ausreichend vorliegen, z.B. zum Verzicht der zweiten Testart in Langzeitstudien bei Pestiziden. Eine Reduktion der Tierzahlen ist durch virtuelle Kontrollgruppen möglich (z. B. bei wiederholter Dosis-Toxizität in der Humanmedizin). Durch Integration zusätzlicher Studienziele in bestehende Studien sollen weitere Tierversuche vermeidbar sein. Im Bereich der Hautsensibilisierung sind bereits validierte in vitro-Tests zu nutzen. Bei der Prüfung auf Entwicklungsneurotoxizität kann eine Batterie von in vitro-Tests genutzt werden. Bei ausreichender Datenlage kann auf zusätzliche Tierversuche verzichtet werden. Die Belastung in Tierversuchen soll ebenfalls reduziert werden durch Umwandlung des Studienziels „Letalität“ in „offensichtliche Toxizität“ (evident toxicity): Ein Computermodell (QSAR) kann akute Toxizitätstests ersetzen, wenn die Testchemikalie im Anwendungsbereich des Modells liegt. Mittelfristige Maßnahmen: Erweiterung und Validierung von in vitro-Methoden Mittelfristige Alternativen umfassen die Weiterentwicklung, Validierung und regulatorische Integration komplexerer tierfreier Methoden, die Kombination verschiedener Ansätze in integrierten Teststrategien sowie die Optimierung bestehender Tierversuche. Dazu gehört z.B. die Entwicklung und Standardisierung komplexerer Zellkulturmodelle (z. B. Organoide, Organs-on-a-Chip) für die Bewertung von Genotoxizität, Karzinogenität, Entwicklungs- und Reproduktionstoxizität (DART). Validierung und regulatorische Anerkennung von in vitro-Batterien, z. B. für die Entwicklungsneurotoxizität (DNT-IVB) und DART. Auch die Ausweitung der Anwendungsbereiche von QSAR-Modellen auf weitere Chemikalienklassen gehört dazu oder Entwicklung von Leitfäden und regulatorischen Rahmenbedingungen sowie Fallstudien für integrierte Teststrategien (IATA) und Weight-of-Evidence-Ansätze, um verschiedene tierfreie Methoden (in vitro, in silico, Read-Across) für komplexe Endpunkte wie Karzinogenität oder endokrine Disruption systematisch zu kombinieren. In den Umweltgiftigkeitsprüfungen gehören dazu der Ausbau und die Validierung von Alternativen für Bioakkumulationstests (z. B. in vitro-Biotransformationsassays, IVIVE-Modelle für Luft- und Wasserorganismen). Weitere Methoden sind dem Dokument zu entnehmen.(3) Langfristige Alternativen: ein anderer Bewertungsrahmen ist in Arbeit Langfristige Alternativen zielen auf einen grundlegenden Paradigmenwechsel ab: Die Entwicklung und Implementierung eines neuen wissenschaftlichen Bewertungsrahmens (Next Generation Risk Assessment, NGRA), der vollständig auf tierfreie Methoden setzt. Dies erfordert neue Konzepte, Methoden und regulatorische Anpassungen, um komplexe toxikologische Fragestellungen ohne Tierversuche beantworten zu können. Die Nutzung von Omics-Technologien (z. B. Genomik, Proteomik), Hochdurchsatzverfahren und Computermodellen ist vorgesehen. Der Fokus soll auf der Beschreibung von Toxizität durch molekulare Veränderungen statt durch beobachtete Schäden an Tieren liegen. In silico-Methoden sollen ausgebaut und standardisiert werden, Big Data, KI und maschinelles Lernen zur Integration und Auswertung großer Datenmengen aus verschiedenen Quellen zum Einsatz kommen. Die Teststrategien sollen Mechanismus-basiert sein: Sogenannte Adverse Outcome Pathways (AOPs) und quantitativen AOPs (qAOPs) sollen entwickelt und genutzt werden, um molekulare und zelluläre Veränderungen mit regulatorisch relevanten Endpunkten zu verknüpfen. Testbatterien für die Studienziele Entwicklungsneurotoxizität, Reproduktionstoxizität, Karzinogenität werden entwickelt. Komplexe Studienziele sollen mit validierten Organoiden, Organ-on-a-Chip-Systemen und fortgeschrittenen in vitro-Modellen für komplexe Fragestellungen wie Karzinogenität, Entwicklungs- und Reproduktionstoxizität möglich sein. Langfristig soll z.B. die In Vitro Testbatterie zur Bewertung der Entwicklungsneurotoxizität weiterentwickelt und validiert werden, um sie als Standard für die Bewertung der Entwicklungsneurotoxizität zu etablieren. Für die Bewertung des Krebsauslösenden Potenzials (Karzinogenität) werden Weight-of-Evidence-Ansätze entwickelt, die in vitro-, in silico- und gegebenenfalls kurze in vivo-Tests kombinieren. In der Umweltbewertung werden die Anwendungsbereiche von Alternativen wie dem Fischzelllinien-Test (OECD TG 249) und dem Fisch-Embryo-Test (OECD TG 236) erweitert und validiert. Es wird z.B. ein tierversuchsfreies Rahmenwerk für die Umweltbewertung (z. B. für Fische, Vögel, Säugetiere) entwickelt und die Bewertung der Biotransformation tierversuchsfrei möglich sein. Es soll ein einheitlicher Bewertungsrahmen nach dem "One Health"-Prinzip entwickelt werden, der Human- und Umweltaspekte integriert. Aber: Wichtige Fragen hinsichtlich der Finanzierung ungeklärt Es ist anzumerken, dass bislang keine separaten Förderprogramme für die Umsetzung der Roadmap eingerichtet wurden. Es gäbe nicht die eine Finanzierung für die Roadmap, teilt Georg Streck, Policy Officer bei der Europäischen Kommission, mit. Der Lenkungsausschuss soll jedoch die Fördermöglichkeiten für die Umsetzung der in der Roadmap enthaltenen Maßnahmen ermitteln und priorisieren. Die Kommission hat vorgeschlagen, bis 2027 über Möglichkeiten zur Finanzierung von Aktivitäten zu informieren, die diese Maßnahmen unterstützen. Leider: Nicht alle Tiere haben eine Chance Ein Wehmutstropfen ist auch, dass nicht alle Tiere, die in Sicherheitsprüfungen eingesetzt werden, von dem in der Roadmap vorgesehenen Ausstiegsplan profitieren werden. Tiere, die zur Prüfung von Biologika, Impfstoffen, Gentherapien, Arzneimitteln für neuartige Therapien und Tierarzneimitteln für neuartige Therapien verwendet werden, die nicht als Chemikalien eingestuft sind, fallen nicht in den Anwendungsbereich der Roadmap. Ausgenommen sind auch die letzten Stufen der Sicherheitstestung von Tierarzneimitteln an Zieltierarten. Quellen: (1) Europäische Kommission (2026). Roadmap towards phasing out animal testing for chemical safety assessments. Online. https://single-market-economy.ec.europa.eu/publications/roadmap-towards-phasing-out-animal-testing-chemical-safety-assessments_en (2) Europäische Kommission (2026). ALURES – Animal-use reporting - EU System. Statistics Database on the use of Animals for Scientific Purposes under Directive 2010/63/EU. Section 2 – Details of all uses of animals for research, testing, routine production and education and training purposes in the EU. Online: https://webgate.ec.europa.eu/envdataportal/content/alures/section2_number-of-uses.html (3) Europäische Kommission (2026). Commission Staff Working Document. Accompanying the document Communication from the Commission Roadmap towards phasing out animal testing for chemical safety assessments. SWD (2026) 144 final. Brüssel 01.06.2026. https://ec.europa.eu/transparency/documents-register/detail?ref=SWD(2026)144&lang=en

  • BMFTR: e2Health – In silico-Forschung für die Medizin der Zukunft

    Das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt hat ihr Förderkonzept "e2Health – In silico-Forschung für die Medizin der Zukunft" Ende Juni veröffentlicht. Es unterstützt die (Weiter-)Entwicklungen von In silico-Methoden und Softwarewerkzeugen in Kombination mit KI-Technologien für die Gesundheitsforschung. Hauptsitz des BMFTR in Bonn. Foto: Nicolas17. Wikipedia. CC BY-SA 2.5 Gefördert werden interdisziplinäre Verbundprojekte zur Entwicklung innovativer In silico-Methoden in der Gesundheitsforschung, die sich auf neue oder verbesserte Computermodelle und Analysewerkzeuge zur Analyse (bio-)medi­zinischer Daten und zur Erforschung medizinischer Fragestellungen fokussieren. Die entwickelten Ansätze sollen zur bioinformatischen Datenverarbeitung, Analyse und Simulation des aktuellen Bedarfs in der biomedizinischen Forschung, einschließlich der Validierung von Methoden, angewandt werden. Quelle und weitere Informationen: https://www.bmftr.bund.de/SharedDocs/Bekanntmachungen/DE/2026/07/2026-07-03-bekanntmachung-e2health.html?templateQueryString=e2Health+%E2%80%93+In+silico-Forschung+f%C3%BCr+die+Medizin+der+Zukunft

  • Hannover: Neues Verfahren zum Testen von Hairstyling-Produkten für die Arbeitssicherheit

    Wie die Fraunhofer-Gesellschaft in einer aktuellen Pressemitteilung bekanntgibt, hat ein Forschungsteam vom Fraunhofer-Institut für Toxikologie und Experimentelle Medizin ITEM in Hannover ein neues in vitro-Verfahren entwickelt, um potenziell schädliche Aerosole aus Haarpflegeprodukten zu testen. Das Verfahren ist auch geeignet, alle weiteren Aerosole zu testen. Aufgrund von EU-Regularien dürfen für toxikologische Untersuchungen bei Kosmetika ausschließlich Methoden ohne Tierversuche angewandt werden. Es gibt jedoch eine rechtliche Grauzone: Im Bereich der Arbeitssicherheit verlangt das EU-Chemikalienrecht (REACH), dass chemische Stoffe umfassend auf ihre Sicherheit geprüft werden – das schließt den Schutz der Arbeiterinnen und Arbeiter ein, die diese Stoffe in der Produktion herstellen oder verarbeiten. Die Friseurin oder der Friseur ist dabei der Arbeitssicherheit einzugliedern, weil sie/er täglich beruflich Aerosole, chemische Dämpfe einatmen und auf die Haut bekommen. Sie gelten Friseure rein rechtlich „gewerbliche/professionelle Anwender“ und es gelten exakt dieselben Sicherheitsmaßstäbe (Expositionsgrenzwerte, Arbeitsschutzdaten) wie für Beschäftigte in einer Chemiefabrik (Artikel 14 Abs. 5 Buchstabe b, REACH-Verordnung). In dieser Forschungsarbeit geht es um die Inhalationstoxikologie: In den OECD Testrichtlinien gibt es die Kurzzeit-Inhalationstests (Testrichtlinie 402) sowie zwei Variationen (Testrichtlinien 433 und 436), bei denen nur Testkonzentrationen verwendet werden, die nicht zum Tod der Versuchstiere führen und die Anzahl der Tiere verringern. In der Regel werden Ratten in den Versuchen eingesetzt. Außerdem gibt es die 90-Tage- und die Langzeittests. Aufgrund der biologischen und physikalischen Komplexität der menschlichen Atmung sind in vitro-Inhalationstests derzeit noch nicht als vollständiger Ersatz für Tierversuche anerkannt. Obwohl zahlreiche In-vitro-Methoden zur Identifizierung und Charakterisierung der Gefährlichkeit inhalierbarer Substanzen eingesetzt werden, bestehen weiterhin erhebliche Herausforderungen, darunter die Extrapolation auf den Menschen und die retrospektive Betrachtung. Die feuchte Chemikalie wird auf die Haarsträhnen aufgetragen und anschließend bei etwa 200 Grad Celsius mit einem Glätteisen über das Haar gezogen. Foto: Fraunhofer ITEM/Ralf Mohr Das am Fraunhofer ITEM entwickelte Expositionsgerät P.R.I.T.® ExpoCube® erlaubt die In-vitro-Testung flüchtiger Chemikalien oder Aerosole. Foto: Fraunhofer ITEM/Ralf Mohr Das Fraunhofer-Institut für Toxikologie und Experimentelle Medizin (ITEM) in Hannover arbeitet bereits seit 1981 an in vitro-Methoden, um den Tierversuch im Bereich Inhalationstoxikologie zu beenden. Neben in vitro-Zellkulturen haben sie das Expositionssystem P.R.I.T.® ExpoCube® System und mathematische Modelle entwickelt, um Wirkungen im menschlichen Körper vorhersagen zu können. Die zu testenden Produkte wurden auf menschliche Haarsträhnen aufgetragen und dadurch Aerosole erzeugt. Mit dem P.R.I.T.® ExpoCube®-System wurden menschliche Lungenzellen dann den Aerosolen ausgesetzt und der Einfluss auf die Zellen analysiert. Die Lungenzellen wurden an der Grenze zwischen Luft und Nährmedium kultiviert (Air Liquid Interface). Mit dem neuen Verfahren können sowohl Aerosole als auch flüchtige Chemikalien analysiert werden. Gemessen wurden Zellviabilität, mitochondriale Funktion, zellulärer Stress und die Freisetzung von Interleukin-8 als repräsentativer Marker für die körpereigene Entzündungsreaktion. Die in-vitro-Testergebnisse korrelierten mit den Erfahrungen von Friseurinnen und Friseuren. Quellen und weitere Informationen: https://www.fraunhofer.de/ https://www.reach-clp-biozid-helpdesk.de/ Hansen, T. et al. (2026). Guidance for in vitro air–liquid interface inhalation toxicity assessment. ESTIV-Kongresssession 2026, Mastricht. https://www.estiv.org/ https://www.prit-systems.de/en/references.html

  • Luxemburg: Mit Organoiden zu neuen Parkinsonbehandlungen

    Ein Wissenschaftsteam vom Luxembourg Centre for Systems Biomedicine (LCSB) beschreibt in einem aktuellen Review-Artikel den Stand der Dinge bei der in-vitro-Parkinsonforschung. So werden immunkompetente Mittelhirn-Organoide entwickelt, um gezielt zu untersuchen, wie Entzündungen im menschlichen Gehirn bei Parkinson entstehen und wie sie Nervenzellen schädigen. Derartige Modelle sind auch geeignet, Medikamente zu testen, die gezielt die Entzündungsreaktion der Mikroglia beeinflussen und so das Fortschreiten der Krankheit verlangsamen könnten. Mikroglia sind die wichtigsten Immunzellen des zentralen Nervensystems (ZNS). Sie überwachen ständig das Gehirngewebe und reagieren auf Verletzungen, Infektionen oder krankhafte Veränderungen. Bei Entzündungen (Neuroinflammation) werden sie aktiviert, setzen entzündungsfördernde Stoffe wie TNFα frei und können so andere Zellen im Gehirn beeinflussen. Bei Parkinson können derartige Entzündungen dazu beitragen, dass Nervenzellen, insbesondere die dopaminergen Neuronen, absterben. Zur Untersuchung entwickeln Forscher:innen menschliche Mittelhirn-Organoide aus induzierten pluripotenten Stammzellen, die von Körperzellen von Parkinson-Patienten gewonnen wurden. Dabei wird auf Zellen des ventralen Mittelhirns abgezielt, weil dort die dopaminergen Nervenzellen der sogenannten Substantia nigra liegen. Diese Zellen sind bei der Parkinson-Krankheit besonders betroffen und sterben im Verlauf der Erkrankung ab, was zu den typischen Symptomen wie den Bewegungsstörungen führt. Über mehrere Wochen entwickeln sich die Organoide und bilden verschiedene Zelltypen des Mittelhirns aus, darunter dopaminerge Nervenzellen, Astrozyten und Oligodendrozyten. Dann werden Mikroglia mit einer Parkinson-typischen Mutation (LRRK2-G2019S) in die Mittelhirn-Organoide eingebracht. Wissenschaftler:innen können so beobachten, dass diese mutierten Mikroglia eine erhöhte Entzündungsbereitschaft zeigen und vermehrt den Entzündungsstoff TNFα ausschütten. Gleichzeitig verändern die Mikroglia ihren Stoffwechsel, um diese Aktivität aufrechtzuerhalten. Die erhöhte Entzündung führt dazu, dass in den Organoiden gezielt dopaminerge Nervenzellen absterben – ein zentrales Merkmal der Parkinson-Krankheit. Ein Wissenschaftsteam hat die Organoide z.B. mit dem Wirkstoff Oxamidsäure behandelt, wodurch das Stoffwechselenzym Glykolyse in den Mikroglia gehemmt wurde. Dadurch nahm die Entzündungsreaktion ab und es überlebten mehr dopaminerge Nervenzellen in den Organoiden. (x) Aber auch weitere Wirkstoffe wie Ambroxol, Levodopa und weitere, auch neue Wirkstoffe wurden getestet. Originalpublikation: Zagare A, Jarazo J, Schwamborn J. Brain organoids in Parkinson's disease drug development: Human-specific models for translational discovery. Drug Discov Today. 2026 Jul 17:104742. doi: 10.1016/j.drudis.2026.104742. Epub ahead of print. PMID: 42468620. zusätzlich: (x) Kurniawan H, et al. The Parkinson’s disease-associated LRRK2-G2019S variant restricts serine metabolism, leading to microglial inflammation and dopaminergic neuron degeneration. J Neuroinflammation. 2025;22:244.

  • Alzheimer: Klinische Studien zeigen nicht den gewünschten Erfolg

    Für zwei neue Alzheimer-Wirkstoffe, die nicht an den Beta-Amyloid-Proteinen, sondern am Tau-Protein ansetzen, haben erste Ergebnisse aus klinischen Studien gezeigt, dass die Alzheimerentwicklung scheinbar noch komplizierter ist, als bislang angenommen. Foto: hobim, Pixabay. Computer-generiert. Die Alzheimer-Therapien, die auf eine Beseitigung oder Vermeidung der Amyloid-Plaques abzielen, reichen offenbar nicht aus, um das Fortschreiten von Alzheimer und den Gedächtnisverlust aufzuhalten. Deshalb zielen die neuen Wirkstoffe auf die Tau-Fibrillen, die sich an den Mikrotubuli der Neuronen anlagern und sie zerstören. zwei neue Wirkstoffe hatten im Tierversuch Hoffnungen gemacht, die sich in der klinischen Studie nun in Luft auflösen. Die Wissenschaftler:innen konnten keinen klinisch relevanten Nutzen des Wirkstoffs Ceperognastat gegenüber dem Placebo feststellen. Auch der Wirkstoffs Diranersen brachte fragwürdige Ergebnisse. Originalpaper: Fleisher AS, Munsie L, Mancini M, Cheng YJ, Guo J, Nuthall H, Otero DS, Kotari V, Kielbasa W, Hutton M, Brys M, Mergott DJ, Mintun M, Hansson O. Ceperognastat in Early Symptomatic Alzheimer Disease: A Randomized Clinical Trial. JAMA. 2026 Jul 13:e2612768. doi: 10.1001/jama.2026.12768. Epub ahead of print. PMID: 42441396; PMCID: PMC13366245. Weitere Informationen: https://wissenschaft.de/artikel/alzheimer-wirkstoffe-gegen-tau-fibrillen-im-test?newsletter=30%2FMailing_17141%2F&ecmId=17141%2F12968&ecmUid=2fb1045186e4347fc809fe3e6bb2c09e74b61f955c69a6771006c42961ec169d&utm_campaign=RED_BDW%20%E2%80%94%2024.%20Juli%202026&utm_medium=Newsletter

  • Parkinsonforschung in vitro: Forschungsteam stellt Connectoid vor

    Der nigrostriatale Pfad ist einer der vier wichtigsten Dopaminpfade im Gehirn und spielt als Teil eines Systems namens Basalganglien-Motor-Schleife eine entscheidende Rolle bei der Bewegungsausführung. Wie sich dieser Kreislauf während der Entwicklung des Menschen aufbaut und wie er unter pathologischen Bedingungen degeneriert, ist noch weitgehend unverstanden. Einem Forschungsteam aus Schweden, Dänemark und der Schweiz ist es gelungen, ein in vitro-Modell (Connectoid) zu entwickeln, um den Mechanismus aufzuklären. Der nigrostriatale Pfad verbindet die Substantia nigra pars compacta (SNc) im Mittelhirn mit dem dorsalen Striatum (d. h. dem Caudatuskern und dem Putamen) im Vorderhirn. Dopaminerge Neuronen dieses Signalwegs setzen Dopamin aus Endigungen der Nervenzellfortsätze frei. Der Botenstoff Dopamin wirkt auf spezielle Neuronen, die dornenartige Ausstülpungen tragen. Es handelt sich um eine spezialisierte Form hemmender (GABAerger) Neuronen, die die Signalverarbeitung kortikaler Neuronen regulieren. Die Degeneration dopaminerger Neuronen in der SNc ist eines der wichtigsten pathologischen Merkmale der Parkinson-Krankheit. Der dopaminerge nigrostriale Pfad im Hirn verläuft von der Substantia nigra zum dorsalen Striatum. Quelle: Slashme, Wikipedia CC BY 4.0. https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Nigrostriatal_pathway.svg Das Connectoid besteht aus Organoiden des ventralen Mittelhirn und des Corpus Striatum in einem speziellen mikrofluidischen System. Die Organoide sind aus humanen pluripotenten Stammzellen entwickelt worden. Bereits vier Tage nach der Platzierung auf dem multifluidischen System begannen sich erste Axone aus dem vMB-Kompartiment in den Kanal auszudehnen, bis nach 24 Tagen ein auf konsistente und reproduzierbare Weise ein definiertes Faszikel gebildet worden war. Das Axonbündel verdickte sich im Laufe der Zeit weiter, sodass nach 3 Monaten ein ausgereiftes und miteinander verbundenes System entstanden war. Die Funktionalität der Verbindungen wurde durch das sogenannte retrograde Rabies-Tracing sowie eine optogenetische und pharmakologische Stimulation bestätigt. Das retrograde Rabies-tracing ist eine leistungsstarke neurowissenschaftliche Technik, bei der modifizierte Rabiesviren verwendet werden, um neuronale Schaltkreise zu kartieren, indem sie Axonendigungen infizieren und rückwärts (retrograd) zum Zellkörper wandern. (X) Nigrostriataler Pfad. By Yun Ju C. Song , Mayuresh S. Korgaonkar , Lucy V. Armstrong, Sarah Eagles, Leanne M. Williams, Stuart M. Grieve - Song YJC, Korgaonkar MS, Armstrong LV, Eagles S, Williams LM, Grieve SM (2014) Tractography of the Brainstem in Major Depressive Disorder Using Diffusion Tensor Imaging. PLoS ONE 9(1): e84825. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0084825, CC BY 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=79147643 Originalpublikation: Sozzi, E., Corsi, S., Bruzelius, A., Scordo, G., Tavares da Silva Maraschin, S., Thongkorn, S., Heiskanen, A., Ramos-Passarello, G., Kajtez, J., Emnéus, J. & Parmar, M. (2025). Reconstruction of the human nigrostriatal pathway in vitro reveals target-dependent dopamine neuron maturation. Prepin bioRxiv. doi: https://doi.org/10.64898/2025.12.23.696164 Zusätzlich: (X) Wickersham IR, Finke S, Conzelmann KK, Callaway EM. Retrograde neuronal tracing with a deletion-mutant rabies virus. Nat Methods. 2007 Jan;4(1):47-9. doi: 10.1038/nmeth999. Epub 2006 Dec 10. PMID: 17179932; PMCID: PMC2755236.

  • Deutschland: Deutscher Bundeskanzler will Horizon Europe kürzen

    Wie die Nachrichtenplattform Science Business Net berichtet, forderte der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz während eines Besuchs in Dublin am 28. Juli Kürzungen am Vorschlag der Europäischen Kommission für den nächsten langfristigen EU-Haushalt „in allen Bereichen“ in Höhe von insgesamt „mehreren hundert Milliarden Euro“. Der entschiedene Widerstand gegen höhere Ausgaben seitens des größten Beitragszahlers zum EU-Haushalt lässt Zweifel an den Plänen aufkommen, das Forschungs- und nnovationsprogramm „Horizon Europe“ deutlich auszuweiten, schreibt die Nachrichtenplattform. Bundeskanzleramt in Berlin. Foto: Martin Künzel, Wikipedia, CC BY-SA 3.0 Ob auch Projekte dadurch berührt werden, die mit tierversuchsfreien Verfahren in zusammenhang stehen, ist noch unklar. Horizon Europe ist nicht nur ein klassisches Förderprogramm mit derzeit 95,5 Milliarden Euro, sondern das umfassende Forschungs- und Innovationsrahmenprogramm der Europäischen Union. Es verbindet finanzielle Unterstützung mit strategischer Politikgestaltung, internationaler Vernetzung und dem Aufbau von Standards für die Zukunft. Horizon Europe gliedert sich in drei Hauptsäulen und einen übergreifenden Querschnittsbereich. Die Säule I befasst sich mit „Wissenschaftsexzellenz“, bei der der Europäische Forschungsrat (ERC) zukunftsweisende Spitzen- und Grundlagenforschung für Einzelforschende finanziert. Zudem unterstützen die Marie-Skłodowska-Curie-Maßnahmen die Mobilität, Ausbildung und Karriereentwicklung von Forschenden. Der Bereich Forschungsinfrastrukturen soll weltklassefähige Infrastrukturen in Europa aufbauen und vernetzen. Die Säule II befasst sich mit den globalen Herausforderungen und der europäischen industriellen Wettbewerbsfähigkeit - mit 53 Milliarden am umfangreichsten. Die Mittel verteilen sich auf thematische Bereiche wie Gesundheit, Digitalisierung und Klima, um konkrete gesellschaftliche Probleme zu lösen. Über die Säule II von Horizon Europe werden auch zahlreiche Projekte zu New Approach Methodologies (NAMs) gefördert, allen voran die Initiativen PARC (Partnership for the Assessment of Risks from Chemicals), eine Partnerschaft mit fast 200 Institutionen, die mit 200 Millionen Euro im Rahmen Horizon Europe unterstützt wird und ein tierversuchsfreies Risikobewertungssystem der nächsten Generation (Next-Generation Risk Assessment, NGRA) aufbauen soll. Das ASPIS Cluster ist ein Verbund aus EU-finanzierten Projekten mit einem Volumen von ca. 60 Millionen Euro. Es entwickelt integrierte, tierversuchsfreie Strategien und Testsysteme (u. a. mit zellbasierten Mini-Organen) für die chemische Risikobewertung (RiskHUNT3R), nutzt computergestützte Ansätze und künstliche Intelligenz, um Toxizitätsrisiken ohne Tierversuche vorherzusagen (ONTOX) und erforscht den genbasierten und zellulären Ersatz für Tierversuche in der Toxikologie (PrecisionTox). Es gibt enge Kooperationen mit Behörden wie der ECHA und der EFSA. Ein weitere Programm ist NAMWISE - eine Koordinierungs- und Unterstützungsmaßnahme zur Standardisierung, Validierung und vermehrten regulatorischen Akzeptanz von tierversuchsfreien Methoden. Säule III „Innovatives Europa“ fördert Start-ups und marktfähige Innovationen über den European Innovation Council (EIC). Für das kommende Nachfolgeprogramm Framework-Programm 10, 2028–2034 hat die die Europäische Kommission eine Weiterentwicklung vorgeschlagen, die das bisherige Dreiersäulen-Modell zu einer Struktur aus vier Säulen erweitert. Wobei die erste Säule Grundlagenforschung bestehen bleiben soll, die zweite Säule, "Wettbewerbsfähigkeit und Gesellschaft" soll enger mit industriellen Zielen und dem neuen europäischen Wettbewerbsfonds verknüpft werden. Die dritte Säule "Innovation" soll den Transfer in den Markt fördern, unter anderem durch den Ausbau Europäischen Innovationsrats (EIC). Der bisherige horizontale Querschnittsbereich "Europäischer Forschungsraum" soll zu einer vollwertigen vierten Säule aufgewertet werden. Dafür hatte die Kommission beinahe eine Verdopplung des Etats auf 175 Milliarden vorgeschlagen. Der Rat der Europäischen Union (in dem die Regierungen der Mitgliedstaaten vertreten sind) hat Ende Juni 2026 den Etat in Höhe von 167,9 Milliarden Euro vorgeschlagen. Auch soll mehr nationale Kontrolle und einen Fokus auf Sicherheit und Verteidigung erfolgen. Der deutsche Bundeskanzler forderte nun, das Gesamtbudget der EU merklich zu straffen. Dies setzt auch das geplante 175-Milliarden-Budget des Forschungsrahmenprogramms (FP10) massiv unter Druck - entgegen den Interessen von Universitäten. Auch lehnt die Bundesregierung Vorschläge aus Brüssel strikt ab, neue Eigenmittel – wie etwa eine harmonisierte Körperschaftssteuer auf EU-Ebene – einzuführen, um Großprojekte oder Forschungstöpfe gegenzufinanzieren. Quellen: https://sciencebusiness.net/news/eu-budget/research-funding-risk-germany-opposes-higher-eu-spending?utm_source=ActiveCampaign&utm_medium=email&utm_content=Japan%20and%20EU%20sign%20off%20Horizon%20Europe%20association&utm_campaign=Science%7CBusiness%20Bulletin%20No%20%201315%20%28Copy%29&vgo_ee=GNIgkBwL0vR5NUmXYzqWBZJyMA8nOf1OKTxOclB56uXYNZD2N%2Fh6Xw%3D%3D%3AEw5IWeBRQ19S5rnUjypm14njSPhxsi29 https://research-and-innovation.ec.europa.eu/strategy/strategy-research-and-innovation/jobs-and-economy/strategy-european-life-sciences_en https://www.zabala.eu/opinions/council-eu-fp10/ https://www.horizont-europa.de/ https://european-research-area.ec.europa.eu/news/ec-presents-proposal-next-framework-programme KOWI European Liaison Office of the German Research Organisation (2026). Factsheet: Überblick zu Europäischen Partnerschaften in Horizon Europe. August 2024, aktualisiert März 2026. https://www.kowi.de/kowi/aktuelles/aktualisiertes-kowi-factsheet-zu-den-horizon-europe-partnerschaften.aspx https://www.wko.at/oe/news/horizon-europe-entscheidung-ueber-europas-innovationskraft https://www.eu-parc.eu/ https://aspis-cluster.eu/ https://www.ihi.europa.eu/

  • USA: Kariesprophylaxe-Produkte möglichst tierfrei testen

    Foto: Bruno Pereira, Pixabay. Die amerikanische Food and Drug Administration (FDA) prüft derzeit, ob ein in vitro-Testverfahren, das sogenannte pH-Zyklus-Testmodell, als alternatives Prüfverfahren für den Nachweis der Wirksamkeit für Fluorid-Zahnpasta in die OTC-Monographie M021 aufgenommen werden kann. Dafür wird um die Einreichung von Daten erbeten. Die Monographie regelt die Bedingungen, unter denen rezeptfreie Kariesprophylaxe-Produkte als sicher und wirksam gelten. Die aktuelle Monographie verlangt Wirksamkeitsnachweise für Fluorid-Zahnpasta, meist durch Tierversuche oder etablierte In-vitro-Tests. Bislang ist auch der Animal Caries Reduction Test mit Ratten anwendbar, ein biologisches Testverfahren, um die Wirksamkeit von fluoridhaltigen Zahnpasten und Wirkstoffen gegen Karies zu prüfen. Dabei werden meist Ratten mit kariesfördernden Bakterien wie Streptococcus mutans infiziert und mit einer zuckerreichen Diät ernährt, um den Grad der Kariesbildung unter dem Einfluss einer Testzahnpasta zu messen. Dann werden die Zähne der Tiere in einem standardisierten Verfahren mit der jeweiligen Test-Zahnpasta behandelt. Nach einem bestimmten Zeitraum werden die Tiere getötet, um ihre Zähne und Kiefer im Labor mikroskopisch zu untersuchen. Man zählt und bewertet die Kariesläsionen an den Zähnen und vergleicht sie mit den Zähnen der Kontrollgruppentiere, die ebenfalls getötet werden. Da sich die Zahnphysiologie von Nagetieren von der des Menschen unterscheidet, wird bei modernen Zulassungsverfahren (wie die der US Food and Drug Administration) zunehmend auf In-vitro-Alternativen wie pH-Cycling-Modelle oder mikro-computertomografische Analysen gesetzt. Das pH-Zyklus-Testmodell ist ein tierversuchsfreies Verfahren, das entwickelt wurde, um die Wirksamkeit von Fluorid-Zahnpasten bei der Kariesprävention zu bewerten, ohne Tierversuche einzusetzen. Das Modell simuliert die natürlichen Prozesse im Mund, bei denen Zahnschmelz durch Säureeinwirkung demineralisiert und durch Speichel wieder remineralisiert wird. Es gibt verschiedene Varianten des pH-Zyklus-Tests, so z.B. das Featherstone-Modell, das exakt definierte chemische Zusammensetzungen und feste Zeit-Intervalle verwendet. Es fehlt jedoch bislang ein standardisiertes und validiertes Protokoll für diese Varianten. Ein Hersteller, der den pH-Zyklus-Test als Prüfverfahren für seine Fluorid-Zahnpasta anerkennen lassen möchte, sollte daher bei der FDA nun ein standardisiertes Testprotokoll entwickeln, eine multizentrische Validierungsstudie durchführen, die Ergebnisse mit etablierten Tierversuchen vergleichen und alle relevanten Daten und Analysen gemäß den FDA-Vorgaben einreichen. Das Featherstone-pH-Cycling-Modell ist ein im Labor durchgeführter Test, der den natürlichen Wechsel von Demineralisation (Mineralverlust) und Remineralisation (Mineralaufbau) an Zähnen simuliert. Es dient als tierversuchsfreier Ersatz, um die Schutzwirkung von fluoridhaltigen Zahnpasten oder Spülungen gegen Karies zu messen. An den Zahnproben werden künstliche Karies-Schäden verursacht. Dann kommen die Zähne kurz in eine saure Lösung, um Mineralien herauszulösen. Hiernach kommen sie in eine mineralreiche Pufferlösung, die die Remineralisierung des Speichels simulieren soll. Die Proben werden täglich kurz mit der zu testenden Substanz (z. B. Zahnpasta-Lösungen) behandelt. Die Zähne stammen hauptsächlich aus menschlichen Zahnextraktionen (Weisheitszähne, orthopädische Extraktionen oder aus Zahnarztpraxen, wenn die Patienten zustimmen, sie für die Forschung zur Verfügung zu stellen) und –Rinderzähnen. Der Grund soll sein, dass menschliche Zähne aufgrund von Kariesrückgängen seltener verfügbar sind, und für statistisch sichere Testergebnisse Hunderte identische Proben benötigt werden. Aber: Die Ergebnisse des pH-Zyklus-Tests müssen mit etablierten Tierversuchen verglichen werden, um die Gleichwertigkeit zu belegen, obwohl sich die Zahnphysiologie von Nagetieren von der des Menschen unterscheidet. Situation in Europa Da Zahnpasta und Mundspülungen rechtlich als Kosmetika gelten, dürfen für deren Endprodukte oder rein kosmetische Inhaltsstoffe keine Tierversuche durchgeführt werden, bis auf die rechtliche Grauzone, wenn ein neuer chemischer Inhaltsstoff einer Zahnpasta in riesigen Mengen nach der europäischen Chemikalienrichtline (REACH) industriell hergestellt wird: dann verlangt das Gesetz Tests zur Arbeitssicherheit (z. B. Giftigkeit beim Einatmen im Werk). Auch die biologische Forschung an lebenden Organismen ist mit Tierversuchen möglich. Und da nehmen sie dann ggfs. Ratten oder Mäuse. Quellen: https://www.accessdata.fda.gov/scripts/cder/omuf/index.cfm?event=datareqDetail&utm_medium=email&utm_source=govdelivery Featherstone JD, Stookey GK, Kaminski MA, Faller RV. Recommendation for a non-animal alternative to rat caries testing. Am J Dent. 2011 Oct;24(5):289-94. PMID: 22165456. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/22165456/ Stookey GK, Featherstone JD, Rapozo-Hilo M, Schemehorn BR, Williams RA, Baker RA, Barker ML, Kaminski MA, McQueen CM, Amburgey JS, Casey K, Faller RV. The Featherstone laboratory pH cycling model: a prospective, multi-site validation exercise. Am J Dent. 2011 Oct;24(5):322-8. PMID: 22165462.

  • Oregon: National Primate Research Center will schrittweise zum NAM-Zentrum werden

    Das Oregon National Primate Research Center (ONPRC), eines der größten Affenforschungszentren der USA in der Nähe von Portland, wird nun doch keine Auffangstation. Aber es steht vor einer grundlegenden Transformation: Weg von der klassischen Primatenforschung hin zu einem modernen Zentrum für innovative, tierfreie Forschungsmethoden. Im Oregon National Primate Research Center (ONPRC) sind rund 5.000 nicht-humane Primaten, wie Rhesusaffen, Japanmakaken und Javaneraffen (Cynomolgus) untergebracht. Sie werden in Zuchtkolonien für Forschungszwecke gehalten. Tierschützer hatten auf die vollständige Schließung, den sofortigen Zuchtstopp sowie die Umwandlung in ein Tierschutzzentrum bzw. eine Auffangstation für alle dort verbliebenen Affen gehofft. Nun kommt es anders. Nicht-humane Primaten in freier Natur. Foto: Balouriarajesh, Pixabay. Schrittweise Reduktion der Affenversuche Nun hat das Board of Directors der Oregon Health & Science University (OHSU), zu der das ONPRC gehört, gestern einstimmig beschlossen, den Präsidenten der Hochschule zu beauftragen, einen Plan zu entwickeln, der die Anzahl der Affen am Oregon National Primate Research Center (ONPRC erheblich“ reduziert, den Schwerpunkt der Einrichtung auf tierversuchsfreie Modelle verlagert und möglicherweise die Lieferung von Versuchstieren für Labore im ganzen Land beendet. Die NIH (National Institutes of Health) und andere Gremien fordern eine stärkere Integration und Entwicklung von NAMs, um Tierversuche – insbesondere mit Primaten – zu reduzieren, wo immer es wissenschaftlich vertretbar ist. Die Finanzierung durch Bundesmittel war in den letzten Jahrzehnten nicht mehr gestiegen und reiche damit nicht mehr aus, um alle Betriebskosten des ONPRC zu decken. Staatliche Mittel aus Oregon dürfen laut Gesetz nicht für das ONPRC verwendet werden. Deshalb soll das ONPRC die Zahl der gehaltenen Primaten deutlich verringern und die Rolle als nationaler Lieferant von Primaten für Forschungszwecke beenden. Das Zentrum soll zu einem nationalen Exzellenzzentrum für die Entwicklung, Validierung und Implementierung von NAMs (New Approach Methodologies) werden. Ein Restbestand an Primaten solle erhalten bleiben, um weiterhin einzigartige Forschung und die Entwicklung von NAMs zu ermöglichen. Das ONPRC soll zudem umbenannt und als Zentrum für NAMs positioniert werden. Im detaillierten Plan soll die OHSU-Leitung Forschungsbereiche identifizieren, in denen weiterhin Primaten benötigt werden, Maßnahmen ausarbeiten, um die NHP-Koloniegröße zu reduzieren, inkl. einer Umsiedlung in andere Auffangstationen, die Finanzierung des ONPRC soll sichergestellt werden, Mitarbeiter müssen in NAMs geschult werden, alle Stakeholder - auch der Tierschutz - mit einbezogen werden. Außerdem sollen neue Partnerschaften mit dem NIH und anderen Forschungs- und Industrieeinrichtungen eingegangen werden. Quellen und weitere Informationen:https://www.science.org/

  • Lübeck: Forschungsteam arbeitet an globaler Präzisionsmedizin bei Parkinson Empfehlung

    Ein internationales Forschungsteam unter Leitung von Dr. Lara M. Lange und Prof. Dr. Christine Klein vom Institut für Neurogenetik der Universität zu Lübeck hat im Rahmen des „Global Parkinson’s Genetics Program“ die bislang größte genetische Datenanalyse zu Parkinson vorgelegt, die über europäische und nordamerikanische Patienten hinausgeht. Sie fanden heraus, dass krankheitsauslösende genetische Veränderungen je nach Herkunft der Patienten sehr unterschiedlich häufig auftreten. Das Global Parkinson’s Genetics Program (GP2) ist ein internationales Konsortium, das genetische Daten von Menschen mit Parkinson aus aller Welt zusammenführt, um Diagnostik und Präzisionsmedizin weiterzuentwickeln. Das Team wertete genetische Daten von fast 100.000 Menschen aus elf Weltregionen, also auch Afrika, Lateinamerika und Asien, aus und ermittelte, dass die beiden Gene GBA1 und LRRK2, welche Bauanleitungen für Enzyme liefern, die für die „Müllentsorgung“ in Nervenzellen zuständig sind und bei Funktionsstörung zu Parkinson führen, weltweit von Bedeutung sind. Welche Veränderungen jedoch wo auftreten, unterscheidet sich bei Patienten von Region zu Region teils erheblich. Das führt z.B. dazu, dass Menschen außerhalb von Nordamerika und Europa durch das Raster fallen, wenn es um neue, genetisch gezielte Therapien geht.Originalpublikation:Lange LM, Fang ZH, Makarious MB, Kuznetsov N, Atterling Brolin K, Ballard S, Bardien S, Doquenia ML, Heutink P, Houlden H, Iwaki H, Jasaityte S, Jones L, Junker J, Kaiyrzhanov R, Koretsky MJ, Kumar KR; Latin American Research Consortium on the Genetics of Parkinson's Disease (LARGE-PD); Leonard HL, Levine KS, Lim SY, Mencacci NE, Mohamed WMY, Nalls MA, Noyce AJ, Ojha R, Okubadejo NU, Ur Rehman S, Screven L, Shashkin C, Sopromadze S, Stafford EJ, Tan AH, Tan M, Tavadyan Z, Trinh J, Tserensodnom B, Valente EM, Vitale D, Zharkinbekova N, Lohmann K, Bandres-Ciga S, Blauwendraat C, Singleton AB, Morris HR, Klein C; Global Parkinson's Genetics Program (GP2). Parkinson's disease genetics across diverse ancestries: an observational genetic study of causal and risk variants with translational implications. Lancet Neurol. 2026 Aug;25(8):741-754. doi: 10.1016/S1474-4422(26)00198-5. PMID: 42456684.Quelle:https://www.uni-luebeck.de/forschung/aktuelles-zur-forschung/aktuelles-zur-forschung/artikel/weltweit-groesste-studie-deckt-genetische-vielfalt-bei-parkinson-auf.html

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